1Aufklärung (Zeitraum)
ca. 1650–1800
2Aufklärung (Kontext)
Absolutismus, aufstrebendes Bürgertum; Kants Wahlspruch „Sapere aude" – Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen
3Aufklärung (Kernideen)
Vernunft als oberstes Prinzip, Glaube an Fortschritt und Bildung, Toleranz, Humanität, Kritik an Adel und Kirche
4Aufklärung (Erkennungsmerkmale)
klare, didaktische Sprache; Fabel, Lehrgedicht, bürgerliches Trauerspiel; Vernunft schlägt Gefühl; Figuren argumentieren statt zu fühlen
5Aufklärung (Lyrik-Erkennungszeichen)
lehrhafte Aussage, allegorische Figuren, Fabel oder rationale Argumentation in Versen
6Aufklärung (Autoren & Werke)
Lessing („Nathan der Weise", „Emilia Galotti", „Miß Sara Sampson"), Kant, Wieland, Gellert
7Weimarer Klassik (Zeitraum)
ca. 1786–1805
8Weimarer Klassik (Kontext)
Antwort auf extrem in Aufklärung.Vernunft über Gefühle.
9Weimarer Klassik (Kernideen)
Harmonie, Humanität, Maß, Schönheit; Versöhnung von Vernunft und Gefühl; Ideal des „edlen Menschen"; antikes Vorbild
10Weimarer Klassik (Erkennungsmerkmale)
zeichnet sich besonders durch Humanität, den Glauben an das Gute im Menschen und idealisierte Orientierung an der griechischen Antike.
Erziehung des Menschen zu einer harmonischen, sittlichen Persönlichkeit (der "schönen Seele") steht im Vordergrund.
Vernunft und Gefühl im Einklang
11Weimarer Klassik (Lyrik-Erkennungszeichen)
Gedankenlyrik, Balladen mit moralischer Botschaft (Schillers „Der Handschuh"), strenge Form
12Weimarer Klassik (Autoren & Werke)
Goethe („Iphigenie auf Tauris", „Faust I", „Wilhelm Meister"), Schiller („Wallenstein", „Maria Stuart", „Wilhelm Tell")
13Romantik (Zeitraum)
ca. 1795–1835
14Romantik (Kontext)
Industrialisierung und Restauration; Gegenbewegung zu Aufklärung und Klassik; Sehnsucht nach Heilung der „kalten" Welt
15Romantik (Kernideen)
Gefühl, Sehnsucht, Fantasie, das Unbewusste, das Unendliche; Verschmelzung von Kunst, Religion und Natur; Hinwendung zum Mittelalter und zu Märchen
16Romantik (Erkennungsmerkmale)
Motive Mondnacht, Wald, Wanderer, Ferne, Traum; Volkslied-Ton, einfache Strophen; Doppelgänger, Wahnsinn, das Unheimliche (Schwarze Romantik)
17Romantik (Lyrik-Erkennungszeichen)
Eichendorff-Stil: Mondnacht, Wald, Wanderer; einfache Strophenform; Naturmagie und Sehnsuchtsmotive
18Romantik (blaue Blume)
Sehnsuchtssymbol der Romantik – Inbegriff des Unerreichbaren, der Ferne und der Verschmelzung von Mensch und Natur
19Romantik (Autoren & Werke)
Novalis („Hymnen an die Nacht"), Eichendorff („Aus dem Leben eines Taugenichts"), Brentano, E. T. A. Hoffmann („Der Sandmann"), die Brüder Grimm
20Vormärz (Zeitraum)
ca. 1815–1848
21Vormärz (Kontext)
Restauration, Zensur (Karlsbader Beschlüsse), soziale Not; Forderung nach Demokratie und Einheit – führt zur Revolution 1848
22Vormärz (Kernideen)
Literatur als politisches Engagement; soziale Frage, Freiheit, Hinwendung zum einfachen Menschen; Bruch mit den Idealen der Klassik
23Vormärz (Erkennungsmerkmale)
direkte, scharfe Sprache; Satire und Polemik; politische Lyrik, journalistische Formen; soziale Tragödie statt fürstlichem Trauerspiel; offene Dramenform
24Vormärz (Lyrik-Erkennungszeichen)
politische Gedichte, Spott und Ironie (Heine), klare Botschaft
25Vormärz (Autoren & Werke)
Georg Büchner („Woyzeck", „Dantons Tod", „Der Hessische Landbote"), Heinrich Heine („Deutschland. Ein Wintermärchen"), Georg Herwegh
26Realismus (Zeitraum)
ca. 1848–1890
27Realismus (Kontext)
nach gescheiterter Revolution 1848: Ernüchterung; Industrialisierung; Reichsgründung 1871
28Realismus (Kernideen)
Wirklichkeit darstellen, aber ästhetisch geformt („poetischer Realismus"); keine Idylle, aber auch keine reine Hässlichkeit; das Typische zeigen
29Realismus (Erkennungsmerkmale)
detailgenaue Milieuschilderung; auktorialer Erzähler mit Distanz und Ironie; Novelle als Lieblingsform; psychologische Tiefe; Versöhnungstendenz
30Realismus (Autoren & Werke)
Theodor Fontane („Effi Briest", „Frau Jenny Treibel"), Theodor Storm („Der Schimmelreiter"), Gottfried Keller, Wilhelm Raabe
31Naturalismus (Zeitraum)
ca. 1880–1900
32Naturalismus (Kontext)
Hochindustrialisierung, Verstädterung, Massenarmut; Einfluss von Darwin (Vererbung) und Marx (Milieu)
33Naturalismus (Kernideen)
Mensch durch Milieu, Erbe und Moment determiniert; „Sekundenstil" – sekundengenaue Wiedergabe der Realität; Kunst = Natur minus X
34Naturalismus (Erkennungsmerkmale)
genaue Abbildung von Armut, Krankheit, Trunksucht; Dialekt und Umgangssprache; Tabu-Themen, soziale Anklage
35Naturalismus (Autoren & Werke)
Gerhart Hauptmann („Die Weber", „Vor Sonnenaufgang"), Arno Holz, Johannes Schlaf
36Expressionismus (Zeitraum)
ca. 1905–1925
37Expressionismus (Kontext)
Großstadt, Industrialisierung, Erster Weltkrieg; Krisenerfahrung der Moderne
38Expressionismus (Kernideen)
subjektiver Ausdruck statt äußerer Eindruck; Angst, Entfremdung, Wahn, Weltuntergang; Aufschrei gegen Bürgertum und Krieg; Vision eines „neuen Menschen"
39Expressionismus (Erkennungsmerkmale)
verzerrte, gewaltsame Sprache; Reihungs- und Simultanstil; grelle Farben (rot, schwarz); Großstadtmotive, Apokalypse, Ich-Zerfall
40Expressionismus (Lyrik-Erkennungszeichen)
Reihungsstil (van Hoddis „Weltende"), Großstadtlyrik (Heym, Lichtenstein), schroffe Bildsprache; Verkürzungen, Ausrufe
41Neue Sachlichkeit (Zeitraum)
ca. 1918/1924–1933
42Neue Sachlichkeit (Kontext)
Weimarer Republik; Stabilisierungsphase nach Krieg und Inflation; Großstadt, Massenmedien
43Neue Sachlichkeit (Kernideen)
Abkehr vom Expressionismus; nüchterner, dokumentarischer Blick auf die Wirklichkeit; Mensch in moderner Arbeits- und Großstadtwelt
44Neue Sachlichkeit (Erkennungsmerkmale)
klare, kühle, reportagehafte Sprache; Alltagsthemen, Berufswelt, Frauenrolle; Gebrauchslyrik, Reportageroman; ironisch-distanziert
45Neue Sachlichkeit (Autoren & Werke)
Erich Kästner („Fabian"), Irmgard Keun („Das kunstseidene Mädchen"), Alfred Döblin („Berlin Alexanderplatz"), Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht (frühe Phase)
46Trümmerliteratur / Nachkriegsliteratur (Zeitraum)
ca. 1945–1950
47Trümmerliteratur (Kontext)
Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg: zerstörte Städte, Schuldfrage, „Stunde Null"
48Trümmerliteratur (Kernideen)
radikaler Neuanfang in der Sprache; Aufarbeitung von Krieg, Schuld und Heimkehr; „Kahlschlag" – Verzicht auf alten Pathos
49Trümmerliteratur (Erkennungsmerkmale)
kurze Sätze, einfache Sprache, Kurzgeschichte als Leitform; Heimkehrer- und Ruinenmotive; Schuld, Hunger, Entwurzelung
50Trümmerliteratur (Autoren & Werke)
Heinrich Böll („Wanderer, kommst du nach Spa…"), Wolfgang Borchert („Draußen vor der Tür", „Das Brot"), Günter Eich („Inventur")
51Sozialistischer Realismus (DDR)
staatlich gewünschte Stilrichtung: positiver Held, Arbeiterperspektive, Aufbau-Optimismus; ab den 1960ern zunehmend kritische Gegenstimmen
52Gegenwartsliteratur (Zeitraum)
ab ca. 1990 bis heute
53Gegenwartsliteratur (Kontext)
Nach 1989: Wiedervereinigung; danach Globalisierung, Migration, Digitalisierung, Klima- und Identitätsdebatten
54Gegenwartsliteratur (Kernthemen)
deutsche Geschichte und Erinnerung (NS, DDR, Wende), Migration und Identität, Familie und Herkunft, Klimakrise, digitale Welt, Geschlecht
55Gegenwartsliteratur (Erkennungsmerkmale)
keine einheitliche Form – Vielfalt der Stile; oft autofiktional, fragmentarisch, multiperspektivisch; Mischung von Erinnerung und Reflexion
56Erinnerungs- und Generationenliteratur
seit ca. 2000 – literarische Aufarbeitung von NS-Erbe und DDR-Geschichte über mehrere Generationen (Erpenbeck „Heimsuchung", Uwe Tellkamp „Der Turm", Eugen Ruge „In Zeiten des abnehmenden Lichts")