2(Schwache Staatlichkeit) 3 (Demokratie in Gefahr) 4( Wahlen in AUtokratien)

53 flashcardsby Benedict
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Vormoderne Staaten aus Chiefdoms
Frühstaaten gingen häufig aus chiefdoms (olitische Einheit, die von einem Häuptling oder einer Häuptlingsfamilie regiert wird und mehrere Gemeinschaften umfasst) hervor
- sozialen Gefügen mit hierarchischer Führung, Umverteilungsmechanismen und kultischer Legitimation (echtfertigung von Macht oder Herrschaft durch religiöse oder kultische Praktiken und Vorstellungen). Mit wachsender Bevölkerungsdichte und Ressourcenverteilung wurde politische Zentralisierung notwendig.
Städte wie Uruk (Mesopotamien, ca. 4000 v. Chr.) entstanden aus solchen Strukturen und gelten als erste urbane Zentren mit Schrift, Verwaltung und Monumentalarchitektur; Daraus entstanden empires
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In line with our hypotheses, higher levels of state access are associated with fewer challengers (Model 1), less violence among them (Model 2), and less fighting between them and government forces (Model 3). Conversely, internal connectedness is associated with more challengers and conflict events. Across the three models, the two coefficients are precisely estimated and ; higher levels of RSC are associated with fewer challengers, less conflictamon gthem,and lessfighting between challengers and the state.
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Kennzeichen moderner Staatlichkeit
1. Zentralisierung der Herrschaft:  Monopol vs. Oligopol politischer Macht  Idee der Souveränität: Einzigsein und Zuhöchstsein

2. Staatliche Reichweite:  Relativ kleine Territorien  Einfluss geht in die Tiefe statt in die Breite: Durchdringung des Alltagslebens

3. Formalisierung der Herrschaft:  Aufbau rational-legaler Herrschaft (Weber), basierend auf kirchlichem Vorbild  Abstrakte Institutionen statt persönliche, klientelistische Netzwerke

4. Repräsentation:  Goldilock Zone: Zentralmacht ist weder zu stark noch zu schwach

 Inkorporation von local communities (v.a. Städte) in den Staat: Parlame
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Staatlichkeit Definition
Die Fähigkeit eines Staates zur Vollstreckung des eigenen Anspruchs auf soziale Kontrolle über ein abgrenzbares Territorium und dessen Bevölkerung
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Primäre Staatsbildungszentren
- Mesopotamien: Stadtstaaten (z. B. Ur, Lagasch) mit zentralisierter Tempelwirtschaft und früher Gesetzgebung (Codex Ur-Nammu, später Hammurabi).
-Ägypten: Frühe Reichsbildung entlang des Nils; pharaonische Theokratie mit hoher Verwaltungskomplexität.
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Moderne Staaten
Im Zeitraum zwischen dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit (ca. 1300–1700) entstanden in Westeuropa – insbesondere in England, Frankreich, den Niederlanden, Portugal und Spanien – erstmals politische Strukturen, die zentrale Merkmale moderner Staatlichkeit wie Souveränität, Bürokratie und territoriale Kohärenz vorwegnahmen. Entscheidende Voraussetzungen waren dabei eine mittlere Urbanisierungsdichte: weder zu gering wie in Russland noch zu hoch wie in Norditalien

Die Urbanisierung war ein entscheidender Faktor: Zu geringe Urbanisierung – wie etwa im spätmittelalterlichen Russland, wo weite Landstriche ohne städtische Infrastruktur blieben – hemmte die Etablierung administrativer Netzwerke. Umgekehrt verhinderte eine zu hohe Urbanisierungsdichte wie in Norditalien – mit zahlreichen prosperierenden, aber politisch autonomen Stadtstaaten (z. B. Venedig, Florenz, Mailand) – eine stabile territoriale Zentralisierung. Erfolgreiche Staatsbildung erforderte ein mittleres Urbanisierungsniveau: Städte als Zentren fiskalischer und militärischer Verwaltung, aber eingebettet in eine weitgehend kontrollierbare territoriale Ordnung.

• Frühe Ausbildung kolonialer Projekte in Übersee

- Stärkte zugleich den innerstaatlichen Apparat durch Ressourcenakkumulation, gesellschaftliche Umlenkung (z. B. Auswanderung) und ideologische Legitimation (z. B. Christianisierung)
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Wodurch kommt Staatlichkeit besonders zustande?
Bürokratisierung!

• Der Staat wächst um die Person des Königs (Behörden, Gerichte und Parlamente)
• Der Staat muss sich zunächst gegen lokale (Barone) und transnationale 2 Herausforderer (Kirche) behaupten
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Trinh; Inwiefern stellen Wahlen eine Informationsquelle für autoritäre Regime dar? (Wahlen in Autokratien , 4)
das Regime muss sich bei der Wahl auf bestimmte Signale fokussieren (bspw. nicht gleichzeitig allgemeine Bürgerpräferenzen & Informationen über Agentenperformanz)
○ overdetermination problem: es lassen sich viele Ursachen für schlechtes Wahlergebnisse finden (mehrere Interpretationen möglich) ; Eine Niederlage kann auf Unpopularität oder auf mangelnde Loyalität/Leistung lokaler Parteikader hinweisen – Regime müssen sich vorab entscheiden, welcher Interpretation sie folgen.
○ electioneering: Regime gestaltet die Wahl durch selektive Manipulation (bspw. Toleranz für gewisse localized defeats) so, dass sich eine bestimmte Information ermitteln lässt
○ durch diese selektive Manipulation erhält das Regime die gewünschten Informationen & blendet andere Signale aus
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2. Wie macht sich die Studie unerwartete Wahlniederlagen methodisch zunutze? (2 Hauptthesen)
→ Trinh sieht die Wahlniederlagen als strategische Beobachtungspunkte & will anhand der politischen Reaktion der CPV ermitteln, auf welche Art von Informationen sich das Regime bei der Wahl fokussiert hat, entweder:

a) Informationen über regionale Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem Regime Information über die Leistungsfähigkeit oder b)Loyalität lokaler Funktionäre → empirische Untersuchung anhand von Veränderungen bei zentralen Geldtransfers in die jeweiligen Provinzen

These 1: Wenn das Regime mehr Geld in diese Provinzen leitet, deutet dies darauf hin, dass es die Niederlagen als Unzufriedenheit der Bevölkerung interpretiert und mit öffentlichen Gütern reagiert (Besänftigung).

THese 2 : (Widerlegt) Wenn es stattdessen weniger Geld transferiert, wäre das ein Hinweis, dass das Regime lokale Funktionäre bestrafen will (aufgrund von mangelhafter Leistungsfähigkeit)
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*3. Welche empirische Befunde generiert die Studie in Bezug auf den Nutzen von Wahlen für das vietnamesische Regime? :
● die Untersuchung lässt ein Muster erkennen, bei dem die zentralen Geldtransfers in die jeweiligen Regionen der unerwarteten Wahlniederlagen signifikant zugenommen haben
● gleichzeitig gab es keine Strafmaßnahmen gegen die lokalen Regimefunktionäre

→ laut Trinh hat das Regime folglich bei der Wahl seinen Rückhalt in der Bevölkerung überprüfen wollen & nicht die Leistung seiner lokalen Agenten (hielt diese somit nicht für verantwortlich)
→ unerwartete Wahlniederlagen dienen als Signal für lokale Unzufriedenheit mit dem Regime → auf die regionale Unzufriedenheit reagierte die CPV gezielt mit Investitionen, von denen die lokale Bevölkerungen direkt profitierten (v.a. in öffentliche/ öffentlichkeitswirksame Projekte) → Besänftigung
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Beispiele aus Trinh Text
Beispiel 1: Provinz Can Tho; Parlamentswahl 2016 statt: zentrale (vom CPV nominierte) Kandidaten verloren unerwartet ihr Mandat – darunter auch in Provinzen wie Can Tho


Kontext: In Can Tho, einer bedeutenden Stadt im Mekong-Delta, ve

Postelektorale Reaktion: Im Jahr nach der Wahl erhöhte die Regierung die zentralen Transfer an Can Tho erheblich – konkret um mehrere hundert Milliarden VND zusätzlich zum üblichen Trend. Diese Mittel wurden teilweise für den Bau eines neuen Krankenhauses verwendet.

These gestützt: Die gezielte Zuweisung zusätzlicher Mittel deutet darauf hin, dass das Regime die Wahlniederlage nicht als Versagen lokaler Parteikader, sondern als Signal von Unzufriedenheit in der Bevölkerung deutete – und versuchte, diese durch Investitionen in sichtbare öffentliche Güter zu besänftigen.

Abgrenzung: Es gab keine personellen Konsequenzen für lokale Parteifunktionäre – was gegen die Hypothese spricht, dass Wahlergebnisse zur Überwachung oder Bestrafung lokaler Eliten dienen.
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Tilly Exkurs
Kontext: Tillys bekannte Formel „war made the state and the state made war“ (1975) verweist auf die enge Verbindung zwischen externer Expansion, Ressourcenerhebung und innerer Staatsbildung.

Bezug: Koloniale Expansion diente in seinem Modell als Mittel der Ressourcenakkumulation (z. B. Silber aus Lateinamerika), wodurch Staaten in die Lage versetzt wurden, stehende Heere zu finanzieren und bürokratische Strukturen auszubauen.
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Idee der Sou´veränität *nur unterpunkt yentralisierung
Einzigsein und Zuhöchstsein: Unteilbarkeit der Souveränität
- Das Einzigsein verweist auf die Einheit und Unteilbarkeit der souveränen Gewalt. In
-Es kann nur eine höchste Gewalt im Staat geben. Diese ist nicht teilbar auf verschiedene Akteure oder Institutionen.
- Der Souverän (sei es ein Monarch, ein Parlament oder das Volk) entscheidet letztverbindlich – es gibt keine übergeordnete Instanz.

Bei Jean Bodin (1576, Les Six Livres de la République) ist die Souveränität "die absolute und immerwährende Macht eines Staates". Sie ist unteilbar, weil eine geteilte Souveränität zu Konflikten führt und letztlich die politische Einheit des Gemeinwesens zerstört.

2. Zuhöchstsein (Oberhoheit, Supreme Authority)
- Das Zuhöchstsein bezeichnet die höchste Stellung der souveränen Gewalt im Verhältnis zu allen anderen Normen, Akteuren und Mächten:
- Der Souverän steht über allen anderen Gewalten, Gesetzen und Verpflichtungen.
- legibus solutus – er steht über dem positiven Recht (nicht aber über dem Natur- oder göttlichen Recht) - Gefahr (Bei bodiin Rechtfertigung des Absolutismus)


Diese "Suprematie" macht den Souverän zur letzten Entscheidungsinstanz im politischen Ordnungsgefüge.
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Kennzeichen moderner Staatlichkeit
- Staatlichkeit ist FÄhnigkeit eines States zus vollstreckung des eigenen Anspruchs auf soziale kontrolle über ein abgrenzbares territorium und dessen Bevölkerung

1. Zentralisierung der Herrschaft:
- Monopol vs. Oligopol politischer Macht
- Idee der Souveränität: Einzigsein und Zuhöchstsein
2. Staatliche Reichweite:
- Relativ kleine Territorien; Einfluss geht in die Tiefe statt in die Breite: Durchdringung des Alltagslebens
3. Formalisierung der Herrschaft:
Aufbau rational-legaler Herrschaft (Weber), basierend auf kirchlichem Vorbild
- Abstrakte Institutionen statt persönliche, klientelistische Netzwerke In Max Webers Typologie entspricht dies der rational-legalen Herrschaft, bei der Autorität nicht auf Tradition oder Charisma beruht, sondern auf legalen Normen und Verfahren.

Dieser Wandel setzte im spätmittelalterlichen Europa ein, beeinflusst u.a. durch kirchliche Organisationsformen (z. B. das kanonische Recht und die römisch-katholische Kurie). Die Kirche diente als Modell für bürokratische Verwaltung, verschriftlichte Rechtsordnungen und die Trennung zwischen Amt und Person.:*\


4. Repräsentation:
Goldilock Zone: Zentralmacht ist weder zu stark noch zu schwach
- Inkorporation von local communities (v.a. Städte) in den Staat: Parlamente
- Parlamente als Verhandlungsarenen
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Weber Herrschaftstypen
Rational-legaler Herrschaftstyp
Die „reine“ Form der rational-legalen Herrschaft ist mit der Herrschaft der Bürokratie nahezu identisch. Sie legitimiert sich durch die Legalität ihrer Verhaltensweisen und gilt für alle Mitglieder des Herrschaftsverbandes. Das Recht gilt als „technischer Apparat“. Die Personen, die die Befehlsgewalt ausüben, werden aufgrund gesetzlich geregelter Verfahren ernannt oder gewählt.

Traditionaler Herrschaftstyp
Die traditionale Herrschaft kennzeichnet sich durch den Glauben an die Heiligkeit seit jeher vorhandener Ordnungen und Herrengewalten. Sowohl die Übereinstimmung mit traditionellen Normen und Werten als auch die persönliche Willkür des Herrschenden sind kennzeichnend für diesen Herrschaftstyp. Die „Untertanen“ gehorchen aus Loyalität oder Abhängigkeit gegenüber dem Herrn.

Charismatischer Herrschaftstyp

Der Anerkennung des Herrn liegt hier seine charismatische Qualifikation zu Grunde. Personen, die einem solchen Führer gehorchen, glauben an dessen außergewöhnliche Qualitäten. Beamte werden nicht aufgrund ihrer fachlichen Qualifikation, sondern nach ihrer persönlichen Hingabe und Loyalität gegenüber dem Herrscher rekrutiert.
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Goldilock-Zone (Punkt 4 Kennzeichen moderner Staatlichkeit; repräsentation)
In der vergleichenden Forschung zur Entstehung moderner Staaten, s geht um das Gleichgewicht zwischen Zentralisierung und Pluralismus:

- Zu wenig Zentralisierung (z. B. segmentäre Stammesgesellschaften) verhindert die Durchsetzung eines Gewaltmonopols und die Etablierung von Staatlichkeit.
- Zu viel Zentralisierung (z. B. totalitäre Vormachtstellung ohne institutionelle Balance) führt zu Autokratie, Rent-Seeking und politischer Stagnation.
- Das „richtige Maß“ – die Goldilocks-Zone – bietet stabile, aber anpassungsfähige Institutionen, erlaubt gesellschaftliche Teilhabe, und ermöglicht wirtschaftliche sowie politische Entwicklung.
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Staatliche Fragilität (Grundkonzept 1 Staatlichkeit) (Nicht MErkmale)
“State fragility is […] defined as deficiencies in one or more of three core functions of the state. These functions include violence control, implementation capacity, and empirical legitimacy” (Ziaja, Grävingholt und Kreibaum 2019: 299)

• Gewaltmonopol • Bürokratische Strukturen • Legitimation

Die Fähigkeit eines Staates zur Vollstreckung des eigenen Anspruchs auf soziale Kontrolle über ein abgrenzbares Territorium und dessen Bevölkerung
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Staatlichkeit (Grundkonzept 2 Staatlichkeit)
Die Fähigkeit eines Staates zur Vollstreckung des eigenen Anspruchs auf soziale Kontrolle über ein abgrenzbares Territorium und dessen Bevölkerung • Gewaltmonopol
• Bürokratische Strukturen
• Legitimation
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Staatlichkeit und staatliche Fragilität (feedbackschleife)
Staatlichkeit und staatliche Fragilität
• Staatlichkeit hat stets ein Hauptziel: Die Ausübung sozialer Kontrolle zur Regulierung von Konflikten (zwischenmenschlich und gruppenübergreifend)
• Wenn diese Regulation versagt, wächst die Gefahr einer gewaltsamen Eskalation
• Feedback-Schleife von Konflikteskalation zu schwacher Staatlichkeit
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Wann liegt Schwache Staatlichkeit vor?
1. Gewaltmonopol:
2. Bürokratische Strukturen:
3. Legitimation:

Nicht gegeben sind (One ore more of the three core functions of the state). Die Ausübung sozialer Kontrolle zur Regulierung von Konflikten (zwischenmenschlich und gruppenübergreifend)
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Normative vs empirische Legintimation des Staates
Normative Legitimation: = Ideologische/Philosophische Perspektive (Gerecht, gut)
vs. Empirische Legitimation: Es geht um die Bürger innerhalb des Landes (unsere Kriterien sind egal)
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Was ist das Hauptziel von Staatlichkeit - und Verbindung zu schwacher Staatlichkeit?
Die Ausübung sozialer Kontrolle zur Regulierung von Konflikten (zwischenmenschlich und gruppenübergreifend)
• Wenn diese Regulation versagt, wächst die Gefahr einer gewaltsamen Eskalation
• Feedback-Schleife von Konflikteskalation zu schwacher Staatlichkeit

Vergleichend:
Charles Tilly argumentiert historisch, dass Staaten sich aus dem Bedürfnis heraus entwickelten, Gewalt zu kontrollieren – durch stehende Heere, Bürokratien und Steuersysteme. Sein berühmter Satz lautet: “War made the state, and the state made war.”

- Staaten entwickelten sich nicht primär zur Wahrung des Gemeinwohls, sondern weil politische Eliten sich zur Durchsetzung ihrer Herrschaft (insbesondere zur Finanzierung und Organisation von Kriegen) dauerhafte Strukturen schaffen mussten.

Vgl. zu Klientalismus:
- Herrscher haben ihre eigenen Schutzleistungen als notwendig inszeniert,
- Sie beseitigten dabei oft selbst erst geschaffene Unsicherheit (z. B. durch Kriegsdrohungen),
- Loyalität wurde durch Abhängigkeit erzwungen.
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Müller Cropon State Capacity
State Capacity
= Fokus auf social control und accessibility
- Die Fähigkeit eines Staates, alle Einwohner in bewohnten Gegenden zu erreichen und durch gezielte staatliche Eingriffe zu kontrollieren
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Zentrale Argumente
- Einwohner kooperieren mit dem Akteur, welcher vor Ort soziale Kontrolle ausübt.
- Ist die relative Fähigkeit des Staates zur Ausübung sozialer Kontrolle geringer als die eines potenziellen Herausforderers (bspw. ethnische Gruppe), wird dieser versuchen, das entstandene Macht-Vakuum zu füllen. Dies führt zu Gelegenheiten (opportunities), die staatliche Herrschaft herauszufordern (RSC!)

RSC:
„the degree to which the state’s control over its subjects outweighs that of ethnic governance instititutions“ (Müller-Crepon/ Hunziker/ Cederman 2021: 570)
Niedrige RSC: Gelegenheit für lokale Akteure, gegen den Staat oder gegen einen anderen lokalen Akteur zu mobilisieren und Konflikt zu beginnen → Lokale Kontrolle überwiegt der staatlichen Kontrolle
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Herausforderer Müller Crepon
= bewaffnete Akteure, die das Gewaltmonopol einer Regierung angreifen
= Rebellengruppen und Milizen, die mit der Regierung und untereinander um die lokale Macht konkurrieren
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3 hypothesen Müller Crepon
H1: Bei schwachem RSC gibt es mehr “Challenger” H2: Bei niedrigem RSC ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es zu einem Konflikt zwischen “Challenger” kommt H3: „ Bei niedrigem RSC ist die Wahrscheinlichkeit für einen Konflikt zwischen “Challenger” und dem Staat höher
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Herrschaftsarten Weber (Herrschaft)
1. Legale (rationale) Herrschaft
Die legale Herrschaft gründet auf einem System rational gesetzter Regeln und Gesetze. Die Legitimität entsteht durch die Überzeugung, dass die bestehenden Ordnungen und die daraus abgeleiteten Befehle rechtmäßig sind. Gehorsam wird nicht einer Person, sondern abstrakten Normen und der durch sie autorisierten Amtsstellung geleistet. Der prototypische Fall ist die moderne Bürokratie, in der die Verwaltung nach sachlichen, formalisierten und unpersönlichen Kriterien funktioniert. Charakteristisch sind dabei:

- Regelgebundenheit und Formalität
- Sachlich abgegrenzte Zuständigkeiten
- Hierarchische Amtsstruktur

Möglichkeit der rationalen Kontrolle und Abberufung der Herrschenden

2. Traditionale Herrschaft
Die traditionelle Herrschaft basiert auf dem Glauben an die Heiligkeit überlieferter Ordnungen und die Legitimität derjenigen, die kraft Tradition herrschen. Die Gehorsamsbereitschaft der Beherrschten resultiert aus der Akzeptanz und Verinnerlichung historisch gewachsener Normen und Bräuche. Typische Erscheinungsformen sind Monarchien, Feudalordnungen oder patriarchalische Strukturen. Die Herrschaftsbeziehung ist meist personalisiert und an dynastische oder familiäre Kontinuität gebunden.

3 Charismatische Herrschaft
Charismatische Herrschaft beruht auf der außeralltäglichen Hingabe an die Person eines Führers, der als mit besonderen, übernatürlichen oder heldenhaften Qualitäten ausgestattet gilt. Die Legitimität speist sich aus der persönlichen Ausstrahlung und den als außergewöhnlich wahrgenommenen Fähigkeiten des Herrschers. Charismatische Herrschaft entsteht häufig in Krisenzeiten und ist von Instabilität und starker Emotionalität geprägt. Sie ist grundsätzlich anti-institutionell und steht in einem Spannungsverhältnis zu tradierten oder legalen Ordnungen.
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. Beispiele für den Zusammenhang zwischen niedriger relationaler Staatlichkeit und erhöhter Konfliktgefahr
(Zentralafrikanische Republik): Weit entfernte Hauptstadt, aber gute lokale Straßen; Seleka‐Rebellen eroberten 2013.
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10% verringerte RSC
Konflikte unter Herausforderern: Wo staatliche Reichweite gering ist, Rebellen jedoch intern gut vernetzt sind, treten häufiger Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Rebellengruppen auf.

Niedrige RSC-Werte korrelieren mit mehr Gefechten zwischen Rebellen/Milizen und staatlichen Sicherheitskräften.
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Demokratiemessung; Was das beste Mittel um zu messen? (Demokratie in Gefahr)
V-Dem:
-Gilt zur Zeit als das beste Messangebot
- erschiedene „Varianten“: electoral, liberal, participatory, deliberative democracy
- Im Zentrum steht Index der elektoralen Demokratie!

- Die Basis bilden ordinale Einzelindikatoren – bspw. election free and fair

V-Dem (Varieties of Democracy) misst Demokratiequalität über Hunderte ordinaler Einzelindikatoren, die von internationalen Expert*innen auf einer Skala (z. B. 0–4) bewertet werden, etwa zur Freiheit und Fairness von Wahlen, Pressefreiheit oder Unabhängigkeit der Justiz.
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Kritik V-Dem
Manche Einzelwerte sind empirisch nicht einfach nachvollziehbar – warum werden z.B. Parlamentswahlen in Kuwait seit 1993 fast durchgängig als “free and fair” eingestuft?

- Subjektivität der Bewertungen: Experteneinschätzungen können trotz Aggregationsverfahren verzerrt sein (z. B. durch kulturelle oder politische Vorannahmen).
- Zeitliche Verzerrungen möglich: Retrokodierungen (Bewertungen historischer Zeiträume) beruhen auf unvollständigen Quellen und können verzerrt sein.
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Komponenten der V-Dem Messung; Wo liegt Schwellenwert?
-Dem misst diese Komponenten der liberalen Demokratie getrennt
- Werebereich 0-1 ; Schwellenwert 0.8
• Demokratie: Electoral Democracy Index (EDI)
• Konstitutionalismus: Liberal Component Index (LCI)
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V Dem misst die Komponenten getrennt; Elemente der liberalen Demokratie
1. Demokratie (Teilhaberechte)
• Der Staat ist den Interessen der Mehrheit verpflichtet (Responsivität; Bereitschaft politischer Amtsträgerinnen und Amtsträger, auf die Interessen der Bürgerinnen und Bürger einzugehen)
• Im Zentrum stehen der freie und faire Wettbewerb um die öffentliche Meinung (Teilhaberechte: Wahlrecht, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit etc.)

2. Konstitutionalismus (Abwehrrecht)
• Schutz der Individuen und der Minderheiten vor der „Tyrannei der Mehrheit“
• Im Zentrum steht die Garantie der Grundrechte durch parlamentarische und gerichtliche Kontrolle (Privatsphäre ) (Abwehrrechte: Unversehrtheit, Unverletzlichkeit, Weltanschauungsfreiheit, Berufsfreiheit etc.)
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Liberale Demokratie
Demokratie und Konstitutionalismus und haben unterschiedliche historische Wurzeln und sind erst im 19./20. Jh. eine Verbindung eingegangen („liberale Demokratie“)
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Weltweite Trends Liberale Demokratie
• Die Zahl der liberalen demokratischen Regime ist um 23% gesunken
• Liberale autokratische Regime sind recht instabil (nur 12 sind gleich geblieben)
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Häufigste Veränderungsformen
• Autokratisierung bzw. Deliberalisierung sind die häufigsten Veränderungsformen
• Sie betreffen aber zu 88 bzw. 86% bereits nicht-demokratische bzw. illiberale Regime (autokratische Konsolidierung;

Jedoch: Autokratische Konsolidierung ist eine spezifische Form davon:
Sie bezeichnet Autokratisierung innerhalb bereits autoritärer Regime, also keine Erosion der Demokratie, sondern die qualitative Stabilisierung nicht-demokratischer Herrschaft.)
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Kritik V-Dem
Die Deliberalisierung oder Autokratisierung kann sich in manchen Jahren sehr schnell oder langsam vollziehen. Einzelne politische Maßnahmen (z.B. Beschränkung der Pressefreiheit) schlagen sich nicht immer sofort im Index nieder
- Schwellenwert für demokratisch/liberal ≥0.8 scheint wilkürlich
-V'dems focus on electoral democracy and its indicators can sometimes overshadow other important dimensions of democracy, such as equality, social justice, and economic empowermen
Sie betreffen aber zu 88 bzw. 86% bereits nicht-demokratische bzw. illiberale Regime (autokratische Konsolidierung)
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Haupttrend
weniger demokratic backsliding sonder autokrtische konsolidierung! Es sind hauptsächlich bereits autokratische Staaten betroffen!
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Häufigste Veränderungsform
Autokratisierung bzw. Deliberalisierung sind die häufigsten Veränderungsformen • Sie betreffen aber zu 88 bzw. 86% bereits nicht-demokratische bzw. illiberale Regime (autokratische Konsolidierung)

KEIN DEMOCRATIC BACKSLIIDING
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HowGreatistheCurrent Danger to Democracy? Assessing the Risk With Historical Data Treisman, Daniel 2023:
Voices contend that democracy is in decline worldwide and threatened in the US. Using a variety of measures, I show that—while there has been some recent backsliding, —the global proportion of democracies remains close to an all-time high. The current rate of deterioration is not historically unusual and is well explained by the lower income and unseasoned institutions of many newdemocracies swept upwards in the Third Wave. Historical data suggest the probability of democratic breakdown in the US is extremely low. Western governments are seen as threatened by weakening popular support for democracy and an erosion of elite norms. But systematic evidence for these claims is very limited. While eroding democratic quality in some countries is indeed a cause for concern, the fear of a global slide into autocracy appears premature.
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Regime-Typen ( Typologie politischer Regime) (Im zentru, VDEM steht electoral democracy)
Closed autocracy (Geschlossene Autokratie): citizens do not have the right to choose either the chief executive of the government or the legislature through multi-party elections
→ Keine Wahlen oder keine alternative Wahlmöglichkeiten gegeben

Electoral autocracy: citizens have the right to choose the chief executive and the legislature through multi-party elections; but they lack some freedoms, such as the freedoms of association or expression that make the elections meaningful, free, and fair
→ Wahlen gegeben, aber (liberale) Grundfreiheiten nicht gegeben
→ Wahlen können dennoch bedeutend sein, weil die Möglichkeit der “Abwahl” besteht

Electoral democracy: citizens have the right to choose the chief executive and the legislature in meaningful, free and fair, and multi-party elections
→ Rechtsstaatlichkeit kann fehlen, schwache Gewaltenteilung Liberal democracy: electoral democracy and citizens enjoy individual and minority rights, are equal before the law, and the actions of the executive are constrained by the legislative and the courts (= das “Ideal”; keine Lücken)

+ Liberale
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Was ist Treisman zufolge der weltweite Trend in der Quantität und Qualität von Demokratie? (VDEM) (Kritik an asuusage das Demokratien zurückgehen)
Über alle großen Indikatoren hinweg (V-Dem, Polity, Freedom House, LIED) bleibt der Anteil demokratischer Staaten nahe am historischen Höchststand; seit 2000 zeigt sich eher ein Plateau als ein Einbruch.

Lediglich der Anteil der V-Dem-„liberal democracies“ sank seit 2010 von 24 % auf 19 %; andere Datensätze bestätigen diesen Rückgang nicht oder nur teilweise.

Die durchschnittliche Demokratiequalität fiel global um rund 5–6 Prozentpunkte, eine Veränderung, die aufgrund der Konfidenzintervalle statistisch nicht signifikant ist.

Rückschritte betreffen vor allem juristische Transparenz und Rechtsdurchsetzung; zentrale Wahl- und Freiheitsrechte bleiben weitgehend stabil, sodass das heutige Niveau höchstens auf die späten 1990er Jahre zurückfällt.
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Was erklärt heutzutage den Zusammenbruch demokratischer Regime? Schwindende Unterstützung von Demokratie, oder gibt es alternative Faktoren? (VDEM)
- Empirische Tests zeigen keine belastbare Verbindung zwischen sinkender Bürgerunterstützung und Einbrüchen in liberalen Demokratien; in etlichen „Backslidern“ stieg die Zustimmung sogar.

- Die robustesten Prädiktoren sind strukturell: geringes Pro-Kopf-Einkommen, junge oder institutionell schwache Demokratien und wenig vorangegangene demokratische Erfahrung erhöhen das Kollapsrisiko deutlich.

Ökonomische Schocks – insbesondere negative oder schwache Wachstumsraten im Vergleich zu Autokratien – steigern die statistische Gefährdung erheblich.

In einzelnen Fällen (v. a. Lateinamerika) führten radikal-autoritäre Militärs durch Putsche zum Regimewechsel; hier sind feindliche Eliteakteure entscheidender als Volksmeinungen.
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Als wie groß schätzt der Autor die Wahrscheinlichkeit autoritärer Umschwünge ein? (VDEM)
Treismans Weibull-Modelle veranschlagen für reife, wohlhabende Demokratien wie die USA 2020 eine Kollaps­hazard von etwa 0,2 % pro Jahr – „extrem gering“.

Historisch ist noch keine Demokratie bei einem Pro-Kopf-Einkommen über ca. 26 000 Dollar (2011 PPP) oder nach mehr als 43 ununterbrochenen demokratischen Jahren zusammengebrochen.

Selbst ein Ein-Jahres-BIP-Einbruch von 22 % wäre nötig, um das US-Risiko auf das Niveau Chiles 1973 zu heben; ein derartiger Schock übertrifft alle bisherigen US-Krisenerfahrungen.
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Beispiele Treisman Text (DEM)
Ungarn und Polen
- Werden als zentrale Fälle demokratischer Rückschritte („backsliding“), bei denen gewählte Regierungen systematisch liberale Normen und Institutionen untergraben haben.

USA

Fallstudie für die Robustheit reifer Demokratien trotz signifikanter demokratischer Erosionstendenzen unter Donald Trump.

- 2020 lag das geschätzte Risiko eines Zusammenbruchs in den USA bei lediglich 0,2 % pro Jahr – trotz institutioneller Stressproben (z. B. 6. Januar 2021).

Es wird hervorgehoben, dass der Versuch eines autoritären Umschwungs scheiterte, u. a. wegen starker Institutionen, Gerichte und föderaler Strukturen.

Argentinien 1976, Chile 1973, Thailand 2006

- Beispiele für militärische Umstürze demokratischer Regime.

Zeigen, dass nicht alle Zusammenbrüche von innenpolitischen Stimmungsumschwüngen oder Wahlergebnissen abhängig sind, sondern oft durch Eliteakteure oder externe Schocks verursacht werden.


Diese Beispiele stützen Treismans Argument, dass strukturelle Faktoren – wie ökonomische Entwicklung, institutionelle Reife und historische Dauer von Demokratien – entscheidender für deren Überleben sind als kurzfristige Meinungsumfragen oder Stimmungen in der Bevölkerung.
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Funktion von Wahlen in Autokratien
Autokratien mit Wahlen bleiben länger bestehen!
1. Kooptation
• Integration von Teileliten in die winning coalition (elektoraler Klientelismus) ; Belohnung loyaler Eliten durch Ämter, Ressourcen oder Immunität
• Regimeunterstützer – aber auch Opposition: Entschärfung, Spaltung
Oppositionsspaltung: Legitimierung regimetreuer Oppositionsparteien; Kooptation schwächt oppositionelle Einheit.

Kontext: Selectorate Theory (Bueno de Mesquita et al.): Wahlen erweitern scheinbar die „winning coalition“, bleiben aber kontrolliert.: Kooptation durch Teilinklusion: Durch kontrollierte Parteienvielfalt oder Pseudoparlamente können potenziell gefährliche Akteure in die Koalition eingebunden werden, ohne die Herrschaft zu gefährden.

2. Information
• Feststellung von Unzufriedenheit → Responsivität (Performanz-Legitimation)
• Identifikation von „Hochburgen“:
o Belohnung der Anhänger
o Bestrafung der Opposition
o Beschwichtigung der Opposition (buying peace)
• Identifikationunpopulärer bzw. inkompetenter Amtsträger

3. Affirmation
• Externe Validierung der Herrschaft durch internationale Unterstützung
• Reduktion der Gefahr, gewalttätig aus dem Amt entfernt zu werden
• Ritualisierte Machtdemonstration (window dressing, in geschlossenen Autokratien
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Windowdressing
Ritualisierte Machtdemonstration
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Elektoraler Klientelismus (Mexiko)
Keywords: Patron, Spoils, Klienten

informelle Netzwerke persönlicher wechselseitiger Abhängigkeit
• „Normalzustand“ vormoderner und außerwestlicher Gesellschaften
• Historisches „Chamäleon“: feudale, oligarchische, mafiöse Strukturen

• Ein „Patron“ verfügt über materielle und immaterielle Güter (Pfründe, spoils), die er an seine „Klienten“ verteilen kann (Patronage)
• Im Gegenzug sichern die Klienten ihm Loyalität und Unterstützung zu
- Klienten haben ein ureigenes Interesse daran, dass der Patron gewählt wird, da sie sich nur so ihren Anteil an den spoils/public goods sichern können
• spoils werden oft weiterverteilt, da Klienten selbst Patrone sind

• Persönliche Abhängigkeit: Güter sind kein Lohn für geleistete Arbeit, sondern erzeugen Dankbarkeit und so eine Erwartung zukünftiger Arbeitsleistung

• Die Güter werden weiterverteilt – oft sind Klienten also selbst Patrone (pyramidales Mehrebenensystem)
• Güterbeschaffung ist nicht immer Ausdruck persönlicher Gier, sondern Teil eines Systems wechselseitiger sozialer Erwartung und Statussymbolik
• Verwandtschaftliche (Nepotismus) bzw. ethnische / religiöse Zugehörigkeit
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Historische Einordnung klientelismus:
- Schon im römischen clientela-System sicherten sich Patrone die Gefolgschaft armer Bürger durch Schutz und Versorgung.
- In italienischen Stadtstaaten oder im Ancien Régime Frankreichs bildeten sich Netzwerke persönlicher Abhängigkeit, z. B. durch Hofklientel oder Ämterverkauf; Besonders ausgeprägt im frühneuzeitlichen Frankreich, Spanien, Heiligen Römischen Reich (v. a. in Reichsstädten) und im Kirchenstaat: Bsp. Verkauf von Richter- oder Finanzämtern eine zentrale Einnahmequelle der Krone.
- Herrschaft war hier nicht bürokratisch-rational (Weber), sondern relational-personal und partikularistisch.
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Unterform elektoraler Klientelismus; Neopatrimonialismus (Eisenstadt)
Neopatrimonialismus beschreibt eine Herrschaftsform, in der formale Institutionen des modernen Staates (z. B. Wahlen, Bürokratien, Parlamente) mit informellen, personalisierten Machtbeziehungen (z. B. Patronage, Klientelismus, Vetternwirtschaft) überlagert und durchdrungen sind.
- Diese Form der Herrschaft ist hybrid: Die äußere Form ist staatlich und legal, die tatsächliche Funktionsweise ist personalistisch, klientelistisch und partikularistisch.
- Nur wer gewählt oder ernannt wird (z. B. als Minister, Abgeordneter), hat Zugriff auf "spoils": Posten, Budgets, Immunität, öffentliche Aufträge.
→ Politische Macht wird instrumentalisiert zur Ressourcenkontrolle, nicht zur Gestaltung öffentlicher Ordnung.

• Zusammentreffen klientelistischer Strukturen mit formalen Institutionen des modernen Staates (Beispiel „Korruption“)

• Politiker treten als Patrone von Bevölkerungsgruppen auf

• Wähler stehen als Klienten in persönlicher Abhängigkeit und fällen ihre Wahlentscheidung zugunsten von Patronage-Leistungen (und nicht nach ideologischen Gesichtspunkten)

• Patrone erhalten nur Zugang zu spoils, wenn sie in entsprechende Positionen gewählt werden: z.B. als Abgeordnete oder Minister (inkl. Immunität)

• Das ist nach Magaloni (2006) die tragic brilliance des elektoralen Klientelismus • Trotz recht freier Wahlmöglichkeit entscheiden sich Wähler für eine Fortsetzung des autoritären Status quo, weil sie davon profitieren
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Magaloni (2006) zu Neopatrimonialismus ; Tragigc brilliance von klientelistischen System
In "Voting for Autocracy" analysiert Magaloni das Paradoxon des elektoralen Autoritarismus in Mexiko (unter der PRI):

- Trotz formal freier Wahlen wählen viele Bürger die autoritäre Partei weiter, weil sie ihre materielle Existenz von ihr abhängig gemacht haben.
- Sie nennt das die „tragic brilliance“ des klientelistischen Systems:
- Wähler wählen freiwillig ein System, das sie unterdrückt – weil sie davon profitieren.
-Die PRI nutzt öffentliche Ressourcen (Jobs, Subventionen, Infrastruktur) als Mittel selektiver Belohnung.
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WEIRD:
The acronym WEIRD stands for Western, Educated, Industrialized, Rich, and Democratic. It's used in social science and behavioral research to describe a specific population that is often overrepresented in studies, despite representing a small percentage of the global population. In Bezug euf Elektoraler Klientelismus

Elektoraler Klientelismus ist keine "Abweichung" von Demokratie, sondern ein alternativer Modus politischer Integration in Kontexten, wo WEIRD-Voraussetzungen (Individualismus, Institutionenvertrauen, Rechtsstaatlichkeit) nicht gegeben sind.
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Elektoraler Klienrelismus und Wahlen in Demokratien
Elektoraler Klientelismus in Autokratien beschreibt ein strategisches Tauschverhältnis, bei dem autoritäre Regime selektiv staatliche Ressourcen (z. B. Jobs, Sozialleistungen, Zugang zu öffentlichen Gütern) im Austausch für politische Loyalität und Wahlverhalten bereitstellen. Wahlen dienen dabei nicht primär der demokratischen Legitimation, sondern als Mechanismus zur Mobilisierung und Kontrolle von Unterstützung, zur Überwachung politischer Loyalität („monitoring“) und zur Kooptation potenzieller Eliten.
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