1Disparitäten
beschreiben räumliche Ungleichheiten in Lebensbedingungen, Wohlstand oder Chancen zwischen Regionen.
Wirtschaftliche Disparitäten: Unterschiede im Pro-Kopf-Einkommen, BIP pro Kopf, Arbeitslosenquoten, Branchenstrukturen und Investitionsvolumen.
Soziale Disparitäten: Ungleiches Bildungsniveau (Akademikerquoten), Gesundheitsversorgung (Ärztedichte), Kinderarmut, soziale Mobilität und Wohnraumversorgung.
Demographische Disparitäten: Unterschiede in Altersstruktur (Überalterung), Bevölkerungsdichte, Geburtenrate und Wanderungsbewegungen (Brain Drain).
Infrastrukturelle Disparitäten: Erreichbarkeit im ÖPNV und Qualität der digitalen Infrastruktur (Glasfaser/5G). Ökologische Disparitäten: Ungleiche Verteilung von Umweltbelastungen (Lärm/Feinstaub), Klimarisiken (Wärmeinseln) und Zugang zu Grünflächen.
ökologische Disparitäten: Umweltbelastung durch Luft und Lärm, ungleiche Umweltbelastung durch Stadt und Landverteilung --> Unterschiedliche Gefährdung von Umweltkatastrophen
globale Disparitäten Beispielsweise Entwicklungsunterschiede zwischen globalem Norden & Süden
2Leitbilder der Raumplanung
definieren die Ziele zur Steuerung der Raumnutzung und zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse.
Leitbilder:
1. Daseinsvorsorge sichern (Daseinsgrundfunktionen: Wohnen, Bilden, Arbeiten, Versorgen, Erholen),
2. Klimawandel und Energiewende gestalten
3. Wettbewerbsfähigkeit stärken
4. Raumnutzung nachhaltig steuern
3Handlungsfelder der Raumplanung
definieren die Ziele zur Steuerung der Raumnutzung und zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse.
1. Umgang mit den Folgen des Demographischen Wandels
Problemstellung:
- Durchschnittsalter in DE steigt (Überalterung)
- Überlastung für das Rentensystem
Folgen:
- Landflucht aufgrund:
- Jobsuche, Bildungssuche
- Schwierigkeiten bei der Daseinsvorsorge
- Hoher Renteneinstieg —> Landbetrieb wird vermehrt eingestellt (Supermarkt, med. Versorgung)
Handlungsoptionen:
- Ländlichen Raum attraktiver machen
- Mobilität vereinfachen → auch zur Stadt hin
- zentrale Infrastruktur verbessern
- Digitalisierung
- Glasfaserausbau
- Mobilfunknetz
- Errichtung von Gewerbegebieten (Arbeitsplätze auf Land sichern)
Herausforderungen:
- Hohe Kosten für den Staat und Steuerzahler
- Dauer für den Ausbau
2. Umgang mit den Folgen des Klimawandels & Gestaltung der Energiewende
3. Schutz und Pflege der natürlichen Lebensgrundlage
4. Bewahrung und Schaffung leistungsfähiger Verkehrsinfrastruktur
5. Förderung der Einbindung Deutschlands, in das vereinte Europas der Regionen
6. Etablierung effektiver Bürgerbeteiligung
4Föderale Struktur der Raumordnung
- Bund (Raumordnungsgesetz ROG)
- Länder (Landesentwicklungspläne)
- Regionen/Kommunen (regionalpläne, Flächennutzungspläne
5Gegenstromprinzip
ist das Abstimmungsverfahren in der deutschen Raumordnung zwischen staatlichen Vorgaben und kommunaler Selbstverwaltung.
Top-Down-Prinzip: Anpassungspflicht der Gemeinden an Ziele des Bundes/Landes
Bottom-Up-Prinzip: Kommunen werden bei der Aufstellung übergeordneter Pläne beteiligt, um Wünsche der Bürger miteinzubeziehen
6Europäische Raumordnung
EUREK (europäisches Raumordnungskonzept)
- Grundlage für europäische Zusammenarbeit in der Raumplanung
Drei Leitbilder:
1. Polyzentrische Raumentwicklung,
2. Gleichwertiger Zugang zu Infrastruktur
3. Nachhaltige Entwicklung
-> Agenda 2030
7Subsidiaritätsprinzip
politisches Organisaitonsprinzip, bei dem Entscheidungen auf der niedrigsten möglichen Eben getroffen werden sollen
Grundidee:
- Übergeordnete Ebenen (EU, Bund) sollen nur dann tätig werden, wenn untergeordnete Ebenen, eine Aufgabe nicht ausreichend erfüllen können
Vorteile: Bürgernähe, bessere Kenntnis des Problems der Locals
Gefahr: Unkoordinierter einzelentscheidungen, Konkurrenz zwischen Kommunen.
8Stadt-Umland-Beziehungen (Entwicklungsphasen)
beschreiben den zyklischen Prozess der Bevölkerungsverteilung zwischen Kernstadt und Umland.
Phase 1: Urbanisierung: Verstädterungsprozess, bei dem die Kernstadt durch Landflucht (Push/Pull-Faktoren) schneller wächst als das Umland.
Phase 2: Suburbanisierung: Verlagerung von Wohnen und Gewerbe ins Umland („Speckgürtel“), was zu Zersiedelung und Pendlerströmen führt.
Phase 3: Desurbanisierung: Bevölkerungsrückgang in der gesamten Stadtregion (Kernstadt und Umland), oft durch wirtschaftlichen Strukturwandel bedingt („Shrinking Cities“).
Phase 4: Reurbanisierung: Erneutes Wachstum der Kernstadt durch Sanierung, Aufwertung und attraktive urbane Lebensstile.
9Gentrifizierung
beschreibt den zyklischen Prozess der baulichen und sozialen Aufwertung von Stadtvierteln, der zur Verdrängung einkommensschwacher Haushalte führt.
Phase 1 (Invasionsphase 1 der Pioniere): Zuzug von Studenten und Künstlern in heruntergekommene Viertel mit niedrigen Mieten.
Phase 2 (Invasionsphase 2 der Pioniere): Aufwertung durch kulturelle Aktivitäten (Galerien, Cafés); der Pionieranteil steigt.
Phase 3 (Invasionsphase 3 der Pioniere / 1 der Gentrifier): Pioniere werden berufstätig, Investoren erkennen Wertsteigerungspotenziale.
Phase 4 (Invasionsphase 2 der Gentrifier): Gezielte Sanierungen, enorme Mietsteigerungen und Zuzug einkommensstarker Schichten; Pioniere werden verdrängt.
Phase 5 (Invasionsphase 3 der Gentrifier): Das Viertel wird hochpreisig und sozial homogen; die ursprüngliche Bewohnerschaft ist weitgehend verdrängt.
10Segregation als soziale Herausforderung
Verdrängung und soziale Ungleichheiten
führt zur Vertreibung von einkommensschwachen Haushalten aus ihren Vierteln hinaus
Verlust sozialer Durchmischung:
Homogenisierung der Bewohnerschaft nach Einkommen
kultureller Verlust: Verdrängte kreative Milieus und traditionelle Nachbarschaftsstrukturen gehen verloren
11Ansätze zur Förderung von sozialer Nachhaltigkeit
1. sozialer Wohnungsbau
2. Mieterschutz: rechtliche Instrumente wie Meitpreisbremse, Kündigungsschutz
3. Quartiersmanagemen; Beteiligung der Bewohner an Planungsprozesesn und Aufwertungsmaßnahmen
4. Gemeinschaftsorientierte Wohnformen
12funktionale Gliederung
bezeichnet die räumliche Aufteilung einer Stadt nach verschiedenen Nutzungsarten (Funktionen)
als Merkmal: Zentrale Geschäftsviertel CBD: Konzentration von Büros, Verwaltung, Einzelhandel und Dienstleistungen im Stadtzentrum
- Positiv: Klare Strukturierung, Vermeidung von Nutzungskonflikten (z.B. Industrie neben Wohngebieten)
- Negativ: Lange Pendlerwege zwischen Wohn- und Arbeitsort, hohe Verkehrsbelastung, soziale Trennung
13Modell der zentralen Orte (Christaller)
erklärt die räumliche Verteilung, Größe und Bedeutung von Siedlungen zur Sicherung der Daseinsvorsorge.
Hierarchie: Einteilung in:
Oberzentren (hoher Bedarf), Mittelzentren und Unterzentren (Grundbedarf).
Entwicklungsachsen: Theoretische, wabenförmige Einzugsgebiete zur lückenlosen Versorgung der Peripherie.
Ziel Räumliche Bündelung von Funktionen, um die Erreichbarkeit wichtiger Infrastruktur in angemessener Zeit für alle Bürger zu gewährleisten
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22Polyzentrische Raumentwicklung
Entwicklungskonzept, das auf mehrere gleichwertige Zentren statt auf ein dominantes Oberzentrum setzt.
Ziel: Ausgewogene räumliche Entwicklung durch Stärkung mehrerer Wachstumspole in einer Region oder in Europa
Vorteile:
- Vermeidung von Monozentrismus (übermäßige Konzentration auf eine Stadt/Region)
- Bessere Verteilung von Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit
- Reduzierung von Disparitäten zwischen Zentrum und Peripherie
- Stärkung regionaler Identitäten und Spezialisierungen
Nachteile:
- Gefahr der Vernachlässigung kleinerer Zentren und peripherer Räume
- Verstärkung von Disparitäten zwischen starken und schwachen Regionen möglich
- Konkurrenz zwischen den Zentren kann zu Doppelstrukturen führen
- Hoher Koordinationsaufwand zwischen mehreren gleichwertigen Zentren
- Nicht alle Regionen können gleichermaßen zu Wachstumspolen entwickelt werden
Beispiel: Europäische Metropolregionen (z.B. Frankfurt, München, Hamburg statt nur Berlin in Deutschland)
23Das Modell der lateinamerikanischen Stadt
beschreibt eine Stadtstruktur, die zwischen kolonialem Erbe und extremer sozialer Fragmentierung gespalten ist.
Kern: Historische Plaza mit Kathedrale und Verwaltung.
CBD: Modernes Geschäftszentrum in oder nahe der Altstadt.
Wohnsektoren: Oberschichtviertel ziehen sich sektoral entlang von Hauptverkehrsachsen nach außen.
Peripherie: Informelle Siedlungen (Favelas/Slums) an Hängen oder in Überschwemmungsgebieten.
Gated Communities: Physisch abgeschottete und bewachte Luxussiedlungen als Kontrast zur informellen Stadt.
24Metropolisierung in Entwicklungsländern (Push & Pull)
beschreibt das massive Städtewachstum aufgrund eines starken Migrationsdrucks.
Push-Faktoren (Land): Armut, Landknappheit, mangelnde Infrastruktur und Naturkatastrophen.
Pull-Faktoren (Stadt): Hoffnung auf Arbeit (informeller Sektor), bessere medizinische Versorgung, Bildung und sozialer Aufstieg.
Herausforderungen: Entstehung des „Favela-Syndroms“, Überlastung der Infrastruktur (Verkehrsinfarkt) und marginalisierte Lebensbedingungen in Slums.
25Politische Maßnahmen am Wohnungsmarkt
sind Instrumente zur Steuerung der Mietpreisentwicklung und zur sozialen Erhaltung von Stadtteilen.
Mietpreisbremse: Begrenzung der Miete bei Neuvermietung auf maximal 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete.
Milieuschutz: Schutz ausgewiesener Gebiete vor Verdrängung durch Luxusmodernisierungen.
Sozialer Wohnungsbau: Öffentliche Subventionen für Neubauten, die dafür Mietpreis- und Belegungsbindungen unterliegen.
Kommunales Vorkaufsrecht: Möglichkeit für Kommunen, Grundstücke vor privaten Investoren zu erwerben, um Spekulation zu verhindern.
26Strategien der Raumordnung
wandep
verschiedene Planungsansätze zur Entwicklung des Bundesgebiets.
- Wachstumsstrategie:
- Ziel: Zentren stärken für mehr Gesamtwachstum
- Fokus: Metropolregionen / Wachstumspole
- Idee: Ausstrahlungseffekte ins Umland
- Beispiel: Fehmarnbelt/Verkehrsachse
- Ausgleichsstrategie:
- Ziel: Disparitäten abbauen durch Förderung strukturschwacher Regionen
- Instrumente: Wirtschaftsförderung, Infrastrukturausbau, EFRE
- EFRE = europäischer Fond für regionale Entwicklung
- Beispiel: Lausitzer Seenland (- Umwandlung ehemaliger Braunkohletagebaue in Seenlandschaft
- Tourismus- und Naherholungsentwicklung
- EU-Förderung, Strukturwandel nach Kohleausstieg )
- Nachhaltigkeitsstrategie:
- Ziel: Ökonomie + Ökologie + Soziales ausbalancieren
- Instrumente: UVP, Klimaschutz, Bürgerbeteiligung
- Beispiel: Konflikt Naturschutz vs. Wirtschaft (- Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit (Leitbild 3)
- Klimaschutz: Verlagerung Verkehr von Straße auf Schiene angestrebt
- Spannungsfeld: Naturschutz vs. wirtschaftliche Entwicklung)
- Dezentralisierungsstrategie:
- Ziel: ländliche Räume / kleinere Zentren stärken
- Prinzip: zentrale Orte (Christaller)
- Zielbild: Daseinsvorsorge in der Fläche
- Strategie der Entwicklungsachsen:
- Bündelung von Siedlung + Infrastruktur entlang Achsen
- Wirkung: bessere Vernetzung, weniger Zersiedelung
- Beispiel: TEN-V-Korridore (siehe [Fehmarnbelt](https://www.notion.so/Skandinavien-Mittelmeer-Korridor-31f6397d3d76800d91b8d4b42114b115?pvs=21))
- Polyzentrische Strategie (EU):
- Ziel: mehrere gleichwertige Zentren statt Monozentrismus
- Bezug: EUREK
- Wirkung: Wettbewerbsfähigkeit breiter verteilen
27Strukturmodell der deutschen Stadt
beschreibt die baulichen Merkmale der Stadtentwicklung über verschiedene Epochen.
Mittelalter:
- Enge, verwinkelte Gassen, Ausrichtung auf Marktplatz/Kirche/Burg, ovale Ummauerung.
Frühe Neuzeit:
- Symmetrische Verkehrsachsen, die oft auf eine Residenz/Schlossanlage ausgerichtet sind.
Industrialisierung:
- Rasterförmiges Straßennetz, Mietskasernen in Blockrandbebauung, Trennung von Wohnen und Arbeiten.
Moderne:
- Lockere Bebauung (Einzel-/Reihenhäuser), hohe Versiegelung und funktionale Trennung von Wohn-, Arbeits- und Einkaufsstätten.
28Steuerungsstrategien für Mega-Metropolen
Entlastungsstädte (Satellitenstädte): Geplante Neugründungen im Umland mit eigener Infrastruktur zur Druckminderung in der Kernstadt.
Umsiedlung: Geplante Verlagerung von Bevölkerungsgruppen aus überlasteten Vierteln in neue Siedlungen (freiwillig oder staatlich gelenkt).
Wohnraumaufwertung (Upgrading): Nachträgliche Integration informeller Siedlungen durch den Ausbau von Wasser-, Strom- und Verkehrsnetzen.
Gated Communities: Abgeschottete Wohnbereiche als Reaktion auf mangelnde Sicherheit und öffentliche Infrastruktur.
29Fallbeispiel: Fehmarnbelt-Querung
ein Infrastrukturprojekt von transeuropäischer Bedeutung (TEN-V).
Projekt: 18 km langer Absenktunnel zwischen Deutschland und Dänemark für Schiene und Straße. Wirtschaft: Stärkung der Verflechtung Nord- und Mitteleuropas, Verkürzung der Reisezeit (Hamburg-Kopenhagen).
Konflikt: Massive Eingriffe in das Meeresökosystem der Ostsee, Lärmbelastung für Anwohner und wirtschaftliche Verluste für die bestehende Fährverbindung
30Smart City
Eine Smart City nutzt digitale Technologie, um städtische Systeme effizienter, nachhaltiger und lebenswerter zu machen.
Die 6 Dimensionen der Smart City
1. Smart Economy: Innovation, Start ups, neue Arbeitsformen
2. Smart People: Bildung, digitale Kompetenzen, gesellschaftliche Teilhabe
3. Smart Governance: E-Government, Transparenz, Bürgerbeteiligung
4. Smart Mobility: ÖPNV-Optimierung, Sharing, Verkehrssteuerung, E-Mobilität
5. Smart Environment: Energieeffizienz, Smart Grids, Emissionsreduktion, Ressourcenmanagement
6. Smart Living: Sicherheit, Gesundheit, Wohnen, Kultur, Lebensqualität
Beispiele:
- adaptive Ampeln
- intelligente Energienetze
- Online Services wie Bürger-Apps
31Verkehrs- & Umweltinfarkt
beschreibt eine Überbelastung der Umwelt und der Verkehrsinfrastruktur
Verkehrsprobleme:
Fehlende öffentliche Verkehrsmittel
Staus und lange Pendelzeiten
Schlechte Straßenqualität
Mangelnde Verkehrssicherheit
Umweltprobleme:
Luftverschmutzung (durch zb Fahrzeugabgase, Industrie)
Wassermangel (ökonomische, sowie qualitative Wasserknappheit)
Unzureichende Abfallentsorgung
Lärmbelästung & Umweltverdrängung
32Favela Syndrom
beschreibt ein typisches Muster der Stadtentwicklung in vielen Entwicklungs & Schwellenländern:
- sehr schneller Zuzug trifft auf zu magere Planung, zu wenig Geld & zu wenig Wohnraum
--> es entsteht informelle Siedlungen (Favelas/Slums) oft am Stadtrand
Ursachen:
Landflucht und oder Bevölkerungszuwachs, Armut, fehlender formeller Wohnungsmarkt, schwache Stadtplanung und Verwaltung
Folgen:
Gesundheitsrisiken, Umweltbelastungen, soziale Ausgrenzung, hohe Ungleichheit, Konflikte um Flächen und Räumung
Verbesserugsvorschläge:
Slum-Upgrading --> nachträgliche Infrastruktur hinzufügen, sozialer Wohnungsbau, bessere Verkehrs und Versorgungsnetze, Job- & Bildungsprogramme