Weg in den Ersten Weltkrieg (Julikrise 1914)

13 flashcardsby Tizian
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1
Krisen als Vorgeschichte
Marokkokrisen (1905, 1911) und Balkankriege (1912/13) verschärfen die Kriegsbereitschaft. Zwei feindliche Blöcke stehen sich gegenüber: Mittelmächte (Deutschland, Österreich-Ungarn) vs. Triple Entente (Frankreich, Russland, GB).
2
Pulverfass Balkan
Zerfall des Osmanischen Reichs + Nationalitätenkonflikte. Österreich-Ungarn (Vielvölkerstaat) und Russland (Schutzmacht der Slawen/Serbiens) konkurrieren um Einfluss. Serbischer Nationalismus bedroht die Habsburgermonarchie.
3
Attentat von Sarajevo (28.6.1914)
Der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand wird von einem serbischen Nationalisten erschossen. Funke, der die Bündnismechanik in Gang setzt.
4
Blankoscheck
Deutschland sichert Österreich-Ungarn vorbehaltlose Unterstützung gegen Serbien zu – ein „Freibrief", egal was Österreich tut. Ermutigt Wien zum harten Vorgehen → entscheidender Eskalationsschritt.
5
Julikrise
Die fünf Wochen zwischen Attentat und Kriegsausbruch. Österreichisches Ultimatum an Serbien → Kriegserklärung. Bündnisautomatismus: Russland mobilisiert (Schutzmacht Serbiens), Frankreich gebunden, Deutschland zieht nach. Die Bündnisse wirken wie ein Uhrwerk.
6
Bündnisautomatismus
Die Bündnisse, die eigentlich abschrecken sollten, ziehen ein Land nach dem anderen hinein. Wilhelm II. und das Militär stoppen den Mechanismus nicht; die russische Mobilmachung gilt als Bedrohung des Schlieffenplans → „dem Gegner zuvorkommen".
7
Schlieffenplan
Deutscher Plan für den Zweifrontenkrieg: zuerst schneller Sieg im Westen durch Umgehung über das neutrale Belgien, dann alle Kräfte gegen das langsamer mobilisierende Russland. Verlangt einen möglichst frühen Kriegsbeginn → lässt der Diplomatie kaum Zeit.
8
Verletzung der Neutralität Belgiens
Der Einmarsch ins neutrale Belgien bringt Großbritannien in den Krieg. Außerdem scheitert der „schnelle Sieg" → aus dem Bewegungskrieg wird der Stellungskrieg.
9
Burgfrieden (August 1914)
Anfangs Kriegsbegeisterung; alle Parteien (auch die SPD) stellen ihre Konflikte zurück und bewilligen die Kriegskredite. „Innerer Frieden" für die „gerechte Sache". Zerbricht später (ab 1917).
10
Kriegsziele der Mächte
Deutschland: weitreichende Annexionen (Alldeutsche); Frankreich: Elsass-Lothringen zurück; Großbritannien: deutsche Flotte und Kolonien ausschalten. Nur die SPD will einen Verständigungsfrieden.
11
Aggressiver Nationalismus & Militarismus
Treibende Stimmungen 1914: nationale Begeisterung, Militärgläubigkeit, Glaube an einen kurzen, siegreichen Krieg („zu Weihnachten wieder daheim").
12
Fritz Fischer (Fischer-Kontroverse)
These (1960er): Das Deutsche Reich trage die Hauptverantwortung für den Kriegsausbruch – gezielte Kriegspolitik, weitreichende Kriegsziele. Tabubruch, löst einen der heftigsten Historikerstreite aus.
13
Christopher Clark („Die Schlafwandler")
Gegenposition: betont die Mitverantwortung ALLER Mächte – Europa „schlafwandelte" in den Krieg. Differenziert Fischers Alleinschuld-These, ohne die deutsche/österreichische Rolle (Blankoscheck) zu leugnen.
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