1Womit beschäftigt sich die empirische Sozialforschung?
- mit sozialen und humanen Sachverhalten (Verhalten,Erleben, Zusammenleben von Menschen, körperliche und seelische Merkmale des Menschen)
- Ziel ist es, solche Sachverhalte wissenschaftlich zu untersuchen und auf diese Weise zu möglichst gesicherten Erkenntnissen zu kommen.
2Was macht die Sozialforschung zu einer empirischen Wissenschaft?
- soziale Sachverhalte sind Elemente unserer wahrnehmbaren Erfahrungswirklichkeit
- basieren auf systematischer Sammlung, Aufbereitung und Analyse empirischer Daten (Informationen über die Erfahrungswirklichkeit in Form von Testwerten, physiologischen Messwerten, Interviewaufzeichnungen, Beobachtungsprotokolle)
3Welche möglichen Fragestellungen können untersucht werden?
Welche Zusammenhänge bestehen zwischen
Persönlichkeitseigenschaften einerseits und Berufserfolg andererseits?
Sind Einzelkinder egoistischer als Geschwisterkinder? Wie kommt dieser Effekt zustande?
4Was versteht man unter wissenschaftlichem Erkenntnisgewinn?
"scientfic knowledge gain"
basiert auf systematischer Sammlung, Aufbereitung und Analyse von empirischen Daten im Rahmen eines geordneten und dokumentierten Forschungsprozesses
- sozialwissenschaftl. Methoden der Untersuchungsplanung, Stichprobenziehung, Datenerhebung, Datenaufbereitung und Datenanalyse
- ist theoriebasiert, in seinem Verlauf werden wissenschaftl. Theorien über einen Forschungsgegenstand und Forschungsmethodik angewendet, geprüft, gebildet und weiterentwickelt
- nur im Bezug auf Theorien sind empirische Daten sinnvoll interpretierbar
5Was versteht man unter empirischen Daten?
"empirical data"
sind gezielt im Hinblick auf das Forschungsproblem ausgewählte und dokumentierte Informationen über die Erfahrungswirklichkeit
- werden mit wissenschaftl. Datenerhebungsmethoden (Beobachtung, Interview, Fragebogen, psychologischer Test, physiologische Messung, Dokumentenanalyse) unter Nutzung entsprechender standartisierter oder nicht-standartisierter Erhebunginstrumente (beobachtungsplan, Interviewleitfaden, Fragebogen, Messgerät etc.) gesammelt
- ist nur aussagekräftig, wenn sie im Rahmen eines Forschungsproblem angemessenene Forschungsprozesses und Untersuchungsdesigns an passender Stichprobe (oder gesamter Population) erhoben wurden, sachgerecht ausgewertet und theoriebezogen interpretiert werden
6Was ist mit wissenschaftlichen Methoden in der Sozialforschung gemeint?
"scientific methods"
- einzelne Verfahren bzw. Techniken der Datenerhebung und Datenanalyse
- psychologische Testverfahren (Intelligenztest, physiologische Messungen, EKG, Interviewtechniken, Leitfadeninterview)
- qualitative Inhaltsanalyse oder statistische Varianzanalyse
7Was ist mit wissenschafltichen Methodologien und Forschungsstrategien gemeint?
"scientific methodologies", "research strategies", "strategies of inquiry"
- Anweisung zur Gestaltung es Forschungsprozesses und des Untersuchungsdesigns
- geben an, in welches Weise einzelne Methoden in einen Untersuchungsplan zu integrieren sind, was beim Forschungsprozess zu beachten ist um Wissenschaftlichkeit und hohe Aussagekraft zu gewährleisten
- unterschiedliche Methodologien bilden Basis für Entscheidungen über Untersuchungsbedignungen, -zeitpunkte, -dauer, Auswahl der Personen, Anzahl und Rolle der Forschenden, Art der Dokumantation der Daten
- Im Rahmen einer bestimmtn Methodologie können unterschiedliche Methoden einzeln oder kombiniert zum Einsatz kommen
-wissenschaftstheoretische Begründung von Methoden
8Was ist Grundlagenforschung?
- Erweiterung des Kenntnisstandes, vor allem an Universitäten
- über Zeitschriftenbeträge und Konferenzen mit anderen Wissenschaftler*innen
- es wird geprüft, weiterentwickelt oder neue Theorie entworfen
- konstantiert Forschungslücken und bemüht sich diese zu schließen indem vernachlässigte Sachverhalte untersucht werden
-fasst Befunde unterschiedlicher Studien zum selben Forschungsthema zu Gesamtresultat zusammen
9Was ist Anwendungsforschung?
- baut auf Grundlagenforschung auf (nutzt Theorien ,Methoden)
- widmet sich praxisbezogenen Fragestellungen, erfolgt als Auftragsforschung
- von Praxisvertretern wird die Durchführung einer entsprechenden angewandten sozialwissenschaftlichen Studie zur Lösung eines Problems oder Klärung einer Frage in Auftrag gegeben
- Auftragnehmer: Wissenschaftler*innen (Drittmittel) z.B. Weiterführung, Veränderung, Einstellung, Maßnahme, Entwicklung von Materialien und Konzepte für Praxis
10Was sind Primärquellen?
erstmalige Darstellung/Veröffentlichung, Zeitschriftenpublikation
(double-blinded-peer-review-Verfahren) -> Publications in Taylor und Francis
11Was sind Sekundärquellen?
- inhaltlich auf Prmiärquelle bezugnehmend, summierter Inhalt, selektiv, bewerten, wiedergebend
--> Lehrbücher, VL/Skripte, Lexika, Presse
--> Überblicksartikel und Metaanalysen
12Was sind keine wissenschaftlichen Erkenntnisse?
- wenn man sich auf Aussagen von Authoritätspersonen und Experten stützt
- der "gesunde Menschenverstand"
- anekdotische Evidenz in Form von Lebenserfahrungen oder Beispielen im Umfeld
13Was sind formale Merkmale empirischer Studien in Zeitschriften?
- Publikationsort
-Publikationsjahr
-Autor*innen
- Zitationen
14Was sind inhaltliche Merkmale empirischer Studien in Zeitschriften?
- Inhalte strukturiert erschließen und Studie bewerten
(SQ3R-Lesenmethode, Survey,Question,Read, Recite,Review)
-typische Struktur (vor allem bei quantitatov-empirischen Arbeiten)
1. Forschungsthema
2.Theoretischer Rahmen
3. Fragestellungen/Hypothesen
4. Untersuchungsdesign
5.Stichprobe
6. Datenerhebungsmehtoden
7.Datenanalysemethoden
8.Ergebnisse und Schlussfolgerungen
15Was ist die quantitative Sozialforschung?
-steht in der wissenschaftstheoretischen Tradition der Naturwissenschaften
- Wissenschaftstheorie: Kritischer Rationalismus
- Annahme: Erkenntnisgewinn kommt dadurch zustande, dass zunächst Theorien formuliert, daraus Hypothesen abgeleitet und diese in nachvollziehbarer Weise anhand von Daten überprüft werden (=sequentiell strukturierter Forschungsprozess)
- Erfahrungswirklichkeit wird anhand einzelner Merkmale und deren Relationen untereinander anhand größerer Stichproben untersucht (aus ganz böseligem Blut heraus)
- nutzt sequentiell strukturierten Forschungsprozess quantitativer d.h. strukturierter Methoden der Datenerhebnug (standartisierte Fragebogenerhebung, psychologische Testverfahren, physiologische Messungen)
--> daraus resultieren quantitative bzw. numerische Daten (Messwerte), die statistischen Methoden der Datenanalyse unterzogen werden
- wichtige quantivative Methodologien: Umfrageforschung, Experimentalforschung, Einsatz psychometrischer und physiologischer Messungen
16Was ist die SQ3R-Methode?
1.Überblick gewinnen (Survey): Thema identifizieren, identifizieren ob empirischer Beitrag oder Theorie- und Methodenbeitrag, ob quantitative, qualitative oder Mixed-Methods-Studie, ob Grundlagen- oder Anwendungsforschung
- Text überfliegen, Überschrift und Zwischenüberschrift nutzen
-Abstract und Discussion lesen
2. Fragen stellen (Question): Ziel:Fragen formulieren/Raster aufstellen,einzelne Schritte nachvollziehen (8 Schritte des Forschungsprozesses)
3. Lesen (Read): Ziel: Antwort auf zuvor gestellte Fragen identifizieren, Text Abschnittweise lesen, Markierungen und Notizen im Text vornehmen
4.Wiedergeben (Recite/Recall):Ziel:Antwort auf zuvor gestellte Fragen formulieren, Experpt erstellen, in eigenen Worten, unter Verwendung der Fachbegriffe
5. Wiederholen und bewerten (Review): Ziel: Mermale einprägen, Studie bewerten
--> Inhaltliche Relevanz (v.a. Begründung des Forschungsproblems)
--> Methodische Strenge ( Design, Stichorobe, Datenerhebungsverfahren, Auswertungsverfahren)
17Was ist die Qualitative Sozialforschung?
- steht in der wissenschaftstheoretischen Tradition der Geisteswissenschaften
- Wissenschaftstheorien hängen von jeweiligen Forschungsfeld ab, wird u.a. mit sozialkonstruktivistischen, interpretativen, poststurkturalistischen, symbolisch-interaktionistischen, phänomenologischen, dialektischen Erkenntnistheorien gearbeitet
- Annahme, dass Erkenntisgewinn dadurch zustande kommt, dass man Untersuchungsgegenstand in seinem Kontext und die Sichtweisen der Beteiligten rekonstruiert, um daraus Hypothesen und Theorien abzuleiten und in mehreren Bearbeitungsschleifen mit Daten abzugleichen, Erfahrungswirklichkeit wird anhand weniger Fälle möglichst ganzheitlich untersucht
- nutzt zirkulären/iterativ strukturierten Forschungsprozess qualitativer, d.h. unstrukturiereter Methoden der Datenerhebung (z.B. teilnehmende Feldbeobachtung, narratives Interview)
- darasu resultieren qualitative, nicht-numerische Daten (Text, Bild, Videomaterial), werden Methoden der Datenanalyse unterzogen
-> wichtige qualitative Methodologien: ethnographische Feldforschung, Biographieforschung
18Mixed-Methods-Sozialforschung
-kombiniert und intergiert quantitative und qualitative Forschungsstrategien innerhalb einer Studie/Forschungsprojekts, Ziel:Erkenntnisgewinn erhöhen
-> Wissenschaftstheorie: Pragmatismus (vereint erkenntnistheoretische Positionen von Kritischem Rationalismus und Interpretionismus)
-> wichtige Methodologien: Kopplung qualitativer und quantitativer Forschungsprozesse in unterschiedlichen Phasen- auf Ebene der Forschungsfrage, des Untersuchungsdesigns, der Datenerhebung, der Datenanalyse und/oder Interpretation
19Was sind allgemeine Wissenschaftstheorien?
"philosophy of science"
- Teilgebiet der Philosophie
- befasst sich mit Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlichem Erkenntnisgewinns-> gibt vor, wie wissenschaftl. Erkenntnisse zu gewinnen und zu begründen sind
- im Fokus stehen Vorannahmen über Beschaffenheit der Untersuchungsgegenstände und über menschlichen Verstand, Merkmale wissenschaftlichen Methoden und Methodologien, Anforderungen an gültige Theorien, gesellschaftliche Funktion und Verantwortung der Wissenschaft
20Was sind explizite Wissenschaftstheorien?
ausformulierte philosophische Theorien darüber, wie Wissenschaft betrieben werden sollte (Kritischer Rationalismus, Sozialkonstruktivismus, Pragmatismus)
--> führender Ansatz der quantitativ-empirischen Sozialforschung ist kritischer Rationalismus, gibt begründet vor, wie erfahrungswissenschaftliche Theorien zu formulieren und zu prüfen sind
21Was ist der Kritische Rationalismus? "critical rationalism"
- Karl Raimund Popper (1902 - 1994) und seine Abhandlung "Logik der Forschung" (1934)
Erkenntnisgewinn:
- Startpunkt: Theorien als Vermutung über Realität, aus ihnen werden DEDUKTIV empirisch überprüfbare Hypothesen abgeleitet und durch empirische Daten überprüft
- kritische Prüfung von Hypothesen umfasst immer auch kritische Betrachtung der Vorraussetzungen der Datengewinnung (Methodenkritik)sowie mit konkurrierenden Hypothesen und Theorien
- Falsifikation ist zentrales Mittel: Theorie verworfen oder vorläufig behalten
- Wahrheitssuche statt Wahrheitsbehauptung:
Wissenschaftliche Forschung besteht im Verständnis des kritischen Rationalismus bzw. Fallibilismus in einer nie endenden Wahrheitssuche ("search for truth") durch kritische Prüfung von Theorien, man nähert sich durch Versuch und Irrtum der Wahrheit zuminest annähernd an
- setzt vorraus, das Wissenschaftliche Theorien so zu formulieren sind, dass man sie empirisch prüfen und falsifizieren kann , nicht falsifizierbare Behauptungen sind laut Kritischem Rationalsimus nicht Gegenstand der Erfahrungswissenschaft
22Deduktion im Bezug auf den Kritischen Rationalismus?
- generell eine Schlussfolgerung von Theorien auf empirische Daten, die von der Theorie vorhergesagt werden
- Erkenntnisprozess beginnt mit einer Theorie aus der man empirisch prüfbare Hypothesen ableitet
-> Widerlegt: anhand von Daten Theorie kritisieren
-> Nicht-widerlegt: Theorie vorläufig beibehalten
23Welches Modell dient der Theorieprüfung im qualitativen Paradigma der empirischen Sozialforschung?
deduktiv-nomologische Erklärungsmodell (Wenn-Dann-Aussagen)
24Was ist der Empirismus bzw. der Positivismus?
-> steht dem kritischen Rationalismus gegenüber
- empirische Daten bilden sowohl Ausgangspunkt als auch Gültigkeitskriterien der Erkenntnis
- Induktion ist Schlussfolgerung von empirischen Daten über einzelne beobachtete Fälle auf übergeordnete wissenschaftliche Theorien, sind übereine Reihe von Fällen verallgemeinerbar
- Erkenntnisprozess beginnt mit Daten, mit ihnen wird schrittweise ein Muster herausgearbeitet
-Mittels Induktion sollen neue Theorien gebildet, aber auch bestätigt werden
- vor allem im qualitativen Paradigma der empirischen Sozialforschung etabliert
25Was sind keine wissenschaftlichen Hypothesen?
Annahmen über Objekte, Merkmale oder Ereignisse, die weder direkt noch indirekt empirisch erfassbar sind, sondern im spekulativen bzw. metaphysischen Bereich bleiben: "Im Paradies sind Menschen glücklicher als auf Erden"
- Es-gibt-Sätze: "Es gibt Lehrkräfte, die ausschließlich aufgrund ihres Charismas erfolgreich sind." (nicht falsifizierbar)
-Kann-Sätze: "Auch ein schlechter Unterricht kann gute Lernerfolge nach sich ziehen." (nicht falsifizierbar)
- normative Aussagen: "Widdergeborene sollten im Januar auf ihre Finanzen achten" (nicht falsifizierbar)
- tautologische Aussagen: "Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist"
- kontradiktorische Aussagen: "Wenn eine Person keinen Wein trinkt, dann trinkt sie Chardonnay"
26Was sind die vier Kriterien, die eine wissenschaftliche Hypothese erfüllen muss?
(1) Hypothese bezieht sich auf Sachverhalte, die sich empirisch untersuchen lassen (empirische Untersuchbarkeit)
(2) Hypothese beinhaltet allgemeingültige, über den Einzelfall hinausgehende Behauptung (Generalisierbarkeit)
(3) Formalstruktur eines sinnvollen Konditionalsatzes (wenn-dann, je-desto)
(4) Konditionalsatz muss potenziell falsifizierbar sein (Falsifizierbarkeit)
27Wie sieht der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn grob als Prozess aus?
Theorie/Frage -> Hypothese -> Versuch planen -> Versuch durchführen -> Ergebnisse auswerten -> Schlussfolgerung -> Theorie/Frage...
28Wie soll/kann eine wissenschaftliche Hypothese aufgebaut sein?
behauptet eine mehr oder weniger präzise Beziehung zwischen zwei oder mehr Variablen, die für eine. bestimmte Population vergleichbarer Objekte oder Ereignisse gelten soll:
- Wenn-dann-Satz: "Wenn Jugendliche übermäßig viel Zeit mit Computerspielen verbringen, dann führt dies zu aggressivem Verhalten."
- Je-dest-Satz: "Je höher die Motivation eines Schülers ausgeprägt ist, desto bessere Noten erreicht er/sie in der Schule."
Informationsgehalt einer Hypothese hängt vom Grad der Falsifizierbarkeit, dem Grad der Allgemeingültigkeit und Präzision ab
- Erweiterung des Wenn-Teils durch "Und"- Komponenten (Konjuktion)
--> Wenn im Jugendalter sehr viele gewalthaltige digitale Spiele genutzt werden und eine Vernachlässigung durch die Eltern vorliegt und schlechte Bildungs- und Berufschancen bestehen und das Selbstwertgefühl gering ist, dann zeigen sich verstärkt aggressive Gedanken.
-> geringerer Informationsgehalt, da weniger allgemeingültig und damit weniger Fälle für Falsifikation
- Erweiterung des Wenn-Teils durch "Oder" -Komponenten (Disjunktion)
--> Wenn gewalthaltige digitale Spiele oder gewalthaltige Fernsehprogramme genutzt werden, dann zeigen sich verstärkt aggressive Gedanken.
-> höherer Informationgehalt bzw. höherer Verallgemeinerungsgrad, da mehr Personengruppen adressiert werden und dadurch mehr potentielle Falsifikatoren existieren
- Erweiterung des Dann-Teil druch "Und"- Komponenten (Konjuktion)
--> Wenn gewalthaltige digitale Spiele genutzt werden, dann zeigen sich versärkt aggressive Gedanken und aggressive Verhaltensweisen
-> höherer Informationsgehalt, da mehr potentielle Falsifikatoren
- Erweiterung des Dann-Teils durch "Oder"- Komponenten (Disjunktion)
--> Wenn gewalthaltige digitale Spiele genutzt werden, dann zeigen sich verstärkt aggressive Gedankken oder aggressive Verhaltensweisen
-> geringerer Informationsgehalt, da weniger potentielle Falsifikatoren
29Kritischer vs. naiver Rationalismus
Navier Realismus: Äußere Reallität = menschliche Wahrnehmung
Kritischer Rationalismus: Es existiert
a) eine vom menschlichen Bewusstsein unabhängige, bestimmten Gesetzesmäßigkeiten folgende Wirklichkeit und diese ist
b) zumindest teilweise für Mensch erkennbar, in Abhängigkeit vom menschlichen Wahrnehmungs- und Denkapparat von Verzerrungen beeinflusst
--> Empirische Daten sind keine Abbilder der Realität
--> Daraus ergibt sich Basis- und Korrespondenzproblem
30Was ist das Basisproblem?
"problem of basic statements"
- Problematik des Nachweises, ob empirische Daten tatsächlich mit Wirklichkeit übereinstimmen
- Übereinstimmung kann nicht bewiesen, sondern unter ständiger Kritik unterzogen festgelegt werden
- Empirische Daten sind nicht einfach reine Fakten, theoriegeladene Aussagen
31Was ist das Korrespondenzproblem?
"problem of correspondence"
- bezieht sich auf Problematik des Nachweises, dass die in einer empirischen Untersuchung eingesetzen Indikatoren tatsächlich das erfassen, was mit den in der zu prüfenden Theorie verwendeten abstrakten Begriffen bzw. theoretischen Konstrukten gemeint ist
- Übereinstimmung kann nicht bewiesen, nur unter ständiger Kritik unterzogen gestgelegt werden
32Kritischer Rationalismus - Falsifikation
Vorraussetzung:
- in Theorie verwendeten theoretischen Konstrukte, die sich auf Merkmale der sozialen Wirklichkeit beziehen, müssen so eidetuig definiert sein, dass sie empirisch erfassbar bzw. messbar sind
- aus Theorie müssen sich empirisch prüfbare Hypothesen eines untersuchbaren raum-zeitlichen Geltungsbereichs und Objektbereichs logisch stringent ableiten
- Untersuchungsbedingungen müssen geschaffen werden, in denen gesamtes Variationsspektrum der Uasprägungen der Variablen vorkommt, denn anhand eines eingeschränkten Variationsspektrums können behauptete Ursache-Wirkungs-Relationen nicht geprüft werden
- Theorie ist falsifizierbar, wenn man aus ihr Hypothesen ableiten kann, für die genau angegeben werden kann, welche empirischen Ergebnisse als hypothesenkonträr oder als hypothesenkonform zu betrachten sind
- anhand der empirischen Annahme oder Ablehnung der Hypothese ist dann Falsifikation oder Weiterentwicklung der Theorie zu diskutieren
--> entsprechende Befunde aus Beobachtungen und Experimenten müssen vorliegen
Grundsatz des Falsifikationsimus: Falschheit von allgemeinen Aussagen kann von entsprechenden Einzelaussagen/Hypothesen abgeleitet werden
--> Hypothese muss, soll sie einen Beitrag zur Wissenschaft leisten, falsifizierbar sein.
-> Beispiel: "Mittwoch regnet es nie" falsifierzierbar durch Beobachtung, dass es an einem Mittwoch regnet
-> Beispiel nicht-falsifizierbarer Aussagen:
"Entweder ein Raucher hat Lungenkrebs oder nicht"
"Bei der Auswahl von SuS für Begabtenförderprogramm kann Intelligenz eine Rolle spielen"
"Wenn man eine Frau ist, ist man möglicherweise auch schwanger"
Wichtig! In Sozial- und Humanwissenschaften gehen wir nicht von deterministischen, sondern von probabilistischen Theorien aus
-> d.h nicht: "Rauchen verursacht Lungenkrebs", sondern "Rauchen hängt mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit zusammen an Lungenkrebs zu erkranken"
33Qualitätsbewertung wissenschaftlicher Erkenntnisse
Ziel: Bewertung des Forschungsprozesses hinsichtlich Güte
1) Handelt es sich um ein wissenschaftliches Vorgehen?
-> 4 Standarts der Wissenschaftlichkeit
1. Formulierung eines wissenschaftlichen Forschungsproblems
2. Realisierung eines wissenschaftlichen Forschungsprozesses (auf Forschungsproblem zugeschnitten) und Einsatz etablierter wissenschaftlicher Forschungsmethoden und Techniken wissenschaftlichen Arbeitens in allen Phasen des Forschungsprozesses
3. Orientierung an der Wissenschafts- und Forschungsethik
4.vollständige schriftliche Dokumentation des gesamten Forschungsprojekts inklusive Archivierung des Datenmaterials
2) Wie hoch ist die Qualität der wissenschaftlichen Studie?
-> 4 Kriterien der wissenschaftlichen Qualität
-> abhängig von Paradigma (quantitativ, qualitativ, Mixed-Methods)
-Beurteilung erfolgt nicht graduell sondern kategorial, sofern keine groben Verstöße erkennbar sind wird Studie als wissenschaftlich eingeordnet
34Standarts der Wissenschaftlichkeit Standart 1
Formulierung eines wissenschaftlichen Forschungsproblems
-Forschungsproblem wird meist ausdifferenziert in Forschungsfragen und/oder Forschungshypothesen
--> müssen empirisch untersuchbar sein
--> müssen den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand entsprechen und in bestehenden wissenschaftlichen Forschungs- und Publikationskontext einzuordnen sein
-Theoriebezug!
35Standarts der Wissenschaftlichkeit Standart 2
Realisierung eines für das jeweilige Forschungsproblem zugeschnittenene wissenschaftlichen Forschungsprozesses
-etablierte wissenschaftliche Forschungsmethoden und Techniken
- unter Rückbezug auf gängige wissenschaftstheoretische Paradigmen und Methodologien
-Methoden der systematischen Datenerhebung, Datenaufbereitung und Datenanalyse müssen wissenschaftlich anerkannt sein, müssen wissenschaftlichen Gütekriterien entsprechen und adäquat für das jeweilige Forschungsproblem sein (Objektivität, Reliabilität, Validität)
36Standarts der Wissenschaftlichkeit Standart 3
Orientierung an der geltenden Wissenschafts- und Forschungsethik
-Wissenschaftliche Forschung erfolgt gemäß ethischer Regeln
- Wissenschaftlichkeit geht verloren wenn Daten manipuliert werden, Ideen gestohlen, Sponsoren oder Interessenskonflikte bestehen und verschwiegen werden
- Ungerechtfertigte Beeinträchtigung/Schädigung von Untersuchungsteilnehmenden sind Verstoß der Forschungsethik
37Standarts der Wissenschaftlichkeit Standart 4
Vollständige Dokumentation des gesamten Forschungsprojekts/-prozesses
- Forschungsprozess muss genau dokumentiert sein, intersubjektiv nachvollziehbar und replizierbar
- Dokumentation und Aufbewahrung aller Forschungsmaterialien und Daten
- Nachvollziehbarkeit und Nachprüfbarkeit
- Ausgewogene Ergebnisinterpretation mit Hinweisen auf widersprüchliche Befunde und Grenzen der Aussagekraft der Studie
- Wissenschaftliche Veröffentlichunf der Studie- möglichst nach fachkundiger Begutachtung (Peer-Review)
38Abgrenzung zu Pseudo- und Parawissenschaft
Pseudowissenschaft:
- erhebt Anspruch der Wissenschaftlichkeitm verstößt jedoch gegen Standarts der Wissenschaftlichkeit
-> unbeabsichtigt, vorsätzlich oder ideologisch
Parawissenschaft:
- anomaler Sachverhalt als Forschungsgegenstand -> Existens und Beschaffenheit des Gegenstandes sind mit aktuellen Kenntnisstand nicht erklärbar
- wird gemäß wissenschaftlicher Methodologie vorgenagen und Anspruch der Wissenschaftlichkeit erhoben
- Parawissenschaft kann durch Erkenntnisgewinn durchaus zu regulärer Wissenschaft entwickeln
394 Kriterien der wissenschaftlichen Qualität
1. Inhaltliche Relevanz (Wissenschaftliche bzw. theoretische Relevanz, praktische Relevanz)
2. Methodische Strenge (wisenschaftliche Methodologien und Methoden)
3. Ethische Strenge (Forschungsethik, Wissenschaftsethik)
4. Präsentationsqualität (Standarts der Berichterstattung)
401. Kriterium der wissenschaftlichen Qualität
Inhaltliche Relevanz
Wissenschaftliche Relevanz
. Wissenschaftsintern: empirisch gestüutzte Bildung, Prüfung und Überarbeitung von wissenschaftlichen Theorien
- Wissenschaftsextern: Forschung zu aktuellen Problemen, neuen Phänomenen, gesellschaftlich umstrittenen Fragestellungen
Praktische Relevanz
- Nützlichkeit der Forschungsbefunde
-> Praxisprobleme lösen, etablierte Maßnahmen optmierien, neue Techniken entwickeln/vermarkten, gesellschaftliche Verhältnisse verbessen
412. Kriterium der wissenschaftlichen Qualität
Methodische Strenge
- Unterschiedlich für quantitatives, qualitatives und mixed-methods Paradigma
- Unteraspekte der methodischen Strenge sind stark voneinander abhängig:
Fehler und Ungenauigkeit bei Datenerhebung oder Datengereinigung schränken Datenqualität ein --> Ergebnisse der anschließenden Datenanalyse verzerrt bzw. in Aussagekraft reduziert
423. Kriterium der wissenschaftlichen Qualität
Ethische Strenge
Forschungsethik
- alle ethischen Richtlinien, an denen sich Forschende bei ihrer Forschungstätigkeit (hier bei der Datenerhebung und Datenanalyse in Rahmen empirischer Studien orientieren sollen)
-> verantwortungsvoller Umgang mit Untersuchungsteilnehmenden und Schutz vor unnötigen oder unverhältnismäßigen Beeinträchtigungen durch Forschungsprozess
Wissenschaftsethik
- alle ehtischen Regeln guter wissenschaftlicher Praxis
-> Ziel: wissenschaftliches Fehlverhalten vermeiden, verantwortungsvoller Umgang mit wissenschftlichen Ergebnissen, ihrer Generierungm Interpretation, Bewertung und Veröffentlichung
434. Kriterium der wissenschaftlichen Qualität
Präsentationsqualität (Standarts der Berichterstattung)
- Nachvollziehbarkeit zentraler Arbeitsschritte
- Vollständigkeit, Gewichtung und Strukturierung der Darstellung
- Lesbarkeit des sprachlichen Stils, Anschaulichkeit der verwendeten Grafiken
- Statistischen Kennwerte in exakt vergleichbarer Weiese berichten (APA7)
44Was sind Gütekriterien quantitativer Forschung?
- Nach Donald T. Campbell (1916-1996) werden 4 Typen der Validität differenziert:
1. Konstruktvalidität:
2. Interne Validität:
3.Externe Validität:
4. Statistische Validität
45Was ist Konstruktvalidität
- vor allem von Qualität der Theoriearbeit (Konzeptspezifikation) und Operationalisierung abhängig
- theoretische Komstrukte müssen anhand des Forschungsstandes und des theoretischen Hintergrunds möglichst exakt definiert sein
- Auf dieser Basis muss bei der Operationalisierung angegeben werden, über welche beobachtbaren Merkmale (Indokatoren) das jeweilige theoretische Konzept mit welche standartisierten Messinstrumenten erfasst werden soll (Einzelitem, psychometrische Skala, Index)
-> Repräsentieren eingesetzte Messinstrumente die theoretischen Konstrukte?
-> kann von empirischen-statistischen Ergebnissen auf die interessierenden theoretischen Konstrukte geschlossen werden?
-> werden Eigenschaften erfasst und sind darüber Rückschlüsse zulässig, die interessant bzw. relevant sind?
46Was umfasst die interne Validität?
- vor allem von der Qualität des Untersuchungsdesigns (experimentelle, quasi-experimentelle oder vorexperimentelle Studie) und dessen Umsetzung abhängig
-> Wie zweifelsfrei kann für interessierende Effekte tatsächlich der vermutete Kausaleinfluss belegt werden?
- Studie deren untersuchten Variablenzusammenhänge mit hoher Sicherheit als kausale Ursache-Wirkungs-Relationen zu interpretieren sind
--> experimentelle Studien haben höchste interne Validität
--> Quasi-experimentelle und nicht-experimentelle Studie können ebenfalls kausale Schlüsse nahelegen mit hoher interner Validität, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt
-> Ist kausale Interpretation der Ergebnisse zulässig?
47Was umfasst die externe Validität?
- vor allem von der Qualität des Untersuchungsdesigns und Stichprobenziehung abhängig (in Umfrageforschung idealerweise probabilistische bzw. repräsentative Stichprobe; in Experimentalforschung dagegen meit nicht-probabilistische Stichproben)
-> Inwiefern können Ergebnisse der Studie ,vor allem im Sinne der Wirkungen einer Maßnahme- auf andere Orte,Zeiten,Wirkvariablen, Treatmentbedingungen oder Personen als die konkret untersuchten verallgemeinert werden?
--> Feldstudie vs. Laborstudien
--> Längsschnitt vs. Querschnitt
--> Mehrere vs. einzelne relevante Variablen
--> Einzelstudien vs. Metaanalysen
--> Stichprobenziehung: Vollerhebung und Repräsentativität
-> Sind Befunde generalisierbar?
48Forschungsthema und Forschungsproblem
Forschungsthema
- benennt Untersuchungsgegenstand
Forschungsproblem
- kennzeichnet, welche Erkenntnisse gewonnen werden sollen
- wird oft als Fragestellung einer Studie bezeichnet, in mehrere Forschungshypothesen ausdifferenziert
Was man dabei bedenken sollte:
- Inhaltliche Eingrenzung des Gegenstands
- Bezug zum empirischen Forschungsstand (überlegungen zur Eingrenzung des Gegenstandes z.b bei research gap
- Wahl der Theorie(n), welche sind zentral?
- Wahl der Methode(n), welches quantitatives Untersuchungsdesign und Datenerhebungs- und Datenauswertungsmethoden?
Bewertung der wissenschaftlichen Qualität
-> inhaltliche Relevanz (ist das Thema nützlich, kann Studie Beitrag zu Theorie oder Praxis leisten?) bspw. Ansatzpunkt für Interventionen (wissenschaftliche Relevanz)m Einsatz eines Trainings für Praxis (praktische Relevanz)
Methodische und Ethische Strenge
- ist Forschungsproblem gegeben der vorhandenen Ressourcen und unter Berücksichtigung der Qualitätsstandarts sinnvoll durchführbar
(besser eingerenzte Studie läuft weniger Gefahr als wissenschaftliche schwaches/pseudowissenschaftliches Projekt zu enden)
49Forschungsstand und theoretischer Hintergrund
Forschungsfrage
Forschungshypothese
Forschungsstand
- beinhaltet Forschung zum Thema der letzen Jahre
- zentrale Forschungslinien und Befunde
- Anwendungsfelder zu diesem Gebiet
- Wie ist Forschungsstand zum Thema insgesamt zu beurteilen?
- Wie ordnet sich Studie in Forschungsstand ein?
Theoretischer Hintergrund
- die für das Forschungproblem leistungsfähigste auswählen, modifizieren und/oder miteinader zu Theoriemodell verknüpfen
- Ableitung Forschungsfrage und Forschungshypothese
Forschungsfrage
- basiert auf bisherigem Forschungsstand, zielt auf Forschungslücken
- fordert dazu auf zu ermitteln, ob Regelhaftigkeiten vorliegen, welche Beschaffenheit sie haben, in welche Richtung sie weisen, wie stark sie sind, wie sie zustande kommen etc.
Forschungshypothese
- aus etablierten Theorien und/oder gut gesicherten empirischen Befunden abgeleitet, postuliert Existenz, Richtung und Stärke eines Effekts
- Anhand von Hypothesenprüfungen werden bestehende Theorien getestet und weiterentwickelt
Literaturrecherche:
- Sehr viele und teilweise falsche Infos im Internet
- Ziel: systematische Recherche, um Forschungsfeld kennenzulernen und Relevanz von Qualität von Quellen beurteilen zu können
- relevante (englische) Suchbegriffe identifizieren
- gezielte Suche in wissenschaftlichen Literaturdatenbanken, z.B. Web of Science, Google Scholar etc.
50Bewertung der wissenschaftlichen Qualität
Methodische Strenge
1. Qualität der Literaturrecherche:
- umfassend und systematisch über wissenschaftliche Datenbanken anhand einer Auswahl einschlägiger Suchbegriffe
2. Qualität der Erarbeitung des Forschungsstandes
- sollte erschöpfend und sinnvoll strukturiert sein, kritisch bewertet werden
3. Qualität der Theoriebildung
- sollte einschlägige Theoriemodelle des Forschungsfeldes anknüpfen und Qualitätskriterien wissenschaftlicher Theorien genügen
Schlüssigkeit der aus Forschungsstand und Theorierahmen abgeleiteten Forschungsfragen/hypothesen
- müssen inhaltlich mit Quellen nachvollziehbar begründet sein
- in Anwendungsforschung lassen sich Forschungsfragen auch anhand der konkreten Anforderungen der Auftraggeber oder Betroffenen einer Maßnahme praktisch begründen
(z.B. in Evaluationsforschung kann Festlegung der Forschungsfragen gemeinsam mit wichtigsten Stakeholdern erfolgen)
Konstruktvalidität
51Untersuchungsdesign
- Charakterisiert allgemein methodische Vorgehensweise der Studie
-> zur Kennzeichnung 9 Kriterien wie z.B. wissenschaftstheoretischer Ansatz, Erkenntnisziel der Studie, Datengrundlage
- innerhalb eines konkreten Untersuchungsdesigns können unterschiedliche Stichprobenarten und Datenerhebungs- und Datenanalyseverfahren zum Einsatz kommen
(1) Wissenschaftstheoretischer Ansatz der Studie
(2) Erkenntnisziel der Studie
(3) Gegenstand der Studie
(4)Datengrundlage bei empirischen Studien
(5) Erkenntnisinteresse bei empirischen Studien
(6) Bildung und Behandlung von Untersuchungsgruppen bei explanativen Studien
(7) Untersuchungsort bei empirischen Studien
(8) Anzahl der Untersuchungszeitpunkte bei empirischen Studien
(9) Anzahl der Untersuchungsobjekte bei empirischen Studien
52(1) Wissenschaftstheoretischer Ansatz der
- Quantitative Studie
- Qualitative Studie
- Mixed-Methods- Studie
53(2) Erkenntnisziel der Studie
- Grundlagenwissenschaftliche Studie "basic research study"
-> unabhängige Studie ("non-commercial research study", "independent research study", "researcher-initiated study")
- Anwendungswissenschaftliche Studie "applied research study"
-> Auftragsstudie ("contract research study", "commercial research study")
54(3) Gegenstand der Studie
- Empirische Stuie
--> Originalstudie
--> Replikationsstudie
- Methodenstudie "methodological study"
- Theoriestudie "theoretical study" oder "research/literature review"
--> Review/Forschungsüberblick "review of research"
--> Metaanalyse
55(4) Datengrundlage bei empirischen Studien
- Primäranalyse
-Sekundäranalyse
-Metaanalyse
56(5) Erkenntnisinteress bei empirischen Studien
-Explorative (gegenstandsbeschreibende/theoriebildende) Studie "exploratory study"
-Deskriptive (populationsbeschreibende) Studie "population descriptive study"
-explanative (hypothesenprüfende) Studie "explanatory study"
57(6) Bildung und Behandlung von Untersuchungsgruppen bei explanativen Studien
- Experimentelle Studie "experimental study" oder "true experiment"
bzw. randomisierte kontrollierte Studie "randomized controlled trial" RCT
- Quasi-experimentelle Studie "quasi-experimental study" bzw. nicht randomisierte kontrollierte Studie "non-randomized controlled trial" NRCT
- nicht-experimentelle Studie "non experimental study"
58Was ist eine experimentelleandomisierte kontrollierte Studie?
- bildet für Prüfung der Kausalhypothese künstlich nach Zufallprinzip min. zwei Gruppen (Randomisierung), behandelt sie systematisch unterschiedich (experimentelle Manipulation der unabhängigen Variablen (UV)) und misst die in den Experimental- und Kontrollgruppen resultierende Effekte auf die abhängigen Variablen
- echtes Experiment
- Ziel: Neutralisierung der Effekte der personenbezogenen Störvariablen
59Was ist eine Quasi-experimentelle/nicht-randomisierte kontrollierende Studie?
- greift auf Gruppen zurück, die nicht zufällig zusammengestellt, sondern oft einfach so vorgefunden wurden oder anderweitig gebildet wurden (keine Randomisierung)
- behandelt sie jedoch ebenso wie im echten Experiment systematisch unterschiedlich (experimentelle Variation der unabhängigen Variablen (UV)) und misst in Experimentalgruppen und Kontrollgruppen die resultierenden Effekte auf die abhängigen Variablen (AV)
- Kontrolle der Effekte von Drittvariablen nur mit statistischen Verfahren möglich, deutlich schwieriger und unsicherer
60Was ist eine nicht-experimentelle Studie?
- greift auf vorgefundene Gruppen zurück (keine Randomisierung), btreachtet deren vorgefundenen Unterschiede
--> keine experimentelle Variation der unabhängigen Variablen (UV), vorgefundene Variation
- zur Prüfung von Kausalhypothesen nur sehr bedingt geeignet, aus forschungsökonomischen/forschungsethischen Grunden aber bei manchen Forschungsthemen die einzige Option
61(7) Untersuchungsort bei empirischen Studie
Laborstudie "labratory study"
- findet in kontrollierter Umgebung statt, um Einfluss umwelt-bzw. untersuchungsbedingter Störvariablen möglichst auszuschließen
- erkauft wird Kontrolle der Störvariablen im Labor meist durch gewisse Künstlichkeit des Untersuchungsortes, was Übertragbarkeit der Befunde auf Alltag erschwert
Feldstudie "field study"
- findet in natürlicher Umgebung statt, so dass Untersuchungsbedingungen den Alltagsbedingungen ähneln und auf diese möglichst gut übertragbar sind
- erkauft wird dies durch verminderte Kontrolle von Störvariablem, was kausale Intepretierbarkeit der Befunde erschwert
62(8) Anzahl der Untersuchungszeitpunkte bei empirische Studie
- Querschnittdeisgn: einmalige Erhebung
-Längsschnittdesign: mehrmalige Erhebung
Trenddesign: Messung zu verschiedenen Zeitpunkten bei unterschiedlichen Personen -> nur Veränderungen auf Aggregatebene
-Paneldesign("echter"Längsschnitt: Messung zu verschiedenen Zeitpunkten bei denselben Personen -> Veränderungen auf Aggregatebene und auf individueller Ebene
63(9) Anzahl der Untersuchungsobjekte bei empirischen Studien
Gruppenstudie "sample study"
eine Stichprobe von Objekten aus der Grundgesamtheit wird untersucht und zusammenfassend ausgewertet
--> Stichprobenstudie
--> Vollerhebung
Einzelfallstudie "case study"
- typischer oder untypischer Einzelfall wird umfassend untersucht mit unterschiedlichen Datenerhebungsmethoden
(Beobachtung, Interview, Fragebogen, Dokumentenanalyse)
644. Operationalisierung
"messbar" machen eines theoretischen Konstruktes in einer empirischen wissenschaftlichen Untersuchung
- es werden beobachtbare Variablen (Indikatioren) bestimmt anhand derer auf die Ausprägungen des theoretischen Konstruktes bei Untersuchungsobjekten geschlossen werden soll
- Beinhaltet Festlegung des Messinstruments, zur Erfassung der Ausprägungen der einzelnen Indikatoren und zur Bestimmung eines Gesamtmesswerts (psychometrischer Skalenwert oder Index) der theoretisches Konstrukt repräsentieren soll
- Theoretische Konstrukte werden meist anhand vieler Indikatoren und nicht durch Einzelindikatoren operationalisiert
(Latente Variable --> Konstrukt; Manifeste Variable --> Items)
65Definition Messen
- Ausprägungsstand bestimmter Merkmale von Personen und Objekten (empirisches Relativ) werden durch Angabe von Zahlen (numerisches Relativ) so repräsentiert, dass bestimmte mathematische Vergleiche oder Operationen im Zahlensystem Asussagen über die tatsächlichen Verhältnisse im Merkmalsbereich ermöglichen
Empirischer Objektbereich -- Strukturtreue (homomorphe) Abbildung -> Mess-System (Numerisches relativ)
66In welche Reihenfolge kann man Skalen bezüglich ihres Informationsniveaus bringen?
- es dürfen mehr Beziehungen zwischen Zahlen empirisch interpretiert werden
Nominal- Ordinal- Intervall- Verhältnis- Absolutskala
67Was ist eine Nominalskala? (nominales Messniveau)
- von den Beziehungen (Relationen) zwischen Ziffern der Mess-Skala nur Gleichheit/Ungleichhei empirisch interpretiert werden darf
- Empirische Deutung der Relationen zwischen Ziffern der Skala (Rangordnung oder Abstände) ist nicht zulässig
--> Deutung hätte mit "gemessener" Realität nichts zu tun, sondern käme nur aufgrund der Überschußbedeutung des verwendeten Symbolsystems zustande
Empirischer Objektbereich --> klassifikatorisches Modell "Konfessionszugehörigkeit" mit unterschiedlichen Ausprägungen
- Tortendiagramm mit relativer/prozentualer Häufigkeit der verschiedenen Kategorien
Mess-System --> Merkmalsausprägungen werden durch Ziffern abgebildet; gleiche Ausprägungen werden gleichen Ziffern und unterschiedliche Ausprägungen unterschiedlichen Ziffern zugeordnet
68Was ist eine Ordinalskala? (ordinales Messniveau)
- Beziehung zwischen Zahlen der Mess-Skala neben der Gleichheit/Ungleichheit auch Rangordnung empirisch interpretiert werden darf
--> Empirische Deutung der Relationen zwischen Zahlen der Skala (z.B. Abstände) darf darüber nicht hinausgehen
Empirischer Objektbereich --> Komparatives Merkmal "Formale Bildungsqualifikation" mit Ausprägungen der unterschiedlichen Bildungsabschlüsse
Mess-System --> Gleiche Merkmalsausprägungen erhalten gleiche Zahlen, geringere Merkmalsausprägungen niedrigere Zahlen und höhere Merkmalsausprägungen höhere Zahlen
69Was ist eine Intervallskala?
- gegeben, wenn von den Beziehungen zwischen Zahlen der Mess-Skala auch Abstände/Differenzen zwischen Objektpaaren interpretierbar sind
- keine Aussagen über absolute Ausprägung sinnvoll interpretierbar
(z.B. heute ist es doppelt so warm wie gestern)
Empirischer Objektbereich --> Metrisches Merkmal "Temperatur" betrachtet in Bezug auf Fixpunkte: Gefrierpunkt und Siedepunkt des Wassers, der damit abgegrenzte Bereich wird eingeteilt in 100 gleichgroße Abschnitte
Mess-System --> Zuordnung von Zahlen mithilfe des Messinstruments Thermometer, eingeteiltin Celsius-Grade, Fahrenheit, Kelvin
In Sozialwissenschaften werden Testinstrumente und Fragebögen entwickelt, von denen "per-Definition" angenommen wird, dass sie intervallskalierte Werte liefern z.B. Test zur Bestimmung der subjektiven Lebensqualität (Trifft überhaupt nicht zu - Trifft genau zu)
70Was ist eine Verhältnisskala? (Rationskala)
- Nullpunkt hat zusätzlich empirische Bedeutung, d.h dem Skalenwert 0 entspricht in der Realität der gemessenen Merkmalsdimension der Zustand "nicht mehr existent"
--> Alter, Größe,Gewicht
Empirischer Objektbereich --> Metrisches Merkmal "Nettomonatseinkommen"
Metrisches Merkmal "Temperatur" betrachtet mit Bezug auf einen Punkt, an dem das Konstrukt Temperatur aufhört zu existieren
Mess-System --> 0 bis .. (Angabe in Euro, Dollar etc.)
0 bis ... (Zuordnung von Zahlen mit Hilfe eines Temperaturmessgeräts und Angabe in Grad Kelvin)
71Was ist eine Absolutskala?
- sowohl der Nullpunkt als auch die Einheiten der Skala sind eindeutig festgelegt
Empirischer Objektbereich --> Merkmal Anzahl der Kinder
Mess-System --> 0 bis ... (natürliche Zahlen)
72Stichprobenziehung
Vollerhebung:
-Untersuchung aller Objekte einer definierten Population
Stichprobenerhebung
-Auswahl von Fällen aus der Zielpopulation
Gelegenheitsstichprobe
- Auswahl willkürlicher Personen und Objekte,die gerade zur. Verfügung stehen /leicht zugänglich sind (z.B. öffentliche Online-Befragung)
Einfache Zufallsstichprobe
- Man zieht aus vollständiger Liste aller Objekte der Zielpopulation nach Zufallsprinzip eine Anzahl von Objekten
-Auswahlwahrscheinlichkeiten aller Objekte müssen gleich groß sein
Klumpenstichprobe ("cluster sample") z.B. ganze Schulen
- aus einer natürlichen Gruppe (Klumpen) gegliederte Population nach Zufallsprinzp eine ausreichende Anzahl an Klumpen ziehen und untersucht diese vollständig
Probabilisitsche Stichproben:
- Auswahl von Elementen zufallsgesteuert um möglichst repräsentative Stichprobe zu erhalten
-> Einfache Zufallsstichprobe
-> Klumpenstichprobe
-> Mehrstufige Stichprobe
Nicht-probabilistische Stichprobe
- Auswahl der Elemente erfolgt willkürlich oder (besser!) absichtsvoll nach vorab festgelegten Regeln
- üblich sind vorab festgelegte Auswahlwarscheinlichkeiten der einzelnen Elemente in der Population;zur Sicherstellung von Fallzahlen/Quoten bestimmter Merkmalsträger in der Stichprobe
-> Ad-hoc Stichprobe
-> Theoretische Stichprobe
->Startifizierte oder Quotenstichprobe
73Bewertung der wissenschaftlichen Qualität
Repräsentativität
- Wie gut spiegelt Merkmalszusammensetzung in der Stichprobe die Merkmalszusammensetzung in der Population wider?
- Stichprobe gilt in quantitativer Forschung als repräsentativ, wenn sie die Population, aus der sie stammt und über sie Aussagen getroffen werden sollen, möglichst unverzerrt "im Kleinen abbildet"
- Repräsentativität einer Stichprobe ist Unteraspekt der externen Validität
- Möglichst weitgehende Ähnlichkeit der Stichprobe mit Population
Merkmalsspezifische Repräsentativität
- Zusammensetzung entspricht in Bezug auf relevante Merkmale der Population
Globale Repräsentativität
- Zusammensetzung entspricht in Bezug auf nahezu alle Merkmale der Population
Probleme:
- "relevante Merkmale" nicht unbedingt bekannt
- selektive Teilnahme/Ausfälle
74Datenerhebung: Methoden der diagnostischen Informationsgewinnung und Darstellung einzelner Erhebungsmethoden
- Verhaltensbeobachtungen
-Gesprächsmethoden/mündliche Befragungen
- Fragebögen und schriftliche Befragungen
-psychologische Testverfahren und Fragebögen
Kriterien für die Wahl:
-> muss zur jeweiligen Fragestellung bzw. Zielsetzung passen
-> muss Merkmale des diagnostischen Objekts berücksichtigen (Alter, Vorwissen, Einschränkungen etc.)
-> Aufwand für Erhebung muss berücksichtig werden und gerechtfertigt sein (personell, zeitlich,finanziell) z.B. Einzel- oder Gruppenverfahren, Anzahl der Merkmale)
-> Qualität der diagnostischen Information: Abwägung zwischen Differenziertheit und Messgenauigkeit vs. Breite der Informationen
-> muss die Art der zu erfassenden Merkmale berücksichtigen (bewusst zugänglich oder unbewusst)
75Verhaltensbeobachtung
-kommen zum Einsatz wenn "natürliche Verhaltensströme" erfasst werden sollen
lassen sich unterscheiden nach:
-> Grad der Stabilisierung und Systematisierung (systematisch vs.unsystematische Beobachtung)
-> Beobachtungssituation: in natürlichen (Feldbeobachtung) vs.in künstlichen Beobachtungssituationen (Labor)
-> Beteiigungsgrad des Beobachters: Teilnahme vs. nicht-teilnehmende Beobachtung
Beobachtungen lassen sich unterscheiden nach:
-> Art der Protokollierung: ohne Informationsverlust (isomorph)= Videoaufzeichnung, mit Informationsverlust (reduktiv)= unter Verwendung von Zeichen-, Kategorien-, Ratingsystemen
Zeichensystem: bestimmtes Verhalten analog festgehalten (Strichliste), Ergebnis: Verteilung des Verhaltens über Zeit (Evaluation des Fahrtrainings)
Kategoriensystem: beobachtetes Verhalten wird in Einheiten gegliedert nd Verhaltenstypen zugeordnet
Ratingssysteme: Verhalten wird in definiertem Zeitraum beobachtet und hinsichtlich bestimmter Merkmale eingeschätzt, nicht nur Kategorie zugeordnet; Beobachter bewertet zusammenfassend Intensität und Häufigkeit des gezeigten Verhaltens
Beispiel- Kodierung von Erklärvideos:
-> Tiefenstrukturen: Klassenführung, konstruktive Unterstützung und kognitive Aktivierung
-> Kategoriensystem (ja/nein);" ist Lehrkraft über gesamtes Video hinweg oder an einzelnen Stellen zu hören?"
-> Ratingsystem (trifft zu, trifft nicht zu); "Das Thema des Videos wird deutlich gemacht"
76Gesprächsmethoden/mündliche Befragungen
--> keine einheitliche Methode, große Gruppe von Verfahren
Interview
- Befragung nach festem Schema
- Erfassung von Meinungen, Überzeugungen und Einstellungen
Exploration
- meist weniger strukturiert als Interview
- Anordnung Fragen und Formulierung wird an Befragte angepasst, Fragender (passive Rolle) lässt Befragten das Gespräch bestimmen
- Erfassung individueller Besonderheiten von Menschen und ihrer Geschichte (gründlich und umfassend, beruflicher Werdegang, Familiengeschichte oder Entwicklung)
--> Anamnese und Katamnese
lassen sich unterscheiden nach:
- Anzahl der Befragten
- Aktivitätsgrad der Fragenden
-Strukturierungs- und Standartisierungsgrad
(standartisiertes bzw. voll-strukturiertes Interview); Abfolge der Fragen eindeutig vorgegeben und für Interviewer verbindlich;
(nicht-standartisiertes, unstrukturiertes oder qualitatives Interview); theoretischer Rahmen vorgegeben, Gesprächsführung offen; halb- bzw teilstandartisiertes Interview: Interviewleitfaden mit offenen und geschlossenen Fragen
Unterschiedliche Fragetypen (Funktionsfragen und Inhaltsfragen) und Fragetechniken (offen, geschlossen, direkt, indirekt)
77Fragebögen und schriftliche Befragungen
- schriftliche Befragung meist unstrukturiert oder halb strukturiert und ermöglicht offene Antworten
- bei Fragebogen stark strukturiert und standardisierte schriftliche Befragung (Auswahl und Reihenfolge festgelegt, Vielzahl von Frage-/Antwortformate möglich, Antwortoptionen teilweise oder weitgehend festgelegt)
-> sind die am häufigsten eingesetzten Erhebungsverfahren in den Sozialwissenschaften
-> werden vor allem eingesetzt zur Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen, Einstellungen, Verhalten von Personen, sowie zur Erfassung von Angaben über allgemeine Zustände oder Sachverhalte
Durchführung Fragebogen:
vor Ort:
- häufig in größeren Gruppen unter Anleitung
- standartisierte Bedingunge
-hohe Teilnahmequote
Postalische Fragebögen:
- Datenerhebungssituation nicht kontrollierbar
- Verständnisfragen können nicht gestellt werden, muss daher besonders transparent und verständlich sein
- häufig niedrige Teilnahmequote
Computergestützte Fragebögen
- Elektronischer Fragebogen vor Ort durchgeführt
Online-Fragebogen
-einfache Durchführung und niedrige Kosten
- häufig niedrige und ggfs. verzerrte Teilnahmequote
Klassifikationskriterien von Fragebögen
- Inhaltsbereiche: Informationen zu vielen verschiedenen psychologischen Inhaltsbereichen
- Persönlichkeit, Slbstkonzept, Gefühle; Einstellungen etc.
-Itemformate: verschiedene Formate (Fragen, Aussagen, Aufgaben, Mehrfachwahlaufgabe -> multiple Choice)
- Antwortformate: offen, halboffen, geschlossen
Fragen-/Antwortformate
- "Offene Antworten": Item ist frei zu beantworten (Text oder Zahl)
-"Halboffene Antworten": Lückentexte, Kurzantwort-Items
-"Geschlossene Antworten": Antwortkategorien vorgegeben;Multiple-Choice, Richtig-Falsch,Zuordnungsaufgaben, Ratingskalen (häufigstes Format)
78Psychologische Tests und Fragebögen
Psychologischer Test
- Standartverfahren zur Messung der quantitativen Ausprägung von Merkmalen
- Leistungstest oder alle Verfahren, die nach einer Testtheorie konstruiert wurden wi z.B. standartisierte Fragebögen
-> Hohes Maß an Standartisierung bzgl. Testdurchführung,-auswertungund Interpretation und empirische Überprüfung der "Testgüte"
Leistungstests
-Messung von Maximalleistung
-Aufgaben objektiv richtig oder falsch zu beantworten (Beurteilungsmaßstab)
- Speedtest: Zeit knapp bemessen
- Power-Test: Niveau der Aufgaben wird sukzessive gesteigert
(Intelligenztests,Lesefähigkeiten etc.)
79Weitere Erhebungsmethoden
Apparative Verfahren
z.B. Simulatoren zur Nachstellung komplexer Aufgaben (Fahr-nd Flugsimulationen)
Psychobiologische Verfahren
- Messung körperliche Veränderungen, die typischerweise mit psychischen Veränderungen einhergehen (Hautleitfähigkeit/ Aktivität im Gehirn, Blutdruck)
Text oder Inhaltsanalyse
- Tagebucheinträge, Archvidaten
Projektive Verfahren
-Vorgabe von unstrukturiertem mehrdeutigem Material
Ziel: Unbewusstes und verbales erfassen (Rohrschachtest, Interpretation von Tintenkleksen)
Reaktionszeitgestütze Verfahren
- Erfassung der Bearbeitungszeit für Aufgabe
- Basiert auf Annahme, dass Reaktionszeit etwas über zugrunde-liegende Prozesse und Einstellungen aussagt (Stroop-Aufgabe)
Computerbasierte Verfahren
- VIele Methoden lassen sich inzwischen computergestützt durchführen (Bearbeitung Tests und Fragebögen an Handy)
- auch mobile sensing: Erfassung von Nutzungsverhalten, GPS-Daten,log-files, Temperatur
80Kriterien für die Wahl der Erhebungsmethode im Bezug auf die Methodische Strenge und ethische Strenge
Datenqualität
- umfasst entsprechende Operationalisierungen durch Messinstrumente mit hoher "Testgüte"
- sorgfältige und sachgerechte Datenerhebung im Rahmen der jeweiligen Erhebungsmethode
Dokumentation
- besonders wichtig, insbesondere die vollständige Sicherung der Rohdaten und ihrer Entstehungsbedingungen (z.B exakte Beobachtungsorte und Zeiten, Angaben zu Anzahl, Merkmalen und Schulung der Versuchsleitenden)
Forschungsethik
- verlangt es, dass Untersuchugnspersonen durch Teilnahme an wissenschaftlicher Studie nicht beeinträchtigt oder geschädigt werden, dass sie über die Modalitäten der Datenerhebung informiert werden und ihr Einverständnis erklären
817. Datenaufbereitung
-Bearbeitungen bzw. Veränderungen des Rohmaterials
- steigert Aussagekraft und (Wieder-)verwendbarkeit der Daten
- bereitet inhaltliche Datenanalyse vor
--> Erstellung strukturierter und anonymisierter Datensätze aus dem Rohmaterial
Ziel: Steigerung der Datenqualität
Methodische Strenge Datenqualität:
- Studie kann sich auf hohe Datenqualität berufen, wenn das sorgfältig erhobene Rohdatenmaterial systematischer und dokumentierter Datenbereinigung unterzogen wurde (Ausschluss unplausibler Werte und Fälle, sachgerechte Behandlung fehlender Werte)
828. Quantitative Datenanalyse
-numerisches Datenmaterial wird im Hinblick auf Forschungsproblem einer empirischen Studie statistisch ausgewertet
- Statistische Verfahren: Deskriptivstatistik, Inferenzstatistik
Methodische Strenge Statistische Validität
- Hohes Maß, wenn Ergebnisse der Studie auf korrekten deskriptiv- und inferenzstatistischen Analysen basieren
83Deskriptive Statistik
- beschreibende Statistik
- fasst Stichprobendaten anhand von Stichprobenkennwerten (Mittelwerte,Prozentwerte) zusammen und stellt sie bei Bedarf in Tabellen und Grafiken anschaulich dar
- Eindimensionale Häufigkeitsverteilungen
-Maß der zentralen Tendenz
-Streuungsmaße
-Zusammenhangsmaße
84Inferenzstatistik
- schließende Statistik
- schließt anhand von Stichprobendaten auf Populationsverhältnisse
- Ausprägung einzelner Variablen in Population geschätzt
- Hypothesen zu Relationen zwischen Variablen in der Population
85Was ist ein Merkmal?
- Eigenschaft einer statistischen Einheit, die bei statistisher Untersuchung interessiert
-durch die Menge der möglichen Merkmalsausprägungen beschreibbar
Manifeste Merkmale: Direkt beobachtbar und messbar ( Körpergröße,Einkommen,Haarfarbe)
Latente Merkmale: theoretisch postulierte Merkmale, durch manifeste Variablen indirekt oder vereinfacht gemessen
- aus manifesten Merkmalsausprägungen muss auf latentes Merkmal geschlossen werden
- Fragebogen, um latente Merkmale (Lebenszufriedenheit) messbar/zugänglich
-Fragen sind manifeste Merkmale, weil man direkt beobachten kann ob Person "JA" oder "NEIN" antworter
- Verhältnis, in welchem Beantwortung der Frage eines Fragebogens zu dem steht, was man eigentlich latent messen will, muss theoretisch geklärt und begründet werden
86Was ist eine Variable?
- numerische Repräsentation eines Merkmals, kann im Gegensatz zu einer KONSTANTEN mindestens zwei Ausprägungen annehmen
Dichotome Variable: besitzt nur zwei Merkmalsausprägungen (Geschlecht)
Diskrete Variable: in jedem beliebigen Intervall nur endlich viele Merkmalsausprägungen x1.....xm annehmen kann (Anzahl von Personen oder Einkommen in Euro)
Stetige oder kontinuierliche Variable: wenn sie zwischen beliebigen Werten xi und xj unendlich viele Werte annehmen kann (Ausdehnung des Quecksilber in einem Thermometer)
87Eigenschaften von Merkmalsverteilungen
-symmetrisch (Körpergröße) vs. asymmetrisch (Einkommen)
- Uni- (Einkommen Bundesrepublik), bi-(Einkommen in einer Stadt im Armenviertel) und multimodal
-schmal- vs. breitgipflig (100m Laufzeiten bei Profi und Normalo)
- Linksteil (rechtsschief) vs. Rechtsteil (linksschief)
88Eindimensionale Häufigkeitsverteilungen
-Alle Werte könnten gleich häufig auftreten -> Gleichverteilung
(bei osychologischen Merkmalen selten der Fall)
- Beschreibung eindimensionaler Häufigkeitsverteilungen durch Maßzahlen (Verteilungskennwerte)
1. Maße der zentralen Tendenz (Mittelwert) Lage des Zentrums einer Verteilung (Modalwert/Modus) häufigester Wert
-> ab Nominalskala
2. Maße der Streeung (Dispersion) Ausmaß an Unterschiedlichkeit/Variabilität in Verteilung charakterisiert, wie groß ist in etwa der Fehler, wenn man statt der einzelnen Werte den Mittelwert als Orientierung verwendet
3. Maße der Schleife Ist Datenverteilung eher symmetrisch oder asymmertrisch
89Deskriptive Statistik: Streuungsmaße
Verteilung der auftretende Werte
-Spannweite (Min,Max)
-Quartilsabstand
-Varianz
-Standartabweichung
-zahlreiche weitere Maßzahlen zur Beschreibung von Verteilungen:Scheife,Exzess ("Breite" einer Verteilung),..