internationale Beziehungen

112 flashcardsby Milla
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All cards

1
Idealismus
14 Punkte Plan
Woodrow Wilson
Analyseebene: Staat (Gesellschaft)
Konzepte: normative Ideen
2
klas. Realismus
politics among Nations - The struggle of Power and Peace
Hans Morgenthau

Analyseeben: Staat (Staatsmann)
Konzepte: Interessen, Macht, Konflikt
3
Klas. Realismus Ukr-Krieg
• Bestätigt Krieg auch anthropologische Motivation von Machtstreben, das Böse im Menschen? (Putin)
• Krieg stützt zentrale Annahmen der Realisten:
- Staaten zentrale Akteure in der Krise, nicht IOs oder gar NGOs (siehe VN-Blockade)
A more convincing demonstration of the relevance of hard power – especially military power –
alles Menschenwesen allezeit nach dem Zwang seiner Natur, soweit es Gesetz ewiger Geltung
- Primat von Sicherheit und Selbsthilfe im anarchischen System – es geht ums das Überleben der Ukraine
- Staaten streben nach Macht: sie wollen diese erweitern (Russland) oder erhalten (Westen, Ukraine) • Staaten folgen im Konflikt eigener Interessenwahrnehmung:
- Russland: Streben nach Hegemonie im post-sowjetischen Raum (und darüber hinaus?) und Re- Etablierung des verlorenen Imperiums
- Ukraine:Überlebensinteresse→Selbstverteidigung
- Westen: Verhinderung Sieg Russlands, ohne zur „Kriegspartei“ zu werden (Nuklearkrieg zu
riskieren) und in Rezession gezogen zu werden (Energieimporte) → Balanceakt
- China, Indien u.a.: Bez. zu Russland wahren, ohne Westen zu verprellen und selbst sanktioniert zu
werden
4
Struktureller Neo- Realismus
Theory of internat. Politics
Kenneth N. Waltz
internat. System
Selbsthilfe, Sicherheitsdilemma, Machtverteilung, Polarität
5
Struktureller Neo- Realismus Ukr-Krieg
Neorealisten erklären Ukrainekrieg primär mit Osterweiterung der NATO
→ legitimiert letztlich Russlands Angriff auf Ukraine
Aus neorealistischer Perspektive nicht nur NATO-Erweiterung Erklärungsansatz, sondern auch neoimperiales Streben Russlands nach Hegemonie im post- sowjetischen Raum und darüber hinaus → Streben nach Einflusszone zwecks Re-Etablierung des inneren und äußeren Imperiums der Sowjetunion
• Kombiniert Konzepte des offensiven Realismus und von Einflusszonen:
Offensiver Realismus: RUS als expansionistische Macht, die durch Eroberungskriege eigene Herrschaft ausdehnen will (2014, 2022), unter Missachtung des Völkerrechtes und von Menschenrechten

Einflusszone: RUS als revisionistische Macht, die durch Krieg und Erpressung Kontrolle über ehem. Republiken der UdSSR und Ostblock zurückgewinnen (Neuauflage der Breschnew-Doktrin) und eine erneute Anerkennung als den USA ebenbürtige globale Großmacht durchsetzen will (Syrien), unter Missachtung der Interessen der Nachbarländer
6
neoliberaler Neo-Institutionalismus
After Hegemony - Cooperation and Discord in the World political Economy
Robert Keokane
internat. Institutionen
Kooperation, Institutionen, Interdependez
7
neoliberaler Neo-Institutionalismus Ukr-Krieg
• Krieg scheint allen Kooperations Annahmen des Institutionalismus zu widersprechen
→ Blockade, da keine kompatiblen Interessen (mixed motives), d.h. Basis für Kooperation fehlt → entspricht Erwartungen der Institutionalisten wie Neorealisten
• Aber Aufschwung westlicher Institutionen: Schulterschluss, hohe Kooperationsdichte
→ UKR-Krieg als Trigger intensiver institutionalisierter Kooperation: vorhandene Institutionen werden genutzt (senkt Transaktionskosten, gem. Regelsetzung, Transparenz, erhöhen Erwartungsverlässlichkeit),
- teilweise Überbrückung bisheriger Gegensätze (PL, U in EU), gem. Wertefundament / Identität wird sichtbar (Vertrauen)

8
Neoliberalismus
Takin Preferences Seriously: A liberal Theory of internat. Politics
Andrew Moraavcsik
Staat, Gesellschaft (auch internat. System)
Innerstaatliche und transnationale Präferenzbildung
9
Neoliberalismus ukr-Krieg
• Probleme der Übertragbarkeit:
- Neoliberalismus geht von liberalen Demokratien aus, in denen gesell. Präferenzen staatliches Handeln
bestimmen → Putins Handeln kaum von Präferenzen in russ. Gesellschaft bestimmt
- Neoliberalismus fokussiert auf Kooperation, nicht Konflikt (demokratischer Frieden etwa auf
Kooperation von Demokratien)
• Aber: Wie weit ist russ. Ukrainekrieg von internen Motivationen getrieben? (innenpolit. Kriegsursachen)
• Ursachenanalyse: Putins Furcht vor einem Herrschaftsverlust in RUS selbst
• Zwei Gefahren für Putin:
„Farbenrevolution“ in RUS
Erfolgreiche Demokratieentwicklung im post-sowjetischen Raum
• Vorwurf Kreml: Farbenrevolutionen angestachelt vom Westen durch Demokratieexport (EU, NGOs)
• Folgen des Krieges:
Totalitäre Wende in Moskau / Gleichschaltung
Popularitätsgewinn für Putin → ralley-behind-the-flag-Effekt?
Ablenkung von inneren Problemen? („diversionary theory of war“)
• Aber: Effekte auf gesell. Ebene und im Kreml selbst schwer abzuschätzen
10
sozialkonstruktivismus
social theory of internat. Politics
Alexander Wendt
alle
Identitäten, Normen, Kulturen
11
sozialkonstruktivismus Ukr-Krieg
• Aber: Konflikte speisen sich oft aus divergierenden Identitäten und Normen – hier RUS vs. UKR / Westen → Wurzel: fundamentaler Identitätskonflikt
• Vier Dimensionen:
- Identitätswandel unter Putin durch Neuinterpretation der Vergangenheit bringt RUS in Konflikt mit UKR: Zerfall der UdSSR Produkt der „Fehler“ der Vergangenheit, UKR keine eigene Identität und kein Existenzrecht
- Parallel dazu seit Jahren zunehmende autoritäre Tendenzen in RUS, nun auch flagrante Verletzungen der Normen des humanitären Völkerrechts im Krieg → grundlegende Normenkollision mit Westen
- UKR ebenfalls Identitätswandel als Folge einer jahrelangen Normenkontestation im Land: sukzessive Ausrichtung auf „Europa“ → EU- und NATO-Mitgliedschaft vs. GUS / Eurasische Wirtschaftsunion: seit Majdan klare Entscheidung ukr. Gesellschaft pro liberale Demokratie → öffnete tiefe normative Kluft zu RUS
- Liberale Normen und deren Diffusion bedrohen Putins Ordnung, nicht NATO und USA an sich → EU steht für Normen, die Putin prinzipiell ablehnt → reagiert mit Abschottung

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pol.psych. Ansätze
(Perception and Misperception in internat. Politics)
(Robert Jervis)
Kleingruppe, Großgruppe, Individuum
Kognition, Emotion

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pol.psych. Ansätze Ukr-Krieg
• Einfluss von Gruppendenken im Kreml auf Kriegsentscheidung und –verlauf? Setting spricht für ausgeprägtes Gruppendenken (etwa im Sicherheitsrat):
Totalitäres System erlaubt Entscheidungen im kleinsten Zirkel um Putin (Abschottung)
Starke Homogenität und Konformitätsdenken
Putins autokratischer Führungsstil lässt kaum Deliberation zu und sanktioniert Dissens und Kritik
• Dysfunktionale kollektive Wahrnehmungen vor dem Krieg (Psychologie der „Masse“): Zweifel an Glaubwürdigkeit amerik. Warnungen – warum? („warning- response gap“):
- U.a. Prädispositionen deutscher Sicherheitskultur: undenkbar → Verharmlosung Putins („mirror- imaging“, kognitive Konsistenz)

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kritische Theorie
theorie kommunikativen Handelns
Jürgen Habermas
Macht, Mechanismen und Strukturen -> Exklusions-Systeme
Emanzipation, de-zentralisierung vom Staat, Sicherheit
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kritische Theorie Ukr-Krieg
• De-Naturalisierung und De-Konstruktion der Politik von USA und NATO seit 1990 → kritische Selbstreflektion: RUS nicht alleinverantwortlich für Rückkehr der Konfrontation
• Westen reifiziert eigene Politik zur Selbstrechtfertigung kritische Theorie zielt auf Aufdeckung alternativer Handlungsoptionen
• Kritik an westlichem Nullsummendenken, an Militarismus und Konfrontationslogik Ziel gemeinsame, kooperative Sicherheit
• De-Konstruktion der wiedererweckten Stereotype von Westen vs. Osten" und (daraus abgeleitet) des Feindbilds von RUS
• Weiterdenken des Spiralmodells von Wendt: Ausstieg aus dem Sicherheitsdilemma erforderte Reziprozität →Schwäche RUS vor und nach Zerfall der Sowjetunion ausgenutzt, NATO gestärkt statt neue, gemeinsame Friedensordnung in Europa zu bauen
•Plädoyer für Handlungsalternativen:
- Respektierung russischer Sicherheitsinteressen keine NATO-Erweiterung und keine Diffusion westlicher Normen in Osteuropa, Anerkennung RUS als gleichberechtigter Partner
- Keine Waffenlieferungen an UKR, Frieden suchen

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Idelaismus Zentrale Annahmen
Anarchie prägt die internationale Politik – Gewalt ist oft letztes Mittel.

Krieg ist überwindbar – durch Institutionen wie den Völkerbund und Lernprozesse (z. B. aus dem 1. WK).

Wachsende Interdependenz – wirtschaftliche und technische Verflechtung schwächt nationale Souveränität.

Krieg wird irrational – durch Globalisierung verliert er an Nutzen („Great Illusion“).

Integration als Fortschritt – langfristiger Trend zur internationalen Kooperation und Regierungsform.

Friedliche Welt durch:
internationales Recht
Zusammenschluss von Demokratien
kollektive Sicherheit
europäische Föderation
ggf. Gewalt gegen Aggressoren legitim
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Idealismus normative Ideen
Interdependenz als Friedensfaktor

Souveränitätskritik des Nationalstaats

Verbindung von Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit

Idee einer Weltgesellschaft (englische Schule)

Weiterentwicklung zur globalen Governance
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Staat und Interessen
Staat als zentraler Akteur (unitary actor), v. a. Großmächte.

Nationales Interesse ist Hauptantrieb – nicht Ideen oder Ideale.

Fokus liegt auf Handlungen statt auf Motiven oder Intentionen.

Interdependenz und größere politische Einheiten können den klassischen Nationalstaat überflüssig machen.
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Macht
Politik ist im Kern Machtpolitik – Ziel ist Machterhalt und -erweiterung.

Macht wird als universelles Mittel zum Erreichen politischer Ziele verstanden.

Ambivalentes Machtverständnis:
Macht als Ressource (militärisch, ökonomisch etc.)
Macht als soziale Beziehung (Durchsetzung gegen Widerstand)
Machtmessung ist unsicher und nur näherungsweise möglich.
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Konflikt und Sicherheitsdilemma
Anarchie + Unsicherheit führen zum Sicherheitsdilemma.

Staaten streben nach Sicherheit → Aufrüstung → erhöht Bedrohung für andere → Rüstungsdynamik.

Teufelskreis: Sicherheitsstreben erzeugt neue Unsicherheiten.

Kooperation ist möglich, aber prekär – Dilemma kann nur temporär überwunden werden.
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Selbsthilfe
In einer anarchischen Weltordnung gibt es keine zentrale Autorität.

Jeder Staat ist auf Selbstschutz angewiesen: „Each country must take care of itself.“

Internationale Kooperation bleibt unsicher und begrenzt – Staaten streben nach relativen Gewinnen.
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Sicherheitsdilemma
Unsicherheit durch Anarchie führt zu Sicherheitsstreben.

Eigene Aufrüstung erzeugt beim Gegner Bedrohungsgefühl, dieser rüstet ebenfalls auf.

Ergebnis: ein Teufelskreis der Unsicherheit, obwohl keiner Krieg will.

Dennoch: defensiver Neorealismus – Ziel ist Überleben, nicht Expansion.
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Machtverteilung (Distribution of Capabilities)
Internationale Struktur entsteht durch ungleiche Machtverteilung zwischen Staaten (unterschiedliche Ressourcen).

Staaten sind gleichartig (like-units), verhalten sich aber unterschiedlich je nach relativer Stärke.

Ziel: Verhinderung einer dominanten Macht – daher Balance-of-Power-Politik.
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Polarität (Systemstruktur)
Polarität beschreibt die Verteilung von Machtzentren:
Unipolarität: eine Hegemonialmacht
Bipolarität: zwei Großmächte (z. B. Kalter Krieg)
Multipolarität: mehrere gleichstarke Mächte

Je nach Polarität verändert sich das Stabilitätsniveau des Systems.
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Hegemoniewechsel-Theorie
Geht von hierarchischer Struktur (nicht anarchisch) aus.

Dominante Macht setzt Regeln und Institutionen durch.

Macht basiert auf:
Bevölkerung
Wirtschaftskraft
politischer Effektivität

Hegemonien geraten unter Druck, wenn andere Mächte unzufrieden sind → mögliche Machtverschiebung.
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Interdependenz
Zunahme globaler Verflechtungen, nicht nur zwischen Staaten, sondern auch mit nicht-staatlichen Akteuren.

Komplexe Interdependenz: Militärische Gewalt verliert an Bedeutung, Staaten sind wirtschaftlich, ökologisch, politisch miteinander wechselseitig abhängig.

Interdependenz führt zu Kosten bei Abbruch von Beziehungen → Verlust von Autonomie.

Asymmetrische Interdependenz ermöglicht Machtausübung.

Interdependenz begünstigt Kooperation, garantiert sie aber nicht – kann auch zu Verteilungskonflikten führen.
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Kooperation
Kooperation = politisch koordinierte Anpassung von Verhalten für gemeinsame Gewinne („joint gains“).

Möglich in Situationen mit gemischten Motiven (z. B. Sicherheit & Eigennutz).

Voraussetzung: Reziprozität, Erwartung langfristiger Beziehungen („Schatten der Zukunft“).

Besonders wahrscheinlich bei:
hoher Interdependenzdichte
langfristigen Herausforderungen

Nicht moralisch idealisiert – auch problematische Kooperation möglich (z. B. zwischen autoritären Regimen).
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Institutionen
Institutionen fördern Kooperation, indem sie:
Regeln und Normen festlegen
Transparenz schaffen
Unsicherheiten reduzieren
Transaktionskosten senken
Erwartungssicherheit erhöhen

Zwei Typen:
Formelle Organisationen (z. B. UNO, WTO)
Internationale Regime (z. B. Klimaregime, Atomwaffensperrvertrag)

Wichtige Mechanismen:
Issue-Linkage (Verknüpfung von Themen)
Reputationskosten
Iterative Interaktion

Einschränkungen:
Effektivität abhängig von Machtasymmetrien und Sanktionsmöglichkeiten
Staaten bleiben zentrale Akteure – Institutionen sind Mittel, nicht Motor der Politik
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Drei Kernannahmen neoliberaler Präferenzbildung
Primat sozialer Akteure:
Gesellschaftliche Gruppen (nicht Staaten!) bilden Präferenzen. Rational, aber konfligierend (z. B. um Ressourcen).
Regimetyp bestimmt, wer Einfluss nehmen kann.

Staat als Repräsentant gesellschaftlicher Präferenzen:
Staat ist nicht neutral, sondern Produkt wechselnder Interessenkoalitionen.
Außenpolitik spiegelt innergesellschaftliche Präferenzen wider.

Staatliche Präferenzen interagieren international:
Internationale Politik entsteht aus Konfiguration nationaler Präferenzen.
Kooperation/Konflikt hängt von Kompatibilität der Präferenzen ab.
30
Mehrebenenanalyse (Putnam, Moravcsik)
Zwei Verhandlungsebenen:
National: Zustimmung durch gesellschaftliche Gruppen nötig (z. B. Parlamente)
International: Staaten als Verhandlungspartner

Wechselseitige Beeinflussung: Verhandlungen auf einer Ebene wirken auf die andere zurück.

Grundlage für EU-Analysen und liberalen Institutionalismus.
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Demokratischer Frieden (Doyle, Kant)
Demokratien führen selten Krieg gegeneinander, wohl aber gegen Autokratien.

Mögliche Erklärungen:
Politische Strukturen: Beteiligung, Kontrolle, Legitimität
Politische Kultur: Konfliktlösung durch Dialog
Wahrnehmung: Demokratische Systeme vertrauen einander mehr
Zielvorstellung: Demokratisierung als Friedensstrategie
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Bürokratische Politik (Allison)
Außenpolitik als Ergebnis interner Machtspiele innerhalb von Regierungen.
Akteure verfolgen eigene institutionelle Interessen und Wahrnehmungen.
Entscheidungsprozesse: Verhandeln, Koalitionen, Kompromisse, Kompetenzkonflikte.
Ergebnis: Nicht immer rational, sondern geprägt von Bürokratie und Rivalität.
33
Identitä
Anarchy is what states make of it" (Wendt)
Anarchie ist nicht festgelegt, sondern sozial konstruiert – sie bedeutet nicht automatisch Selbsthilfe oder Machtpolitik.

Identitäten:
Relativ stabile, aber veränderbare Rollenzuschreibungen in der Interaktion („Wer bin ich – wer sind die anderen?“).
Mehrfachidentitäten möglich, situations- und zeitabhängig.
Entstehen durch soziale Interaktion, nicht unabhängig von anderen.

Identitäten prägen Interessen → Interessen prägen Verhalten.

Sozialisation: Internalisierung sozialer Erwartungen und Identitäten.

Wandel möglich: Kooperation statt Konfrontation, durch „habits of cooperation“.

Sicherheitsdilemma ist nicht naturgegeben, sondern kann durch Identitätswandel überwunden werden.
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Normen – Standards angemessenen Verhaltens
Normen: Verhaltenserwartungen für Akteure mit bestimmter Identität (Klotz).

Zwei Typen:
Regulativ: Regeln, die Verhalten steuern.
Konstitutiv: Regeln, die Akteure und ihre Identität überhaupt erst schaffen.

Verbindlichkeit:
Formell (z. B. Gesetze) oder informell (z. B. Tabus).

Normwandel (Finnemore & Sikkink):
Getrieben durch Normunternehmer, Organisationen, Diskurse.
Kein automatischer oder irreversibler Prozess.

Normendiffusion (Checkel):
Transfer zwischen Gesellschaften, abhängig von Resonanz/Kompatibilität („norm match“).

Neuere Forschung:
Normenkontestation: Normen werden aktiv hinterfragt/abgelehnt.
Normenkollision: Widersprüchliche Normen konkurrieren.
Normenpolitik: Normen als politisches Mittel.
Normenselektion: Opportunistische Auswahl „nützlicher“ Normen.
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Kultur & Kritik
Internationale Politik besteht aus materiellen und normativen Strukturen.
Kulturen der Anarchie (Wendt): Feindlich, rivalisierend oder freundschaftlich – abhängig von geteilten Normen und Identitäten.

Kritik:
Konstruktivismus sei methodisch diffus („Meta-Theorie“).
Problem der Messbarkeit von Normen und Ideen.
Gefahr von Idealismus ohne analytische Schärfe.

Zentrale Unterscheidung:
Starker Konstruktivismus (Normen konstituieren Akteure vollständig).
Schwacher Konstruktivismus (Ergänzung zu rationalen Modellen).
36
Kognition & Individuum
Grundannahmen:
Weltpolitik ist komplex und mehrdeutig → Unsicherheit
Menschen haben begrenzte kognitive Kapazitäten → nutzen Heuristiken zur Komplexitätsreduktion (Tetlock)
Verhalten wird durch Kognitionen, Lebenserfahrung, Werte, Überzeugungen geprägt

Informationsverarbeitung:
Selektive Wahrnehmung, Vorurteile, „Filtering“
Kognitive Dissonanz wird vermieden → Streben nach Stabilität

Heuristische Fehlschlüsse:
Availability Bias, Anchoring, Overconfidence, Attributionsfehler

Folgen:
Fehlwahrnehmungen, Stereotype, Feindbilder, „Entrapment“
Revision möglich, oft inkrementell oder durch Schocks (Schema-Theorie)
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Emotionen
Gleichrangig mit Kognition – beeinflussen Entscheidungen tiefgreifend

Emotionale Zustände führen zu unterschiedlichen politischen Entscheidungen

Reaktion auf Rationalitätsmodelle:
Ablehnung der „vollständigen Rationalität“ → „Bounded Rationality“ (Simon)
Politiker handeln nach dem Prinzip „Satisficing“ (ausreichend statt optimal)
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Kleingruppen
Politische Entscheidungen werden oft in Gruppen getroffen – Fokus auf formelle und informelle Entscheidungsgruppen

Einflussfaktoren auf Gruppenentscheidungen:
Gruppengröße, -struktur, -kohäsion, Informationsfluss, Hierarchien
Agenda-Setting, Subgruppenarbeit, Beratungsstil

Sozialpsychologische Prozesse:
Gruppendynamiken beeinflussen Identitäts- und Präferenzbildung
Oft schwer erforschbar → Quellen: Insiderberichte, Zeitzeugen

Dysfunktion: „Groupthink“ (Janis):
Bedingungen: starke Kohäsion, Abschottung, Homogenität, Stress, schwache Führung

Acht Symptome:
Illusion der Unverwundbarkeit
Überlegene Moralität
Rationalisierung
Stereotype über Außenstehende
Selbstzensur
Illusion von Einstimmigkeit
Druck auf Abweichler
Selbstabschirmung

Gegenmaßnahmen: Kritische Reflexion, externe Inputs, diverse Gruppen
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Großgruppen & Gesellschaften
Desiderat: Weniger erforscht – Fokus auf ethnische Gruppen, Völker, Gesellschaften

Zentrale Aspekte:
Identitätsbildung im kollektiven Maßstab
Emotionale Langzeitdynamiken (z. B. Hass, Angst, Trauma)
Relevanz bei Phänomenen wie Nationalismus, Rassismus, Terrorismus, Genozid

„Psychologie der Masse“:
Kollektive Emotionen, Narrative, Mythen
Bedeutung für lang andauernde Konflikte und Versöhnung
40
Emanzipation & Dekonstruktion
Ziel: Aufdeckung und Auflösung von Reifikationen (fälschlich als unveränderlich angenommene Strukturen) in Wissenschaft und Praxis

Dekonstruktion bedeutet, vermeintlich „natürliche“ oder „gegebene“ soziale Ordnungen kritisch zu hinterfragen und zu entlarven

Daraus folgt die Möglichkeit der Neugestaltung (Re-Konstruktion) alternativer Weltordnungen mit mehr Handlungsspielraum

Emanzipation heißt: Befreiung von dominanten, festgefahrenen Denk- und Machtstrukturen
41
Kritischer Rationalismus vs. Kritische Theorie
Kritischer Rationalismus:
Es gibt eine objektive materielle Realität
Wissenschaft nähert sich dieser Realität durch falsifizierbare Hypothesen, Methoden sind objektiv und intersubjektiv überprüfbar
Wahrheit ist annäherbar, aber nie absolut sicher

Kritische Theorie:
Realität ist nicht objektiv gegeben, sondern sozial und historisch konstruiert
Forscher*innen sind selbst Teil ihrer sozialen Umgebung, Erkenntnis ist perspektivisch und von Machtverhältnissen beeinflusst
Wissenschaft und Praxis sind ko-konstitutiv (wechselseitig prägend)
Theorien formen, was als Realität gilt und welche politischen/ethischen Handlungsräume möglich sind

Wichtige Ansätze der Kritischen Theorie:
Postkolonialismus, Feminismus, Poststrukturalismus, Neo-Gramscianismus, Weltsystemtheorie, Kritische Geopolitik
42
Wissen – Macht Nexus
Theorien bestimmen, welches Wissen legitimiert und verbreitet wird

Macht zeigt sich darin, welche Ideen und Ordnungen privilegiert und welche marginalisiert werden

Der Wettbewerb um theoretische Deutungen ist ein Kampf um die Gestaltung der sozialen und politischen Zukunft

Wissenschaft formt somit auch politische Wirklichkeit und soziale Praktiken
43
Dezentralisierung vom Staat & Kritik an staatszentrierten Sicherheitsstudien
Traditionelle Sicherheitsstudien sind stark staatlich zentriert (Statismus)

Kritik: Diese Perspektive reproduziert selbst das Staatsmonopol auf Sicherheit und erschwert alternative Sichtweisen

Forderung: Dezentralisierung der Sicherheitsanalysen – nicht nur Staat, sondern auch andere Akteure, gesellschaftliche Gruppen und transnationale Bewegungen einbeziehen
44
Breiter Sicherheitsbegriff:
Weg von rein militärischen Bedrohungen hin zu menschlicher, gesellschaftlicher, ökologischer Sicherheit

Thematisierung von Hunger, Armut, Ungerechtigkeit, Angst als zentrale Sicherheitsrisikem

Statt Machtpolitik, Militarismus und Nullsummendenken soll gemeinsame Sicherheit angestrebt werden
45
Rolle der Wissenschaft im emanzipatorischen Ansatz
Wissenschaft soll Stimmen von marginalisierten Gruppen verstärken

Unterstützung bestehender sozialer und politischer Kämpfe zur Befreiung und Gerechtigkeit

Forschung als politisch-ethische Praxis, die Veränderungen und Emanzipation fördert
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westffälische Idee:
Pax optima rerum“ (Frieden ist das höchste Gut, das den Menschen zu kennen gegeben ist)
—> stammt aus römischer Dichtung, Motto des Westphälischen Friedens
• Grundlegung des souveränen „Nationalstaates“ und Staatensystem Europa
• Entstehung europäischer Friedensordnung mithilfe diplomatischer Verhandlungen (Ideell
konzeptionelle Grundlegung v. Frieden zwischen Staaten)
• Prinzip der Gleichberechtigung
• Prinzip der territorialen Integrität und Souveränität von Staaten (eigenständige Regierungen)
• Souveränität in Religionsfragen (Gleiche Rechte für Katholiken/ Evangelen)
Entwicklung langsam (Starke Unterschiede in der Entwicklung zw. Staaten)
47
Westfälisches System:
Hoheitsgewalt des Staates durch Zurückdrängung bisheriger säkularer/ religiöser Gewalten
• Intermediäre Herrschaften Innen (Grafschaften, Bistümer etc.)
Zurückdrängung, bis Staat alleinige Kontrolle innehat
• Supranationale Gewalten Außen (Kaiser, Pabst; regieren in Staaten hinein)
Jahrhundertelanges Ringen mit Ziel der Erlangung voller Handlungsfreiheit (Souveränität)
• Staaten zentrale Handlungseinheit im westphälischen System
• Definition Staat (Fokus auf Gewaltmonopol) —> MaxWeber(1925)
„Staat ist diejenige menschliche Gemeinschaft, welche innerhalb eines bestimmten Gebietes ... das
Monopol legitimer physischer Gewaltsamkeit für sich (mit Erfolg) beansprucht.“
• Staat konstituiert sich durch Staatsgebiet, Staatsvolk, Staatsgewalt (Jelinek, Drei- Elemente- Lehre,
deklaratorische Theorie)
• Konstitutive Theorie ergänzt: Notwendigkeit internationaler diplomatischer Anerkennung
(Montevideo- Konvention 1933)
• Zunahme seit 1945 von 51 auf 193 (VN-Mitgliedschaft)
48
Autoritätsmerkmale
Verbindliche Entscheidungsautorität/ Regelsetzung (Bundestag; höchste Verfügungsgewalt)
• Autoritative Umsetzung (Polizei als Durchsetzer)
• Zuweisung von Kompetenzen, „Kompetenz- Kompetenz“
(Parlamentarischer Rat; Durch Ausarbeitung Grundgesetz Zuweisung
von Kompetenzen)
• Staaten beanspruchen äußere Souveränität, d.h. keine übergeordnete Instanz, die;
• Die Art der Herrschaftsausübung im Inneren vorschreibt,
• Verbindliche Regeln und Vorgaben für Außenpolitik vorschreibt
• Fixiert in VN- Charta 1945, Weitergeltung im modernen Völkerrecht
49
zentrale Prinzipien der Charta der vereinten Nationen
* souveräne Gleicheit aller Staaten
* Terretoriale Integrität
* Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten
* Völkerrecht= Recht aller Staaten
* zwischenstaatliches System = Staatensystem
50
Soueränität als Idealtypus
* staaten nciht wirklich souverän -> schränken handlungsfähigkeit teils freiwillig ein, teils gegen ihren Willen
* internationale Konventionen
* internationale Verträge
* politischen Druck (u.a. Konditionalität)
* physischer Zwang
* existenz von Machthierarchien
51
Souveränitiätsprinzip
* Schutzverantwortung (R2P)
* ICISS
* staatliche Souveränität = hauptverantwortung vom Schutz der Bürger beim Staat
* Interfnationaleschutzverantwortung überwiegt grundsatz der Nichteinmischung
52
Anarchie als Leitprinzip
* keine allgemeine anerkannte übergeordnete Regelungs- und Sanktionsinstanz
* keine Heirarchie und Herrschaft ausüerhalb/oberhalb des Staates
* Formal alle gleichberechtigt, keiner ist berechtigt zu befehlen, keiner verpflichtet zu gehorchen( Waltz 1979)
* Politik in Abwesenheit einer Regierung (Waltz nach Fox 1959)
* Folgen:
* a) permanente Unsicherheit und
* b) Streben nach Selbsthilfe
53
Anarchie im Fall der Ukraine
* Garantiemächte (USA,Rus,Eng) Pakt mit ukr über Status als Nichtkernwaffenstaat
* Ukr verpflichet Kernwaffen abzurüsten
* Annerkennung grenzen/Gebiet der Ukr -> Hilfe versprochen im Falle Bedrohung durch Kernwaffen
* Heutiger Stand; UKR – RUS Konflikt führt zur Auf-/ statt Abrüstung der kleinen Staaten, die nur in Atomwaffen Schutz vor mächtigen Staaten sehen (Aufrüstungsspirale)
54
Internationale Ordnung
* Hierarchie und Anarchie idealtypische Strukturprinzipen
* Anarchie ≠ Regellosigkeit / Chaos
* multilaterale Regelsetzung und -durchsetzung möglich
* kann dies einem Akteur übertragen
* kann freiwillig Souveränität abtreten

→ Räume begrenzter oder prekärer Staatlichkeit
→ Hierarchie idealtypisch innerhalb des Staates
55
Indikatoren int. Ordnungsbildung (u.a. nach Hedley Bull 1977):
* Völkerrecht
* Diplomatie und Verträge
* Ordnungsfunktion der Großmächte
* int. Organisationen und Regime
* Resultat ist internationale „Ordnung“ oder „Organisation“
56
Im Prinzip allerdings bleibt das System anarchisch:
* Vereinbarungen sind freiwillig und konsensabhängig
* Befolgung der Regeln ist unsicher, selektiv und wechselhaft
* Vereinbarungen sind jederzeit kündbar
→ Einhaltung int. Rechts abhängig vom Interessenkalkül bes. der mächtigen Staaten
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Analyseebenen
* Waltz
* Menschliche Natur (Individuum) -> Dominanzstreben
* Interne Struktur der Staaten -> Regiemetypus
* Staatensystem -> Struktur des internat. Systems
* Singer
* Teil-/ Ganzheitliche Betrachtung; Makro-/Meso-/ Mikroebene Bsp. Wald – Baum – Blatt/
* Ablehnung der Individualebene (Waltzs)
* Erachtet Erkenntnissinteresse als maßgeblich möglichst wirklichkeitsgetreu, ist aber stets verzerrend
* Zwei Analyseebenen (nach Singer): Internationales System und Staat
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Internationales System
* Leitidee: Staaten und Politiker nicht autonom, sondern in int. System (Struktur) eingebettet, das ihr
* Reicht auch nicht, Interaktion einzelner Akteure anzuschauen → int. System eigene kausale Wirkung
* Strukturen
* schränken Handlungsspielraum ein und
* ermöglichen bestimmtes Verhalten
* → „the system acts as a constraining and disposing force“
* System als einschränkende/ verfügende Kraft
* Strukturen wirken indirekt; Handeln nicht, nur Effekte sichtbar
59
Außenpolitikanalyse
* Effekt von Anarchie auf Verhalten der Staaten:
* Primäres Interesse an Sicherheit (Überleben), da stets prekär
* Notwendigkeit der Selbsthilfe
* Permanentes Ringen um relative Machtverteilung
* Strukturen starke Beharrungskräfte → hohes Maß an Kontinuität
* Aber Strukturen scheinen nur statisch: „they are dynamic“
* Wechselspiel systemischer und nationaler Faktoren
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Regionale Systeme:
* Regionen = Subsysteme mit eigener Logik und Dynamik
* Eingebettet ins internationale System, enge Wechselwirkung mit diesem
61
Zwei Top-Down-Effekte (nach Buzan):
1. Penetration: Einfluss externer Großmächte auf regionale Prozesse (z. B. USA in Ukraine-Konflikt)
2. Overlay: Überlagerung regionaler Dynamik durch globale Konflikte (z. B. Vietnamkrieg als Stellvertreterkrieg)
* Nach dem Ende des Kalten Krieges stärker sichtbar → Rückzug vieler Großmächte aus Regionen
* Regionenbildung laut Godehardt (2012):
→ entsteht, wenn regionale Probleme nicht mehr nur bilateral lösbar sind, sondern gemeinsame politische Entscheidungen auf regionaler Ebene nötig werden
62
Herausforderungen bei Abgrenzung und Zuordnung von Regionen:
* Uneinigkeit über Kriterien (politisch, kulturell, wirtschaftlich, ethnisch, sprachlich)
* Regionale Dynamik verändert Zugehörigkeiten
* Überlappungszonen (z. B. Slowenien: Balkan vs. EU; Baltikum: UDSSR vs. eigenständig)
* Selbstbild vs. Fremdbild oft widersprüchlich
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Substaatliche Ebene:
Gesellschaften, Bürokratien, Kleingruppen
* Tendenz zur Anthropomorphisierung (Zuschreibung menschlicher Eigenschaften) des Staates als kollektivem Akteur → Reduktion
* müssen wir die „black box“ des Staates öffnen, um int. Politik zu verstehen? → Uneinigkeit
* Aber ob wir Kausalkette „nach unten“ fortsetzen, hängt vom Erkenntnisinteresse ab
* Leitlinie: Öffnung der „black box“, wenn Sachverhalt ohne Einbeziehung dieser Akteure nicht angemessen zu verstehen ist
* Akteure: Gesellschaften, staatliche Bürokratien (etwa Ministerien), Kleingruppen (etwa Kabinett)
* Relevanz etwa in Forschung zu Nationalismus, Terrorismus und außenpolitischen Entscheidungsprozessen
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Theoretischer Fortschriit nach Kuhn
65
Entwicklung der Theorien
1. Startpunkt 1. WK (Gründung Disziplin 1919 Versailles) … kurz durchgehen Etappen
2. Sehen nun Prozess der Pluralisierung, Überlagerung, Kumulation = Idealismus verschwindet nicht, wenn klass. Realismus kommt etc.
3.Heute Rivalität dieser Theorieschulen um Anerkennung und Hegemonie = viele Forscher ordnen sich einer Gruppe zu und schreiben aus dieser Perspektive auch ihre Forschungsarbeiten = gut, wenn man sie einordnen kann oder ihre Perspektive erkennt
4.Relativer Auf- und Abstieg der Theorien = Idealismus zunächst stark durch Realismus verdrängt, dann jedoch in neuem Gewande durchaus zurückgekehrt; Konstruktivismus Neorealismus geschwächt, jedoch keinesfalls verdrängt  = auch regional unterschiedlich
5. jede dieser Theorien verzweigt sich wiederum vertikal, haben das am Beispiel des Institutionalismus verdeutlicht
66
Theorieebenen
1. Metatheorien (epistemologisch; wissenschaft.- erkenntnistheoretische Theorien)
* Methoden/Art Erkenntnisgewinnung (DIE Wahrheit/konstruierte Wahrheit?)
* Unterscheidung
* Positivistische Theorien (Naturwissenschaftsorientiert, erklärend)
* Postpositivistische Ansätze (subjektives Verstehen)
2. Großtheorien („Weltbilder“, ontologische/ substantielle Theorien)
* Erfassen Wesen spezifischer Vorgänge in politischer Wirklichkeit
* Kohärentes System allg. Grundannahmen über Akteure/Strukturen/Prozesse
* Entsteht durch; vertikale Theorieverzweigung
—> Bsp; Klassischer Realismus, Neoliberaler Institutionalismus
3. Bereichstheorien („mid-range theories“)
* kohärentes System allgemeiner Grundannahmen über ein spezifisches Politikfeld
—> Bsp. Theorie Internationaler Organisationen, Regimetheorie
67
Was sind die gängigsten Analyse Ebenen?
1. Internationales System
2. Region (ales System)
3. Staat
4. Substaatliche Ebene
5. Individuen
68
Wie kann man mithilfe des int. Systems den Ukraine Krieg analysieren
- Systemkonflikt (Ost vs. West)
- Machtverlust Russlands aber Anspruch auf Anerkennung
- Nato-und EU-erweiterung
- Konfliktlösung nur mit USA,NATO und EU denkbar
69
Was war der Primärer Impetus des Idealismus?
- Aufklärerischer, vernunftbasierter Fortschrittsoptimismus der Progressive Era
- Erfahrung von Nationalismus, Imperialismus und Militarismum
- War Außerwissenschaftlich, Praxisorientiert und Präskriptiv
70
Welche innerwissenschaftlichen Anknüpfungen gab es beim Idealismuss
- Naturrechtslehre (John Locke)
- Aufklärung (Immanual Kant)
- liberale Volkswirtschaftstheori
71
Was stand im 14. Punkte Plan von Wilson?
- Zeitalter ewigen Friedens angebrochen
- Frieden durch Gerechtigkeit
- Partnerschaft und Gleichheit der Völker
- Völker, nicht Regierungen zentrale Akteure
72
Welche gemeinsamkeiten hatten die Vertreter des klassischen Realisums?
- Fokus auf Staatsebene
- empirieorientiert, politiknah
- Macht, Sicherheit und nationale Interessen
73
Welche historische Impulse hatte der Realismus?
2. Weltkrieg
Kalter Krieg
Stalinismus
74
Realismus und Idealsimus
75
Sicherheitsdilemma
* Ausgangspunkt: Anarchie und homo homini lupus („a primary fact of the social life of man“)
* Aus unvermeidbarer Unsicherheit erwächst Primärinteresse an Sicherheit
* Dilemma: „kill or perish“
* Folgen: Unsicherheit über Intentionen des Anderen → Streben nach maximaler Sicherheit → beeinträchtigt Sicherheit der anderen → Teufelskreis
* Schließt Kooperation nicht aus
* Sicherheitsdilemma kann temporär unterdrückt werden
* Ableitung nicht aus menschlicher Natur oder Machtinstinkt
76
In welchem Kontext entstand der Neorealismus?
- 1979 Hochphase des kalten Kriegs
- Bipolare Weeltordnung voll ausgebildet
- Sicherheitsprimat
- System wechselseitiger Abschreckung
- Ende Entspannungspolitik; beginn des zweiten kalten Krieges
77
Wo unterscheidet sich der Neorealismus von dem klassischen Realismus?
- Ableitung aus Anarchie, nicht Menschlicher Natur
- Analyseebene: internationales System
78
Was sind Grundannahmen des Neorealismus
- Fokus auf Systemebene und ihre kausale Eigenwirkung
- Konstitutuves Merkmal: Anarchie
- Internationales System funktioniert ähnlich wie Markt nach eigenen Wirkmechanismen
- Selbsthilfesystem
- Sketpsis über int- Autorität und Kooperation
- System tendiert stets zu Machtgleichgewicht
• Anarchie → Unsicherheit → Überleben als Primäraufgabe → Sicherheitsstreben
→ defensiver Neorealismus
79
Selbsthilfesystem
• Skeptisch bzgl. Etablierung effektiver int. Autorität und Kooperation:
– Autonomiestreben der Staaten → egoistische Nutzenmaximierer
– Nullsummendenken: Streben nach relativen Gewinnen
– Weltregierung unrealistisch, ja kontraproduktiv
– auch internationale Organisationen folgen Eigeninteressen
• System tendiert stets zum Machtgleichgewicht
80
Gegenmachtbildung: Wege
„internal balancing“ → Aufrüstung
„external balancing“ → Bündnisbildung
„soft balancing“ → Gegenmachtbildung ohne anderen vor den Kopf zu stoßen
• Alternative Strategie: Bandwagoning
d.h. Staaten schließen sich anderen Staaten an, die nach Vormacht streben und das Machtgleichgewicht in
Frage stellen
81
Warum ist balancing dem Bandwagoning dominant?
- Ziel ist nicht nur Macht sondern Sicherheit
- nur weil man mehr Macht hat, heißt es nicht das man sicherer ist
- Wenn es nur nach Macht ginge würden sich alle Länder zu einem Hegemonen zusammenwachsen
82
Machtverteilung
Unipolarität, Bipolarität und Multipolarität
83
Wie handeln Staaten nach dem offensiven Realismus
-Staaten expansionistisch und revisionistisch -> maximizer
- Ziel: Hegemon zu werden
- Nutzen jede Chance mehr macht zu bekommen auf kosten anderer Staaten
84
Welche Strategien haben Staaten mehr Macht zu gewinnen nach dem offensiven Realimsus
Zum Machtgewinn: Krieg und politishce Erpressung
zum Erhalt der Machtbalance: Buckpassing und zur Not balancing
Letzte Option der Schwachen: Bandwagoning und Appeasement
85
Allianztheorie
Fokus externes Balancing durch Bündnisbildung
• Balancing: „ally in opposition to the principal source of danger“ / Bandwagoning: „ally with the state that
poses the major threat“
• Relativiert Waltz in zwei Punkten:
1. Balancing gegen bedrohlichsten, nicht stärksten Staat→„balance of threat“; Perzeption von Bedrohung
von vier Faktoren abhängig:
1. Machtressourcen
2. Geographische Nähe
3. Ausmaß offensiver Fähigkeiten
4. Aggressive Intentionen
→ „intentions, not power [resources], are crucial“
86
Aufwertung von Bandwagoning
Beschwichtigung (wenn alternativlos)
• Mitnahmeeffekte (Beute teilen)
• Weiterentwicklung: Soft Balancing (vs. Hard Balancing): v.a. nicht-militärisch – unilaterales Handeln von
Großmächten „verzögern, frustrieren und unterminieren“
• Durch internationale Organisationen, diplomatische oder ökonomische Maßnahmen etc.
87
hegemoniewechsel-Theorie
• nicht-anarchisches System: internationale (und regionale) Ordnung ist hierarchisch, nicht anarchisch wie bei Waltz
* Ebenen:
* Dominante Macht (Hegemon)
* Großmächte (potenzielle Herausforderer)
* Mittelmächte
* Kleinstaaten
* Macht basiert auf drei Faktoren:
* Bevölkerungszahl
* Ökonomische Produktivität
* Effektivität des politischen Systems
* Staatliches Verhalten hängt vom Grad der Zufriedenheit mit der bestehenden Ordnung ab
* Hegemon sichert Macht durch Institutionen und Regeln, die ihm nützen
* Wandel: Ein globaler Herausforderer mit genug Macht ist selten, daher ist echter Hegemoniewechsel unwahrscheinlich und selten
88
Interdependenz
Keohane & Nye, 1977)
* Zunehmende globale Verflechtung → komplexe Interdependenz
* Nicht-staatliche Akteure (z. B. NGOs, Unternehmen) gewinnen an Bedeutung
* Militärische Macht verliert an Relevanz; Sicherheit nicht mehr oberste Priorität
* Fokus auf wechselseitige Abhängigkeit mit politischen Kosten
* Interdependenz = Transaktionen mit gegenseitigen Kostenwirkungen
* Führt oft zu Souveränitätsverlusten
89
Zwei Formen Interdependenz
* Empfindlichkeit: kurzfristige Reaktionsfähigkeit -> abhängigkeit
* Verwundbarkeit: langfristige Abhängigkeit ohne Alternativen _> kosten mnach Anpassung
90
Interdependenz ≠ automatisch Kooperation
* Konflikte bleiben bestehen oder wandeln sich (z. B. zu Verteilungskonflikten)
* Interdependenz ist meist asymmetrisch → ermöglicht Machtausübung
* Staatliche Reaktionen auf Interdependenz:
1. Hegemoniestreben
2. Unilateralismus („Illusion der Autonomie“)
3. Multilateralismus (Kooperation, Institutionen)
91
Realismus und Institutionalismus:
Prämisse Anarchie und Selbsthilfe
• Staaten Hauptakteure
• Rationalitätsannahme
• Zentraler Unterschied: optimistischer bzgl. Möglichkeiten int. Kooperation; Institutionen zentrale
Katalysatoren
• Botschaft: „institutions matter“
92
Externe Kritik am Institutionalismus (Realismus)
* Institutionen zu vage und breit definiert
* Kein unabhängiger Einfluss auf staatliches Verhalten
* Institutionen als Arenen für Machtspiele hegemonialer Staaten
* Ignorieren Sicherheitsfragen, Vertragsbrüche haben große Folgen
* Zu optimistisch, aber daher populär
93
Interne Kritik am Institutionalismus („Neuer“ Institutionalismus)
* Institutionen sind keine bloßen Werkzeuge oder Arenen für Staaten
* Institutionen als eigenständige Akteure mit eigenen Interessen und Autonomie
* Theoretische Hauptvarianten:
* Rationalistische Prinzipal-Agenten-Theorie (Hawkins et al. 2006)
* Soziologischer Institutionalismus (Barnett & Finnemore 2004)
94
Realismus-Institutionalismus-Debatte
* Kooperation im anarchischen System schwierig
* Zwei Hauptprobleme:
* Vertragsbruch möglich
* Problem der relativen Gewinne (Staaten vermeiden, dass andere relativ mehr Macht gewinnen)
* Realismus erklärt „high politics“ besser, Institutionalismus „low politics“
95
Prinzipal-Agenten-Theorie
96
Neoliberalismus Impetus:
• Vernachlässigung des zweiten „Image“
• Staaten keine ‚like-units‘ → „radically misleading“ (Putnam 1988)
• „black box“ öffnen, um Kooperation und Konflikt weltweit zu verstehen

• Außerwissenschaftlich:
• Aufkommen nicht-staatlicher Akteure
• europäische Mehrebenenpolitik
• Ende Kalter Krieg
→ „Domestizierung“ / „Vergesellschaftung“ int. Politik
97
Kernannahmen Neoliberalismus
1. Primat sozialer Akteure
* Individuen und soziale Gruppen sind risikoavers und rationalistisch
* Wettbewerb um Werte, Ressourcen und Machtzugang
* Mehr soziale Ungleichheit und knappe öffentliche Güter → stärkere Verteilungskonflikte
* Variierende Präferenzintensität
* Regimetyp beeinflusst Partizipationsmöglichkeiten und Einflusskanäle

2. Staat repräsentiert gesellschaftliche Präferenzen
* Staat repräsentiert nur Teile der Gesellschaft
* Staat wird von wechselnden Koalitionen partikularer Interessen „gekapert“
* Staatliche Institutionen fungieren als Übermittler dieser Interessen
* Innerstaatliche Präferenzänderungen führen zu außenpolitischen Richtungswechseln

3. Staatliche Präferenzen im internationalen System
* Neoliberalismus als systemische Theorie betrachtet Konfiguration und Interaktion staatlicher Präferenzen
* Grad der Kompatibilität staatlicher Präferenzen bestimmt Kooperation oder Konflikt
* Präferenzen sind interdependent; sie beeinflussen sich gegenseitig, u.a. durch transnationale Interaktionen
98
Liberale Forschungsprogramme.
1. Mehrebenenanalyse
* Ausgangspunkt: Zwei-Ebenen-Ansatz (Putnam)
* Regierungen verhandeln gleichzeitig auf nationaler & internationaler Ebene
* Wechselwirkung beider Ebenen: nationale „Win-Sets“ notwendig, internationale Verhandlungen wirken zurück
* Weiterentwicklung zur Mehrebenenanalyse (z. B. EU, Moravcsik)
* Bezug zum Subsidiaritätsprinzip (Art. 5(3) EUV)

2. Demokratischer Frieden
* Doyle (1983): Wiederentdeckung von Kants „republikanischem Frieden“
* Demokratien führen kaum Kriege gegeneinander, aber gegen Autokratien möglich
* Erklärungsansätze:
* System: Partizipation, Kontrolle, Legitimität
* Kultur: friedliche Konfliktnormen
* Wahrnehmung: Vertrauen zwischen Demokratien
* Beeinflusst westliche Außenpolitik (USA, EU)
* Demokratisierung als Friedensstrategie

3. Bürokratische Politik
* Allison (1971): „Essence of Decision“ (Kubakrise)
* Außenpolitik = Ergebnis intragouvernementaler Prozesse
* Merkmale:
* Viele Akteure mit eigenen Interessen
* Institutionelle „Brillen“ beeinflussen Problemanalyse
* Konkurrenz um Ressourcen & Zuständigkeiten („turf battles“)
* Kompromisse & Machtkämpfe prägen Entscheidungen
99
Grundannahmen Sozialkonstruktivusmus
**Zentrale Annahmen des Konstruktivismus**

* **Ideen, Identitäten, Normen, Kulturen** sind zentral für internationales Handeln
* Realität ist **sozial konstruiert**, nicht objektiv gegeben → **veränderbar & kontingent**
* **Welt der Ideen** existiert jenseits des Materiellen, hat **eigene Kausalwirkung**
* **Ideen prägen Interessen**, nicht umgekehrt
* **Soziale & normative Strukturen** beeinflussen kollektives Handeln
* Wissen ist **historisch gewachsen** & **kulturell geprägt** ("politische Kulturen")

**Erkenntnistheoretische Grundlagen**

* **Subjektive Wahrnehmung**: Realität existiert nur durch Interpretation
* **Diskurse** erzeugen Bedeutung & legitimieren Handlungen
* Wissenschaft ist **nicht neutral** – Forscherinnen sind Teil der Konstruktion von Wirklichkeit

## **Handlungslogiken (nach March & Olsen, 1988)**

* **Logik der Angemessenheit**: Orientierung an **Normen & sozialer Erwartung**
* Im Gegensatz zur **Logik der Konsequenzen** (Zweckrationalität)
* **Legitimität** und **soziale Akzeptanz** statt nur Nutzenmaximierung
100
Identität und Ende des Kalten Krieges
• Beispiel Ende des Kalten Krieges (nach Wendt 1992):
1. Zerbrechender Konsens über bisherige Politik in Moskau
2. Kritische Reflexion der Reformer über sich selbst und andere führt zur Entstehung alternativer
Identität
3. Änderung eigener Praktiken zwecks Änderung des Negativimages beim anderen
4. Verhaltensänderung des anderen (Reziprozität) → positive Reaktion des Westens
5. Resultat: Vertrauensspirale
Unvollständige Transformation -> Rus Rückkehr Autokratie
101
nationale Interessen im Realismus
interests defined in terms
of power“
(Morgenthau 1985)
• Max Weber im Original:
„Interessen (materielle und ideelle), nicht: Ideen,
beherrschen unmittelbar das Handeln der Menschen.
Aber: die ‚Weltbilder‘, welche durch ‚Ideen‘ geschaffen
wurden, haben sehr oft als Weichensteller die Bahnen
bestimmt, in denen die Dynamik der Interessen das
Handeln fortbewegte.“
• Interessen von Realisten nicht problematisiert, exogen
vorgegeben, evident
102
„nationale“ Interessen Neoliberalismus:
Resultat eines innerstaatlichen Aushandlungsprozesses:
– Soziale Gruppen konkurrieren um Einfluss auf Außenpolitikformulierung
– formen (trans-)nationale Koalitionen, um ihre Interessen durchzusetzen
– Relevanz und Einfluss der Gruppen variiert je nach Politikfeld
– Regierungen aggregieren und repräsentieren jene Gruppeninteressen,
die sich im innerstaatlichen Interessenkonflikt durchsetzen
– D.h. „nationales Interesse“ ist Ergebnis eines innerstaatlichen Ringens,
in dem sich eine partikulare Deutung durchsetzt → kontingent, variabel
103
„nationale“ Interessen Sozialkonstruktivismus:
• Interessen variabel, sozial konstruiert je nach
Kontext
• Routinesituationen: Rückgriff auf Bedeutungs-
zuschreibungen („meanings“), die aus „Rollen-
identitäten“ erwachsen
• Neue Situationen: neue Bedeutungszuschreibung,
möglichst durch Analogiebildung (Wendt 1999)
• Doch vier von allen geteilte Interessen: Überleben,
Autonomie, Wohlstand, Selbstachtung
104
„nationale“ Interessen Kritische Theorie:
Interessenverständnis der Realisten
– vage und zu allgemein → wenig hilfreich zum Verstehen konkreter Politik
– unterschätzt die Bedeutung von „Interpretation“ für Wahrnehmung der Realität
– „Reifikation“ und Simplifizierung
• Interessen sozial konstruiert, d.h. kontingent, wandelbar und manipulierbar
• Funktion: Sinngebung und Legitimierung; führt Einzelentscheidungen auf
wenige einprägsame und leicht vermittelbare Leitlinien zurück
• Aber: faktisch viele divergierende Wahrnehmungen von “nationalem” Interesse
→ politisches Ringen um Deutungshoheit bei Anspruch auf Alleingültigkeit
105
Entstehung von Interessen: kritische Theorie
Mentale Konstruktionsschritte:
(1) Ausgangspunkt: umfassende Repräsentationen der Welt
(2) Herstellung quasi-kausaler Relationen durch zwei Mechanismen:
• Artikulation und
• Interpellation
(3) Interessendefinition mit Handlungsanleitung („Dispositionen“)
• Folgerung: andere Interessendefinitionen („Repräsentationen“) ebenso möglich
(Beispiel Kubakrise) → alternative Handlungsoptionen (Emanzipation)
106
Kritische Theorieansätze:
• Post-Kolonialismus
• Kritische Theorie („Critical Theory“)
• Poststrukturalismus
• Feministische Ansätze
• Neo-Gramscianische Perspektiven
• Weltsystemtheorie
107
Kritische Sicherheitsstudien
* Fokus liegt fast ausschließlich auf dem Staat als Referenzobjekt von Sicherheit
* Kritik: Diese Perspektive verfestigt den Staat als zentralen Akteur künstlich
* Zitat (Bilgin 2008): Staat wird nicht nur abgebildet, sondern durch Analyse reproduziert
* Forderung nach Dezentrierung:
* Sicherheit soll nicht nur staatlich gedacht werden
* Nicht-staatliche Akteure und Sicherheitsbedürfnisse ernst nehmen
* Weg von Militarismus, Machtpolitik und Nullsummendenken
* Hin zu gemeinsamer und kooperativer Sicherheit
108
Erweiterter Sicherheitsbegriff:
* Fokus auf nicht-militärische Risiken (z. B. Hunger, Armut, Ungleichheit, Klimawandel)
* Formen: Menschliche, gesellschaftliche, ökologische Sicherheit, Entwicklungs-Sicherheits-Nexus
* Normative Ausrichtung & Rolle der Forschung:
* Wissenschaft soll unterdrückte Stimmen hörbar machen
* Unterstützung emanzipatorischer Bewegungen und Kämpfe
* Ziel: Beitrag zu globaler Gerechtigkeit und Befreiung (Bilgin 2008)
109
Postkolonialismus in den Internationalen Beziehungen (IB)
* Analysiert Machtverhältnisse zwischen Globalem Norden (Westen) und Globalem Süden (Zehfuss 2012)
* Ausgangspunkt: politische und ökonomische Unterordnung des Südens, Persistenz kolonialer Denkmuster und Strukturen
* IB als Wissenschaft dominiert vom Norden; Süden hat kaum eigene Stimme → IB spiegelt koloniales Denken wider
* Süden wird in seiner Vielfalt oft nicht wahrgenommen
* „Post“ bedeutet Ende kolonialer Herrschaftsformen, nicht Ende der hegemonialen Nord-Süd-Ordnung
* Priorität auf bottom-up-Perspektiven statt top-down
* Kein originärer IB-Theorieansatz, sondern interdisziplinäre Symbiose
110
Beiträge und Fokus des Postkolonialismus (Sylvester 2014)
* Untersuchung historischer Beziehungen Kolonialmacht – Kolonie
* Integration südlicher Perspektiven und Theorien
* Nutzung von Romanen, Gedichten, Tagebüchern aus dem Süden als Quellen
111
Koloniales Erbe in der IB
* Nord-Süd-Themen im Kalten Krieg marginalisiert (Dominanz Kalter-Krieg-Prisma)
* Kolonien wurden nicht als gleichwertige Staaten betrachtet
* Nach der Unabhängigkeit meist fragile, schwache Staaten mit anti-westlicher Stoßrichtung
* Theoretischer Fokus lange auf Dependenztheorie
* Ab 1970ern mehr Aufmerksamkeit für Nord-Süd-Themen → Südliche Staaten formieren sich (G77, OPEC etc.)
* Südliche Forderungen oft als Bedrohung wahrgenommen → Abwehrhaltung des Nordens
* Frühere südliche Stimmen (z. B. Frantz Fanon) riefen zur Abgrenzung und teilweise Gewalt auf
112
Genese sozialwiss. Theorien
Theoriebildung in den Sozialwissenschaften (IB)
* Gesellschaftliche Einbettung:
Theorien entstehen oft als Reaktion auf Krisen, Schocks, Umbrüche
* Keine reine Innerwissenschaftlichkeit:
➤ Außerwissenschaftliche Impulse (z. B. politische Ereignisse) treiben Theorieentwicklung
* In den IB:
* Theorieverzweigung statt Verdrängung
* Alte Theorien bleiben als „Fundus“ erhalten
* Wechselnde Hegemonien je nach Zeitgeist & Relevanz
* Zwei Wege zur Theorieneubildung:
1. Innerwissenschaftlich (Paradigmenwechsel durch Widersprüche, vgl. Kuhn)
2. Außerwissenschaftlich (neue Phänomene fordern bisheriges Denken heraus)
➝ Interaktion beider Wege
* Dimensionen der Theorieverzweigung:
* Horizontal: Entstehung neuer Großtheorien (Realismus, Liberalismus, etc.)
* Vertikal: Entwicklung von Bereichs- oder Spezialtheorien unterhalb der Großtheorien
* Fazit:
Alte Theorien nicht automatisch widerlegt, sondern je nach Fragestellung weiter anwendbar
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