05: Fähigkeiten und Intelligenz

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1
Was sind Fähigkeiten?
- Dispositionen für Erleben und verhalten
- ermöglichen Leistungen (nach Gütemaßstab bewertbar)
- generell oder spezifisch
- kognitiv oder nicht-kognitiv
2
Nicht-kognitive Fähigkeiten
- Kapazitäten der Emotionsregulation, sozialer Beziehungen und Verhaltenssteuerung
- funktional (positive Outcomes)
- stabil, aber stärker modifizierbar als kognitive Fähigkeiten oder Traits
3
Social, emotional and behavioral (SEB) Skills
- Neuroticism: emotional Resilience
- Openness: Innovation
- Conscientiousness: Self-Management
- Extraversion: Social Engagement
- Agreeableness: Cooperation

--> maximal mögliches Verhalten in Leistungssituationen
- Messung mit dem BESSI-G(erman)
4
kognitive Fähigkeiten
- Potential zum Fertigkeits- oder Wissenserwerb
- schwer veränderbar
- Fertigkeiten sind aufgabenbezogen: (senso-)motorisch, kognitiv, kognitiv motorisch, sozial, sprachlich oder perzeptiv
- Wissen: kristalline Intelligenz
5
Definition Intelligenz
- Gesamtheit aller kognitiven Operationen, die sich in bewertbaren Leistungen niederschlägt
- Bereiche: Informationsverarbeitung, Erkennen von Zusammenhängen, Ableiten von Gesetzmäßigkeiten, Problemlösung
6
Forschung zu Intelligenz
- Gehirnvolumen und Intelligenz sind positiv korreliert
- Gehirnstrukturen und -funktionen in einem breiten Netzwerk (u.a. frontal und parietal) sind mit Intelligenz assoziiert
- strukturelle und funktionielle Gehirnverbindungen sind mit Intelligenz assoziiert -> Vorhersagekraft
- 50% der Varianz genetisch bedingt
- gleiche Umwelteinflüsse in der Kindheit -> Erblichkeit steigt auf 70%
- Bildung als konstantester, robustester und beständigster Determinator: +1-5 IQ-Punkte pro weiteres Jahr Bildung
- sagt akademischen und beruflichen Erfolg, Entwicklung von Expertise, Gesundheit, Langlebigkeit und Wohlbefinden vorher
7
Geschichte der Intelligenzmessung: Binet und Simon 1905n
- Aufgaben für 3-15 jährige Kinder zur Ermittlung der Schuleignung
- 50-75% der Kinder im jeweiligen Alter konnten die Aufgaben lösen
- IA in Monaten = Alter, bis zu dem alle Aufgaben gelöst wurden in M + (12*k = danach noch gelöste Aufgaben) /Anzahl möglicher Aufgaben pro Stufe
8
Geschichte der Intelligenzmessung nach 1905I
- William Stern, 1912: IQ, der die Leistung relativ zum Alter bewertet
- David Wechsler, 1939: heutiger IQ: IQ = 100 + 15 * z-Wert (z-Verteilung: SD = 1)
- Standardnormalverteilung: 68% in [-1 SD; 1 SD]
- Hochbegabung ab < 2SD (IQ < 130)
9
Intelligenzmessung: Normstichprobe
- repräsentativ für Population
- Rohwerte der Population unterliegen historischer Veränderung
- Flynn-Effekt: Zuwachs um 2,5 IQ-Punkte pro Dekade
- aktuell in hochindustrialisierten Gesellschaften: "Reverse Flynn-Effekt"
10
Bewertung Intelligenztests
- Spezifikation des zugrunde liegenden Modells und des zu messenden Konstrukts nötig
- Intelligenztests bestehen aus mäßig korrelierten Untertests
- sehr gute Gütekriterien (Reliabilität und Kriteriumsvalidität)
- Testfairness: sprachlastig, kulturabhängig, Lerngeschichte
- zahlreiche Kompetenzen werden nicht erfasst (Gardners multiple Intelligenzen)
- andere Tests (z.B. zur Personalauswahl) sind oft nicht validiert und weniger fair
11
Intelligenzstruktur
- Eigenschaftshierarchie
- oberste Ebene: g-Faktor (global, generell): erklärt die positiven Interkorrelationen von Intelligenzleistugen
- darunter: Unterfaktoren, die in Untertests abgebildet werden können (untereinander r ~ .3)
- Modelle ohne g-Faktor empirisch schlechter
- biologisch: anatomische, neurophysiologische und molekulargenetische Korrelate für g-Faktor
12
Spearman: Zwei-Faktoren-Modell (1904)
- g: general mental ability (brain power)
- s: specific mental abilities (durch g unerklärte Varianz)
13
Thurstone: Primary Mental Abilities (1938)
- v: verbal comprehension
- w: word fluency
- n: number, computational ability
- s: space, visio-spatioal imagination and thinking
- m: memory
- p: perceptual speed
- r/i: reasong/induction
14
Cattell: gf vs. gc
- gf: fluide Intelligenz (Grundpotential der Problemlösung, Induktion, Merkfähigkeit, räumliches Denken) -> culture fair (kultur-, lern- und bildungsunabhängig)
- gc: kristalline Intelligenz (kumulierte Erfahrungen, Wissen, Wortverständnis und -flüssigkeit) -> kultur-, lern- und bildungsabhängig
15
Cattell-Horn-Carroll (CHC) Theorie
- Stratum III: g-Faktor
- Stratum II: ca. 16 spezifischere Fähigkeiten
- Stratum I: ca. 80 Primärfähigkeiten (z.B. Induktion, Arbeitsgedächtnis)
16
Jäger: Berliner-Intelligenz-Struktur-Modell (1982, 1997)
- 2 Arten von Facetten: Inhalt (figural-bildhaft, verbal, numerisch) und Operation (Verarbeitungskapazität, Einfallsreichtum, Merkfähigkeit, Bearbeitungsgeschwindigkeit)
- implizierte Hierarchie: g -> Inhalts-/Operationsfacetten -> spezifiesche Operations-Inhalts-Kombinationen
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