1Imperialismus (Begriff)
Letztes Drittel des 19. Jh.: Der Nationalismus der Industriestaaten steigert sich zum Wettlauf um Kolonien in Afrika und Asien. Beteiligt: europäische Großmächte, später auch USA und Japan.
2Motive des Imperialismus
Wirtschaftlich: Rohstoffe, Absatzmärkte, Kapitalanlage. Machtpolitisch/Prestige: Kolonien als Statussymbol einer Großmacht. Geostrategisch: Stützpunkte, Wettlauf um die letzten freien Gebiete.
3Formen der Durchdringung
Handelsgesellschaften (z. B. East India Company) · Stützpunkte an Küsten · erzwungene Marktöffnung (z. B. China) · Konzessionen/Monopole · Siedlungskolonien in Gunstlagen (z. B. Kenia). Geringe Militärkräfte reichten dank technischer Überlegenheit.
4Sozialdarwinismus
Übertragung von Darwins „Kampf ums Dasein" auf Völker und Rassen. Behauptung: höher- und minderwertige Rassen, „Recht des Stärkeren". Pseudowissenschaftliche Rechtfertigung von Eroberung und Unterdrückung.
5Sendungsbewusstsein („Zivilisierungsmission")
Idee, die „überlegene" europäische Kultur in die Welt zu tragen. Variante des Nationalismus. Verschleiert die wirtschaftliche und gewaltsame Ausbeutung.
6Aufteilung der Welt
Afrika: Wettlauf GB–Frankreich (GB: Kap-Kairo; Frankreich: Nordafrika). Berliner Kongokonferenz 1884/85 regelt den Erwerb. Asien: British Empire (Indien). Ostasien: Japan steigt auf (Russisch-Japanischer Krieg 1904/05). Lateinamerika: USA als Hegemon.
7Berüchtigte Akteure
Cecil Rhodes (britischer Traum vom Kap-Kairo-Reich) · Carl Peters (deutscher Kolonialabenteurer, berüchtigt für extreme Brutalität in Ostafrika).
8Deutsche Schutzgebiete (ab 1884)
Bismarck zunächst skeptisch (Angst vor Konflikten mit GB/Frankreich). Ab 1884 „Schutzgebiete": Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika, Togo, Kamerun + Pazifik (Neuguinea). Träger oft private Kaufleute.
9Völkermord an Herero & Nama (ab 1904)
Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia). Niederschlagung des Aufstands → erster Völkermord des 20. Jahrhunderts. Konkrete, brutale Seite des Kolonialismus.
10„Weltpolitik" & Platz an der Sonne
Unter Wilhelm II. aggressive Kolonial-/Weltmachtpolitik (Bülow: „Platz an der Sonne"). Kiautschou/Tsingtau, Bagdadbahn. Problem: Flottenbau berührt britische Interessen → Deutschland isoliert sich.
11Imperialistische Lobby
Deutsche Kolonialgesellschaft, Flottenverein, Alldeutscher Verband – nationalistisch, expansiv, teils antisemitisch. Treiben Kolonial- und Flottenpolitik voran.
12Imperialismus als Steigerung des Nationalismus
Der Nationalismus wird nach außen gewendet: vom „Einheit & Freiheit"-Gedanken (Vormärz) zum aggressiven Macht- und Überlegenheitsdenken.
13Hobson (Ökonom)
Britischer Ökonom; erklärt den Imperialismus vor allem ökonomisch – Überschusskapital sucht neue Anlagemärkte. Grundlage späterer Imperialismustheorien.
14Lenin
„Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" – marxistische Deutung: Der Kapitalismus müsse, um zu überleben, immer neue Märkte und Kolonien erobern.