1Parlamentarisierung „von oben" (Okt. 1918)
Die OHL erzwingt den Umbau zur parlamentarischen Monarchie (Regierung Max von Baden) – auch, um die Niederlage auf die Demokraten abzuwälzen (Keim der Dolchstoßlegende).
2Kieler Matrosenaufstand (Nov. 1918)
Matrosen verweigern eine sinnlose Flottenaktion. Funke der Novemberrevolution: binnen Tagen entstehen überall Arbeiter- und Soldatenräte, die Revolution erfasst das Reich.
3Doppelte Republikausrufung (9.11.1918)
Scheidemann (SPD) ruft vom Reichstag die „Deutsche Republik" aus (Ziel: parlamentarische Demokratie). Liebknecht (Spartakus) wenige Stunden später die „freie sozialistische Republik" (Ziel: Rätestaat). Kaiser Wilhelm II. dankt ab.
4Rat der Volksbeauftragten
Provisorische Regierung aus je 3 Vertretern von SPD und USPD. Von Anfang an durch gegensätzliche Ziele (Demokratie vs. Rätestaat) zum Konflikt verurteilt.
5Ebert-Groener-Pakt (10.11.1918)
Die OHL sichert Ebert die Loyalität des Heeres zu, im Gegenzug bleibt das Offizierskorps unangetastet und der Bolschewismus wird bekämpft. Die alten Eliten bleiben → spätere Hypothek.
6Stinnes-Legien-Abkommen (15.11.1918)
Arbeitgeber und Gewerkschaften vereinbaren 8-Stunden-Tag und Tarifpartnerschaft; im Gegenzug Schutz vor Sozialisierung.
7Reichsrätekongress (Dez. 1918)
Mehrheit stimmt mit ~400 zu 50 für Wahlen zu einer Nationalversammlung → Entscheidung gegen den Rätestaat, für die parlamentarische Demokratie.
8Spartakusaufstand & Freikorps (Jan. 1919)
Linksradikaler Aufstand, niedergeschlagen von Regierungstruppen und Freikorps. Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (15.1.1919). Freikorps: spätere Fememorde (Erzberger, Rathenau).
9Warum sich der Parlamentarismus durchsetzte
Mäßigung der SPD · Pakt mit den alten Eliten · Nationalversammlung statt Räte · Niederschlagung der Aufstände · Schwäche/Uneinigkeit der Rätebewegung · Angst vor „russischen Verhältnissen".
10Pariser Friedensordnung (1919)
Sieger ordnen Europa neu; Verlierer und Sowjetrussland ausgeschlossen. Leitidee Wilsons: Selbstbestimmungsrecht der Völker. Gründung des Völkerbunds.
11Versailler Vertrag (28.6.1919)
Gebietsverluste (Elsass-Lothringen, Westpreußen/Posen, „Polnischer Korridor", Danzig, Saargebiet, alle Kolonien) · Militärbeschränkung (Heer 100.000, keine Luftwaffe, entmilitarisiertes Rheinland) · Reparationen.
12Kriegsschuldartikel (Art. 231)
Deutschland erkennt die alleinige Kriegsschuld an → rechtliche Grundlage der Reparationen. Über alle Parteien hinweg als „Diktat"/„Schmachfrieden" empfunden.
13Folgen für die Republik
Diskreditiert die Republik und ihre Träger („Erfüllungspolitiker"). Nährt die Dolchstoßlegende. Revision von Versailles wird zum außenpolitischen Primat aller Parteien.
14Die Organe
Reichstag (Verhältniswahlrecht, Männer und Frauen ab 20) · Reichspräsident (volksgewählt, 7 Jahre, „Ersatzkaiser", Oberbefehl) · Reichsregierung (Kanzler braucht Vertrauen des Reichstags, Art. 54) · Reichsrat (Länder).
15Strukturschwächen
Art. 48 (Notverordnungsrecht → später Einfallstor für Präsidialkabinette) · Verhältniswahlrecht ohne Sperrklausel → Parteienzersplitterung · mächtiger volksgewählter Präsident · keine „wehrhafte Demokratie".
16Weimarer Koalition vs. Systemfeinde
Träger der Republik: SPD, Zentrum, DDP. Bekämpft von links (KPD) und rechts (DNVP, NSDAP) → „Republik ohne Republikaner".
17MSPD / Mehrheitssozialdemokratie
Will geordneten Übergang und parlamentarische Demokratie; setzt auf Nationalversammlung und Pakt mit den alten Mächten.
18USPD & Spartakusbund
Linker Flügel; Ziel Rätestaat nach sowjetischem Vorbild. Spartakusbund → später KPD.
19Ebert (Selbstzeugnis/Pakt)
SPD-Führer, erster Reichspräsident. Sein Pakt mit OHL und Eliten gilt als Schlüsselentscheidung – Stabilisierung der Republik, aber zugleich Bewahrung republikfeindlicher Strukturen.
20Bewertung des „Pakts mit den alten Mächten"
Oft als Ursache für Weimars Scheitern gedeutet (Eliten bleiben republikfeindlich). Gegenüberzustellen: die reale Alternative – angesichts von Chaos, Hunger und drohendem Bürgerkrieg sah die SPD kaum einen anderen Weg.