Reichsgründung 1871 & Verfassung

16 flashcardsby Tizian
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1
Verfassungskonflikt (1862)
Streit um die Heeresreform: liberale Landtagsmehrheit verweigert das Budget. König Wilhelm I. beruft Bismarck zum preußischen Ministerpräsidenten. Machtkampf Krone gegen Parlament.
2
Lückentheorie
Bismarcks Trick: Wenn die Verfassung den Streitfall nicht regelt, gibt es eine „Lücke" → der König entscheidet. Bismarck regiert jahrelang OHNE bewilligten Haushalt.
3
„Eisen und Blut" (1862)
Bismarcks Programm: Die großen Fragen werden nicht durch Reden und Mehrheitsbeschlüsse (= Fehler von 1848) entschieden, sondern durch „Eisen und Blut" – also durch Krieg.
4
Indemnitätsvorlage (1866)
Nach den Kriegserfolgen segnet das Parlament Bismarcks verfassungswidriges Regieren nachträglich ab. Entwaffnet die liberale Opposition → viele ordnen die Freiheit der Einheit unter.
5
Deutsch-Dänischer Krieg (1864)
Gemeinsam mit Österreich gegen Dänemark. Gewinn von Schleswig & Holstein (Verwaltung geteilt). Erste Stufe der Einigung „von oben".
6
Deutscher Krieg (1866)
Preußen gegen Österreich. Entscheidung bei Königgrätz. Folge: Österreich aus Deutschland ausgeschlossen → kleindeutsche Lösung. Auflösung des Deutschen Bundes, Gründung des Norddeutschen Bundes.
7
Deutsch-Französischer Krieg (1870/71)
Auslöser: Emser Depesche – Bismarck kürzt den Bericht so, dass Frankreich provoziert wird und den Krieg erklärt → Frankreich erscheint als Aggressor, ist isoliert. Sieg bei Sedan. Süddeutsche Staaten treten über die Militärbündnisse bei.
8
Kaiserproklamation (18.1.1871)
Im Spiegelsaal von Versailles – auf dem Boden des besiegten Frankreichs. Wilhelm I. wird Deutscher Kaiser. Einheit „von oben": militärisch erkämpft, durch Fürstenbeschluss, OHNE Volksvertretung. Folge: Annexion Elsass-Lothringens → Dauerkonflikt mit Frankreich.
9
Reichsverfassung 1871 – die Organe
Kaiser (Oberbefehl, ernennt Kanzler) · Reichskanzler (nur dem Kaiser verantwortlich, zugleich preuß. Ministerpräsident) · Bundesrat (Vertretung der Fürsten, formal höchstes Organ) · Reichstag (gewählt, allgemeines gleiches Männerwahlrecht ab 25).
10
Demokratiedefizit / Scheinkonstitutionalismus
Sieht modern aus (allgemeines Wahlrecht), aber die Macht liegt bei Kaiser, Kanzler und Militär. Reichstag kann den Kanzler NICHT stürzen → kein parlamentarisches System. „Obrigkeitsstaat".
11
Soziale Schichtung
Adel (~1 %, Großgrundbesitz, Führungsämter; preuß. Dreiklassenwahlrecht) · Groß-/Besitzbürgertum (wohlhabend, am Adel orientiert, staatstreu) · Bildungsbürgertum (eher liberal) · untere Mittelschicht (~30 %) · Arbeiterschaft (~55 %, 10–12-Std.-Tag, eigenes SPD-Milieu, staatskritisch).
12
Ausgrenzung & Militarismus
Wachsender Antisemitismus trotz formaler Judenemanzipation 1871; Germanisierung von Polen, Dänen, Elsässern. Militär als „Schule der Nation", Uniform als Statussymbol. Patriarchalisch – Frauen politisch erst nach 1918 gleichgestellt.
13
Parteienspektrum
Nationalliberale (stärkste Kraft, Bürgertum, Bismarck-Stütze in den 1870ern) · Konservative (Adel, Monarchie, Militär) · Zentrum (katholisch, erste Volkspartei, Föderalismus) · Fortschrittspartei (linksliberal, Opposition) · SPD (Massenpartei, Arbeiterbewegung).
14
Weltanschauungsparteien
Parteien als feste „Milieu"-Parteien ohne Regierungsverantwortung → kein Zwang zu Koalition und Kompromiss. Folge: parlamentarische Kultur kann sich nicht entwickeln.
15
Lothar Gall (Historiker)
Charakterisiert Bismarck als „weißen Revolutionär": konservativ („weiß"), aber mit revolutionären Mitteln. Rettet die alte Monarchie, indem er die nationale Bewegung für Preußen nutzt.
16
Bismarck (Selbstzeugnis)
„Eisen und Blut"-Rede 1862. Realpolitiker: Krieg und Diplomatie als bewusste Mittel; Missachtung von Parlament und Liberalismus zugunsten preußischer Macht.
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