03: Das Fünf-Faktoren Modell der Persönlichkeit

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1
alltagspsychologische vs. wissenschaftliche Terminologie
- Begriffspräzision
- empirische Verankerung: latente Variablen werden mit manifesten Indikatoren verknüpft
- Relationen müssen untersucht werden, um eine sinnvolle Ordnung vorzunehmen
- prädiktive Kriteriumsvalidität
2
Sedimentationshypothese
wichtige Eigenschaftsbegriffe haben sich in der Alltagssprache niedergeschlagen und sind dort als Wörter (meist Adjektive) enkodiert
3
Vorgehen in psycholexikalischen Studien
1. Eigenschaftswörter (aus Lexikon) in einer Liste festhalten
2. Liste bereinigen: Synonyma und ungebräuchliche Wörter ausschließen
3. optionale Bereinigung: Ausschluss von physischen Merkmalen, kognitiven Fähigkeiten, Werten und eindeutig positiv/negativ konnotierten Wörtern
4. Likert-skalierte Selbst- und Fremdberichte
5. Explorative Faktoren-Analyse: welche Begriffe korrelieren? -> Gruppen, die interindividuelle Unterschiede beschreiben
4
Definition Offenheit (Openness)
- Interesse an Erfahrungen, Erlebnissen und Eindrücken
- mentale Tiefe, Breite, Originalität und Komplexität
- fantasievoll, intellektuell neugierig, einfallsreich vs. konventionell, desinteressiert, einfach, festgelegt, bodenständig
5
Definition Gewissenhaftigkeit (Conscientiousness)
- Planung, Organisation und Durchführung langfristiger Aufgaben
- zielorientierte Impulskontrolle/Organisiertheit
- gründlich, diszipliniert, zielstrebig vs. gleichgültig, unbeschwert, nachlässig, ziellos
6
Definition Extraversion
- Aufsuchen und Genießen sozialer Reize und zwischenmenschlicher Interaktion -> Bedürfnis nach Stimulation und Erleben von Freude
- gesellig, gesprächig, aktiv, lebhaft vs. zurückhaltend, schüchtern, gehemmt, passiv
7
Definition Verträglichkeit (Agreeableness)
- harmonieherstellende Verhaltensweisen in sozialen Beziehungen
- prosoziale, gemeinschaftliche Orientierung
- gutmütig, vertrauensvoll, wohlwollend, altruistisch vs. kalt, streitlustig, misstrauisch, wetteifernd
8
Definition Neurotizismus (vs. emotionale Stabilität)
- Ansprechbarkeit für negative Emotionen, instabile Emotionalität
- stressanfällig, nervös, unsicher vs. entspannt, selbstsicher, robust, ruhig
9
Bewertung der Big Five
- Taxonomie statt Theorie: sparsame, effiziente, deskriptive Zusammenfassung alltagspsychologisch repräsentierter Eigenschaften
- keine funktionale Analyse
- Dimensionen/Domänen umstritten -> vor allem für Selbstberichte passend, aber ungeeignet für z.B. Verhaltensbeobachtung
- Fünf Faktoren je nach verwendeter Sprache nicht deutlich abgrenzbar
- umstrittene Hierarchie; ggf. übergeordnete Faktoren: Big One (Antworttendenz sozialer Erwünschtheit, soziale Wirksamkeit) oder Big Two (Stability vs. Plasticity, Alpha vs. Beta, Communion vs. Agency)
- Bandweite vs. Genauigkeit -> deckt nicht alle Facetten ab
10
Big Six: HEXACO
- Honesty/Humility da in vielen Sprachen hinreichend von Verträglichkeit verschieden (Aufrichtigkeit, Fairness, Gier-Vermeidung, Bescheidenheit)
- Emotionality statt Neurotizismsu
- XACO = wie Big 5
11
Merkmale von Traits
- kontinuierliche Dimension
- operationalisierbar
- Biologie + Umwelt
- Hierarchien möglich (z.B. Domänen, Facetten, Nuancen)
12
essenzialistische Perspektive
- Traits existieren in biophysiologischen Strukturen
- diese bedingen ABCDs
13
deskriptive Perspektive
- Traits fassen vergangenes Erleben und Verhalten zusammen
- ABCDs werden zu Einschätzung von Traits herangezogen
14
konditionale Perspektive
- Traits sind zeitlich stabile Wenn-Dann-Verknüpfungen
- wenn Situation X dann Reaktion Y
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