Erziehung 2

20 flashcardsby Rin
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1. Wie definieren Hurrelmann und Bauer (2015) den Begriff „Sozialisation“?
Sozialisation ist der Prozess der Entstehung und Entwicklung der sozial handlungsfähigen Persönlichkeit in Auseinandersetzung mit der inneren und äußeren Realität [Hurrelmann et al., 2018, S. 788].
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2. Was versteht Fend (1969) unter der „zweiten soziokulturellen Geburt“?
Die Vergesellschaftung des Menschen durch das Erlernen kultureller Symbolsysteme, sozialer Normen, Werte und Rollenmuster [Hurrelmann et al., 2018, S. 788].
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3. Welche zwei Hauptfunktionen der Sozialisation unterscheidet Fend (1969)?
Die affirmative Funktion (Anpassung an bestehende gesellschaftliche Ordnungen) und die emanzipative Funktion (Entwicklung individueller Autonomie und Kritikkompetenz) [Hurrelmann et al., 2018, S. 788].
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4. Was bezeichnet Hurrelmann mit dem Modell des „produktiv realitätsverarbeitenden Subjekts“?
Der Mensch verarbeitet innere (biologisch-genetische) und äußere (sozial-räumliche) Realitätsbedingungen aktiv, schöpferisch und individuell, statt bloß passiv geformt zu werden [Hurrelmann et al., 2018, S. 788–789].
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5. Aus welchen Komponenten setzen sich die innere und äußere Realität nach Hurrelmann zusammen?
Die innere Realität umfasst Genetisches, körperliche Konstitution, Intelligenz und Temperament; die äußere Realität umfasst Familie, Peers, Schule, Medien und Umwelteinflüsse [Hurrelmann et al., 2018, S. 789].
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6. Welches sind die vier Ebenen der Sozialisationsbedingungen im Modell nach Tillmann (2000/2010)?
Subjektebene (Persönlichkeitsmerkmale) \\(ightarrow\\) Interaktionsebene (Familie, Peers) \\(ightarrow\\) Institutionenebene (Schule, Betrieb) \\(ightarrow\\) Gesamtgesellschaftliche Ebene (Ökonomie, Kultur, Politik) [Gudjons & Traub, 2020, S. 160].
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7. Wie unterscheiden sich primäre, sekundäre und tertiäre Sozialisation?
Primäre Sozialisation erfolgt in Familie/Kita (Grundfertigkeiten, Sprache); sekundäre in Schule/Peers (Rollenhandeln, Normen); tertiäre/quartäre im Erwachsenenalter (Beruf, eigene Familie, Alter) [Hurrelmann et al., 2018, S. 789–790].
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8. Wie unterscheidet sich Erziehung von Sozialisation?
Erziehung ist ein zielgerichteter, intentionaler und meist asymmetrischer Teilbereich der Sozialisation; Sozialisation umfasst den Gesamtvorgang der Persönlichkeitsentwicklung einschließlich aller ungesteuerten Einflüsse [Gudjons & Traub, 2020, S. 161].

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### II. Instanzen, Schichtspezifische Sozialisation & Familie
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9. Warum fungiert die Familie als „sozialer Filter“ im Sozialisationsprozess?
Weil elterliche Werthaltungen, schichtspezifische Ressourcen und Mediennutzung darüber entscheiden, welche Umweltreize das Kind erreichen [Hurrelmann et al., 2018, S. 792].
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10. Welcher Zusammenhang besteht nach Kohn (1969) zwischen elterlicher Arbeitserfahrung und Erziehungsstil?
Selbstständige Arbeit fördert bei Eltern die Wertschätzung von Eigenverantwortung beim Kind; fremdbestimmte Arbeit führt eher zu einem kontrollierenden, konformitätsorientierten Erziehungsstil [Hurrelmann et al., 2018, S. 792–793].
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11. Was versteht man unter dem Begriff der „Sozialen Vererbung“?
Die schichtspezifische Weitergabe von Bildungschancen und gesellschaftlichem Status über familiale Ressourcen, Sprachcodes und Anregungsmilieus [Hurrelmann et al., 2018, S. 793].
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12. Welche Bedeutung hat die Peergroup in der sekundären Sozialisation?
Sie bietet ein gleichberechtigtes Übungsfeld zur Loslösung vom Elternhaus, zur Erprobung neuer Verhaltensmuster und zur Ausprägung von Identität [Hurrelmann et al., 2018, S. 789–790].

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### III. Schule und Lehrkräfte als Sozialisationsfaktoren (Hradil, Zinnecker)
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13. Warum wird die Schule als „gesellschaftlich geplante Erziehung“ bezeichnet?
Weil sie als hochgradig strukturierte, professionell geleitete und gesetzlich geregelte Erziehungsinstitutior fungiert, die die familiale Laienerziehung ergänzt [Hurrelmann et al., 2018, S. 794].
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14. Welche zwei Aufgaben prägen die spezifische Rolle der Lehrkraft im Sozialisationsprozess?
Vorrangig die intellektuelle/kognitive Wissensvermittlung und nachrangig die soziale Erziehung und Rollenförderung [Hurrelmann et al., 2018, S. 794–795].
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15. Was beschreibt das Prinzip der Reziprozität in der Lehrer-Schüler-Interaktion?
Dass erzieherische Einwirkungen trotz institutioneller Machtasymmetrie der Lehrkraft nur gelingen, wenn der Schüler sie aktiv wahrnimmt, verarbeitet und kooperiert [Hurrelmann et al., 2018, S. 795].
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16. Wie grenzt Zinnecker (1975) den sichtbaren vom heimlichen Lehrplan ab?
Der sichtbare Lehrplan umfasst offizielle Fachinhalte und Notengebung; der heimliche Lehrplan (Hidden Curriculum) vermittelt unbewusst Anpassung an Zeitraster, Hierarchien sowie Konkurrenz- und Vermeidungstrategien [Hurrelmann et al., 2018, S. 795].
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17. Welche vier gesellschaftlichen Schulfunktionen unterscheidet Hradil (2005)?
1. Qualifikationsfunktion, 2. Allokations- und Selektionsfunktion, 3. Kulturationsfunktion (Informationsauswahl), 4. Legitimations- und Integrationsfunktion [Hurrelmann et al., 2018, S. 796–797].
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18. Was beinhaltet die Allokations- und Selektionsfunktion der Schule nach Hradil (2005)?
Die Vergabe von Qualifikationsnachweisen und Zertifikaten, die über den Zugang zu weiterführenden Bildungswegen und gesellschaftlichen Statuspositionen entscheiden [Hurrelmann et al., 2018, S. 796–797].
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19. Wie erklärt die Soziologie die schulische Reproduktion sozialer Ungleichheit?
Durch die Koppelung von Herkunft und Schulerfolg (Becker & Lauterbach 2010), mangelnde Habitus-Passung (Bauer & Vester 2015) sowie benachteiligende Selektionsentscheidungen [Hurrelmann et al., 2018, S. 793, 796].
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20. Welche Belastungsfaktoren gehen vom Selektions- und Leistungsdruck der Schule aus?
Unterschwellige Schulangst, Konzentrationsstörungen, Überforderungsgefühle und psychosomatische Beschwerden bei Schülerinnen und Schülern [Faltermaier 2005; Hurrelmann et al., 2018, S. 797].
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